Fälscherprozess Giacometti-Plagiate sind weiterhin zu haben

Vor drei Jahren wurden zahlreiche Fälschungen zerstört. Wie viele noch existieren, weiß aber niemand. Einige werden weiterhin im Internet angeboten. Foto: Heinz Heiss
Vor drei Jahren wurden zahlreiche Fälschungen zerstört. Wie viele noch existieren, weiß aber niemand. Einige werden weiterhin im Internet angeboten. Foto: Heinz Heiss

Freimütig hat Robert D. im Kunstfälscherprozess eingeräumt, etwa 1300 Werke von Alberto Giacometti gefälscht zu haben. Die Polizei ließ viele Fälschungen zerstören. Einige kursieren weiterhin im Internet, aber nicht als angebliche Originale, sondern „im Stile Giacomettis“.

Lokales: Oliver im Masche (che)

Stuttgart - Freimütig hat Robert D. im Kunstfälscherprozess am Landgericht bereits eingeräumt, etwa 1300 Skulpturen und Gipsrohlinge des weltberühmten Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti gefälscht zu haben. Für die filigranen Figuren habe er sechs Tonnen Bronze verarbeitet, so der Angeklagte. Die Polizei ließ aber vor drei Jahren Fälschungen zerstören, die zusammen nur fünf Tonnen wogen. Möglicherweise sind somit Plagiate im Gesamtgewicht von einer Tonne unentdeckt. Einige Fälschungen werden weiterhin zum Kauf angeboten: aber nicht als „Originale“, sondern im Stile Giacomettis.

Der Hauptsachbearbeiter der Polizei erklärte nun in dem Prozess als Zeuge, dass man wahrscheinlich nie erfahren werde, wie viele Fälschungen noch existieren. „Niemand weiß, ob wir alle gefunden und erhalten haben“, sagte Ernst Schöller vom Landeskriminalamt, der dem Angeklagten Robert D. bis zu dessen Festnahme im Sommer 2014 fünf Jahre lang auf den Fersen gewesen war. Der mittlerweile 56 Jahre alte Niederländer hatte zehn Jahre lang in Thailand gelebt und dort eine Bar gehabt. Bei seiner Einreise am Flughafen Amsterdam klickten die Handschellen.

Angeklagter offeriert selbst Plagiate als „Reproduktionen“

Robert D. selbst bietet auf seiner Homepage auch heute noch Plagiate des Schweizer Künstlers an: Er nennt sie „original Giacometti Reproduktionen“. Sie heißen „Walking Man“, „The left Hand“ und „Tall Woman“. Jedes Exemplar kostet 750 bis 2000 Euro. Dabei handelt es sich offenbar um Urheberrechtsverletzungen, schwer zu ahnden, weil die „Werke“ in Thailand sind. Auf Ebay offeriert zudem ein Anbieter aus Portugal Plagiate „frei nach A. Giacometti“. Der Preis liegt bei 390 bis 880 Euro – hinzu würden 35 Euro für den Versand kommen.

Ein Schnäppchen im Vergleich zu einem echten Giacometti. Der Schweizer Künstler (1901 bis 1966) hat etwa 500 Werke geschaffen. Bei Versteigerungen erreichen die Preise astronomische Höhen. Zuletzt kam im Mai bei Christie’s in New York ein „Man Pointing“ für 141 Millionen Dollar (126 Millionen Euro) unter den Hammer.

Für die Opfer brach eine Welt zusammen

Von solchen Preisen haben die bereits verurteilten Komplizen des Angeklagten indes nur träumen können. Ein Mainzer Kunsthändler, bei dem 1000 von Robert D. gefertigte Plagiate in einem Lager entdeckt worden waren, und ein sogenannter Reichsgraf, wurden aber geschnappt und bereits zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten etwa 200 Plagiate an den Mann gebracht. Bei den geneppten Käufern hinterließen sie einen Schaden von mehr als acht Millionen Euro. Der Angeklagte Robert D. soll etwa 500 000 Euro bekommen haben.

Zu den Opfern zählen ein Anwaltspaar aus Wiesbaden, das für 58 vermeintliche Giacomettis fast vier Millionen Euro zahlte. Die Eigentümer lagerten die Skulpturen in einem klassenzimmergroßen Safe einer großen Bank. Als der Schwindel aufflog, brach für das Paar eine Welt zusammen.

Zeuge: Für Laien schienen die Käufe eine runde Sache

Auch ein Sammler aus Stuttgart, der für 18 Skulpturen sogar 4,2 Millionen Euro zahlte, konnte es kaum fassen, dass er über den Tisch gezogen worden war: „Er hat bis zuletzt an der Seriosität des Geschäfts festgehalten“, sagte der Zeuge Schöller. Der Polizist betonte, dass die illegalen Geschäfte äußerst raffiniert eingefädelt worden seien. „Für außenstehende Laien war es eine runde Sache“, sagte der Polizist.




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