Fälschungsskandal Chronik eines Fälschungsskandals

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Promotion
Der Physiker Jan Hendrik Schön, Jahrgang 1970, wurde 1998 von der Universität Konstanz promoviert. In seiner Dissertation befasste er sich mit der „Nutzbarmachung von Kupfergalliumdiselenid zur Herstellung von Solarzellen“. Nach der Promotion ging er in die USA und forschte an den angesehenen Bell-Laboratorien im US-Bundesstaat New Jersey.

Karriere
In den Jahren um die Jahrtausendwende machte Schön mit zahlreichen Fachartikeln auf sich aufmerksam. Er arbeitete auf dem Gebiet der Nanotechnologie und behauptete unter anderem, einen molekularen Transistor hergestellt zu haben. Es gelang ihm in kurzer Zeit, zahlreiche Arbeiten in renommierten Journalen zu publizieren. Solche Veröffentlichungen gelten als wichtige Pluspunkte bei der Stellensuche. Schön galt als Anwärter für hochrangige Posten in Deutschland.

Skandal
Nach mehreren Hinweisen von Fachkollegen stellte eine Untersuchungskommission der Bell-Laboratorien im September 2002 fest, dass Schön in einer Reihe von Publikationen Messergebnisse gefälscht hat. Zeitschriften zogen daraufhin einige Veröffentlichungen zurück. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft verhängte wissenschaftliche Sanktionen.

Reaktion
Im Juni 2004 entzog die Universität Konstanz Schön seinen Doktorgrad. In seiner Dissertation hatte sie zwar keine Manipulationen entdeckt, doch er habe sich durch sein späteres Verhalten in der Wissenschaft als unwürdig erwiesen.

Gerichtsverfahren
Schön legte erst Widerspruch an der Hochschule ein und klagte dann gegen die Entscheidung der Universität Konstanz. Vom Verwaltungsgericht Freiburg bekam er in erster Instanz Recht. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württembergs entschied im Berufungsverfahren jedoch anders. Gestern hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in letzter Instanz zu klären, ob Schön seinen Titel behalten darf.

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