Online-Riese deaktiviert Angebot Originalteile von Händler aus dem Ländle sind Amazon zu teuer
Ein Ersatzteilhändler aus dem Zabergäu will über Amazon Originalteile verkaufen. Doch der Online-Händler lässt ihn nicht, weil er angeblich zu teuer ist.
Ein Ersatzteilhändler aus dem Zabergäu will über Amazon Originalteile verkaufen. Doch der Online-Händler lässt ihn nicht, weil er angeblich zu teuer ist.
Cleebronn - Franz Kafka hat Erzählungen geschrieben über eine Welt, in der Menschen anonymen, bürokratischen Mächten ausgeliefert sind. Würde Kafka heute noch leben, würde er sich vielleicht Thomas Eberle und seine Erfahrungen mit dem Internethändler Amazon vornehmen. Eberles Geschichte liest sich, als stamme sie von Kafka.
Eberle betreibt in Cleebronn (Kreis Heilbronn) einen Ersatzteilhandel namens Sintech, unter anderem für Handyteile. Als Vertriebskanal nutzt er nicht nur seine Internetseite und die Handelsplattform Ebay, sondern auch den Marktplatz von Amazon, auf dem Händler ihre Waren anbieten können. Unter anderem würde er dort gerne Akkus für Samsung-Handys verkaufen – Originalteile, wie er betont. Doch Amazon lässt ihn nicht: Eberles Preise seien zu hoch im Vergleich zur Konkurrenz. Sein Angebot wird von dem US-Riesen deshalb deaktiviert.
Eberle möchte beispielsweise Akkus für das ältere Handymodell S3 Mini zum Preis von 27,49 Euro anbieten. Sein Zwischenhändler ist von Samsung autorisiert und gibt als unverbindliche Preisempfehlung 32,69 Euro an. Das günstigste Angebot bei Amazon aber liegt bei 7,99 Euro. „Es gehört nicht viel Grundschulrechnen dazu, um zu erkennen, dass der Akku, der bei Amazon verkauft wird, ein minderwertiges Produkt mit einem Einkaufspreis von vermutlich nicht mal zwei Euro ist“, sagt Eberle.
Das, so ergibt eine Recherche unserer Zeitung in der Branche, muss nicht zwingend heißen, dass die billigen Akkus gefälscht sind – es können beispielsweise auch Restbestände sein. Eine Garantie, dass es sich aber um Originalware handelt, gibt es nicht. Denn auf dem Markt werden – nicht zu knapp – auch Fälschungen gehandelt. Minderwertige ebenso wie relativ hochwertige, so ein Insider, der nicht genannt werden möchte. Die hochwertigen seien aber in der Regel auch höherpreisig.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Plagiate bei Amazon – Der Kampf gegen Fälschungen
Dass sich hinter den Angeboten für den Akku schwankende Qualität verbirgt, offenbaren auch die Bewertungen bei Amazon: Nur gut die Hälfte der Nutzer vergibt die volle Punktzahl. Etliche berichten von Laufzeitproblemen. „Akku hält nur 2 Tage, wenn das Handy nur eingeschaltet ist und keinerlei Aktivitäten stattfinden. Ist für mich nicht akzeptabel“, schreibt beispielsweise ein Kunde im März 2021. „Für diesen Preis darf man eigentlich nicht wirklich einen Original-Akku erwarten“, stellt ein anderer Kunde selbstkritisch fest: „Wer dennoch so dämlich ist wie ich und für diesen Preis einen Originalakku erwartet, ist wohl selber schuld.“
Eberle hat sich schon mehrfach an Amazon gewandt, weil er nicht hinnehmen will, dass seine Angebote gesperrt werden. Bislang ohne Erfolg. Die Antworten des US-Einzelhandelsgiganten lesen sich immer wieder gleich: „Gemäß Fachabteilung liegt hier kein Fehler vor im System, reduzieren Sie den Preis, bis das Angebot wieder aktiv wird“, rät Amazon im Mai 2021.
Eberle insistiert und verweist auf die Originaleinkaufsrechnung, die er zuvor an Amazon geschickt hatte. Die Antwort: „Wir haben das Angebot gründlich untersucht und Folgendes festgestellt: Dieses Angebot wurde gesperrt, da der Preis gegen unsere Richtlinien zur angemessenen Preisgestaltung verstößt.“ So geht es eine ganze Weile, zwischenzeitlich arbeitet angeblich ein internes Amazon-Team an dem Fall, aber nur, um schließlich wieder die Standardantwort zu schicken. Langsam fährt Eberle aus der Haut und droht, das Problem öffentlich zu machen. Wieder erfolgt die gleiche Antwort.
Nun macht Eberle das Problem öffentlich. Amazon, mit dem Fall konfrontiert, sendet auf Anfrage unserer Zeitung eine schriftliche Stellungnahme allgemeinen Inhalts. Im Gespräch räumt der Sprecher aber ein, dass es in Eberles Fall wohl Support-Fehler gegeben habe. Eberle vermutet einen systematischen Fehler: „Es kommt mitunter vor, dass sich Konzerne selbst im Weg sind“, sagt er. „Das Problem ist, dass man als Verkäufer und auch als Käufer einfach gar nicht die Wahl hat, irgendwo etwas zu erreichen. Wir haben noch zig andere Fälle von Markenrechtsverletzungen. Selbst unsere eigene Marke Sintech wird von einem chinesischen Anbieter genutzt und bleibt trotz Meldung bei Amazon ungeahndet.“
Der Hersteller Samsung lehnt eine Äußerung zur Preisgestaltung einzelner Anbieter und zu den Geschäftsbedingungen von Marktplätzen ab und rät, nur bei Fachhändlern zu kaufen. Die Verfolgung von Plagiaten nehmen man sehr ernst. Amazon selbst ist nicht verpflichtet, von sich aus die Marketplace-Anbieter zu überwachen: „Der europäische Gesetzgeber hat schon vor Jahrzehnten festgelegt, dass Betreiber von Verkaufsplattformen nicht haftbar gemacht werden können für Inhalte, die sie für Dritte speichern“, so der Kölner Rechtsanwalt Thomas Engels. Und so bleibt Thomas Eberle weiterhin nichts anderes übrig, als zu insistieren – oder auf den Vertriebskanal Amazon zu verzichten.
Was Rechtsanwalt Engels über Plagiate bei Amazon sagt, lesen Sie hier: „Kampf gegen eine Hydra, der ständig neue Köpfe wachsen“