Fälle in Aidlingen und Grafenau Unchristlicher Spendenklau bei Christbaumabholung

Geldkuverts an Christbäumen: verlockend für Langfinger Foto: Achim Haustein/SpVgg Aidlingen

Als Einladung zum Diebstahl hatten offenbar Unbekannte die Spendenumschläge an Christbäumen bei Abholaktionen in verschiedenen Orten verstanden.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Der 6. Januar ist vorbei, der Christbaum hat ausgedient. In vielen Kreisgemeinden ist es üblich, dass örtliche Vereine oder kirchliche Organisationen sich um die Abholung kümmern. Der Weihnachtsbaum wird dafür vor der Haustüre platziert und mit einer kleinen Geldspende versehen. Das System basiert auf einem gewissen Grundvertrauen und hat sich vielerorts über Jahre hinweg bewährt. Statt der erbetenen zwei oder drei Euro liegen als Spende oft auch Geldscheine in den Umschlägen.

 

Immer wieder gibt es aber offenbar schwarze Schafe, die so ein Kuvert als Einladung zum Diebstahl sehen. So zum Beispiel in der Rosenstraße in Aidlingen. Dort kümmert sich die SpVgg Aidlingen um die jährliche Abholaktion. Wie eine Facebook-Userin auf der lokalen Community-Seite schreibt, haben „miese A ...löcher“ das Geld von Weihnachtsbäumen abgerissen und geklaut.

„Es macht mich traurig und wütend zugleich.“

Binnen weniger Tage sammeln sich zahlreiche Kommentare unter dem Post, darunter Ratschläge, wie man so einen Diebstahl vermeiden könnte – etwa, indem man das Kuvert nicht schon am Vorabend, sondern erst kurz vor der Abholung an den Baum hängt oder auf die Sammler wartet und ihnen das Geld persönlich in die Hand drückt.

„Das hätten wir gemacht und machen es in Zukunft auch so“, erklärt die Aidlingerin. „Es macht mich traurig und wütend zugleich“, schreibt sie – und fügt hinzu, dass sie „den Jungs“ vom Sportverein dann nochmals zehn Euro persönlich gegeben habe.

In Grafenau, wo die evangelische Kirchengemeinde die Weihnachtsbäume abholt und dafür Spenden für die eigene Jugendarbeit sowie das Kinderwerk Lima sammelt, meldet sich ebenfalls eine Anwohnerin in der lokalen Facebook-Gruppe zu Wort: „So traurig! Mein Mann hat sogar zweimal Geld zum Baum gelegt und beides Mal war es bereits nach kurzer Zeit weg. Wie kann man nur so sein!?“, schreibt sie. Zum Glück habe ihr Mann die Helfer dann noch persönlich angetroffen und das Geld direkt überreicht.

Insbesondere auf der Aidlinger Facebook-Community-Seite steigern sich die Kommentare in ein Lamento über Regierungsversagen, falsche Wahlversprechen und die allgemeinen gesellschaftlichen Zustände in „Gesamtdeutschland“. Eine Userin meint, „dass so was generell in der heutigen Zeit nicht mehr machbar ist“, bei einem anderen schwinde immer mehr der „pauschale Glaube an das Gute im Menschen“. Und wie sehen die Organisatoren der Sammelaktion das Thema?

„Natürlich ist das Mist, aber ich will da auch keinen großen Terz darum machen“, sagte Achim Haustein. Der SPD-Gemeinderat und Jugendleiter der Aidlinger Fußballabteilung organisiert das Christbaumsammeln. Er bestätigt, dass vereinzelt Geld von den Bäumen gestohlen worden sei. Vor drei Jahren sei dies in diesem Wohngebiet am östlichen Ortsrand schon einmal passiert. Damals habe man den Dieb auf frischer Tat ertappt und die Polizei eingeschaltet, am Ende sei er aber entwischt. „Wenn man alles zusammenzählt, sind das vielleicht insgesamt 20 Euro“, sieht er das Thema eher gelassen.

Polizeisprecher: „Diebstahl bleibt Diebstahl!“

Das tut auch eine Sprecherin der evangelischen Kirchengemeinde Döffingen. Außer dem auf Facebook berichteten Fall seien ihr in diesem Jahr keine weitere Diebstähle bekannt. „Allerdings ist vor zwei Jahren mal deutlich mehr weggekommen. Da hatte in einer Straße gleich an mehreren Bäumen das Geld gefehlt.“ Aber auch hier habe es sich um kaum mehr als 20 Euro gehandelt.

Vielleicht sind die geringen Beträge auch der Grund, warum solche Fälle selten zur Anzeige gebracht werden. Laut dem für den Kreis zuständigen Polizeipräsidium Ludwigsburg liegt den Beamten bisher kein einziger entsprechender Fall vor. „Aber auch wenn es sich um geringe Geldbeträge handelt, ändert das gar nichts“, betont ein Polizeisprecher, „Diebstahl bleibt Diebstahl!“

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