Ein Mann ist am Dienstagnachmittag in Ludwigsburg niedergestochen worden. Die Polizei sucht stundenlang nach dem Tatverdächtigen. Das Opfer stirbt im Krankenhaus.

Eben noch brütet in der Ludwigsburger Oststadt die Hitze, alles wirkt ruhig und alltäglich. Doch plötzlich tauchen am Dienstagnachmittag über dem Ludwigsburger Osten Polizeihubschrauber auf. Auch wenn die meisten Passanten davon gar nichts mitbekommen haben: die Ursache für den Großeinsatz ist ein Gewaltverbrechen auf offener Straße.

Gegen 14 Uhr ist ein Mann, ein 79-Jähriger, auf offener Straße erstochen worden – nach dem Mord an der 17-jährigen Asperger Schülerin Tabitha die zweite furchtbare Gewalttat innerhalb von zwei Wochen im Kreis.

Tatort abgeriegelt

Wenige Stunden später kreisen die Hubschrauber noch immer, über der Innenstadt und bis hinter dem Salonwald in Richtung Kornwestheim, Beamte mit Hunden sind in den Straßen im Einsatz, auch Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge sind vor Ort. Den Tatort an der Kreuzung von Danziger Straße und Stephanstraße haben Polizisten und Feuerwehrleute abgeriegelt. An einem Bordstein wurde ein mobiler Sichtschutz installiert, um Schaulustige abzuhalten.

Die Polizei bestätigt zunächst lediglich ein Tötungsdelikt. Doch im benachbarten Tattoo-Studio weiß man mehr. „Eine Frau hat sich mit ihrem Kind hier reingeflüchtet und um Hilfe gerufen, wir sollten die Tür absperren, neben ihr sei gerade jemand abgestochen worden“, berichtet ein Mitarbeiter. Der Tote sei ein älterer Mann, so um die 60 Jahre, schätzt der Zeuge, der Täter etwas jünger. Er habe ebenfalls graue Haare und einen dunkleren Teint gehabt, außerdem habe er einen Wanderrucksack getragen. „Ich glaube nicht, dass der von hier war“, sagt der Mann.

Video vom flüchtenden Täter

Er habe ihn noch gesehen, wie er gegenüber in den Hofbereich eines Mehrfamilienhauses geflüchtet sei, und sei auch noch mit dem Fahrrad durchs Viertel gefahren, den Täter habe er aber nicht gefunden. Doch er ist sich sicher: „Ich würde ihn wiedererkennen.“ Mehr noch: Sein Kollege habe ein Video vom flüchtenden Täter gedreht und dieses der Polizei überlassen. Eine Polizeisprecherin wollte das auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren.

„Wir sind noch mitten im Einsatz“, sagt eine junge Polizeibeamtin, die vor Ort die Deckel von Mülltonnen, die auf den Privatgrundstücken in der Stephanstraße stehen, öffnet und hineinschaut. Auch in die Gärten wirft sie einen Blick. Vermutlich ist sie auf der Suche nach der Tatwaffe. Eine Kollegin befragt unterdessen diejenigen unter den Anwohnern, die sich im Freien aufhalten, ob sie etwas gesehen haben. Ein Mann arbeitet im Garten und sagt nur, er habe einen Mann gesehen. Näheres weiß er nicht. unweit des Tatorts, neben den weiß gekleideten Kollegen von der Spurensicherung, stehen uniformierte Polizisten mit schusssicheren Westen und halten eine Lagebesprechung ab.

Ruhiges Wohnviertel, schreckliche Tat

Ein Mann kommt auf einem Fahrrad vorbei und will wissen, was denn hier los sei. Er komme gerade von der Arbeit und habe nichts mitbekommen, sagt er. Als er erfährt, dass hier jemand umgebracht wurde, ist er fassungslos: „Tot? Nicht bloß verletzt? Und das hier?“

Nicht viele Menschen haben davon etwas mitbekommen. Ein paar schauen aus dem Fenster, verschwinden aber rasch wieder. Es ist eigentlich ein ruhiges Wohnviertel, in dem sich die schreckliche Tat ereignet hat. Mit der Ruhe wird es vorbei sein, wenn sich das Geschehen erst einmal herumgesprochen hat.

OB meldet sich

Auch Ludwigsburg Oberbürgermeister Matthias Knecht ist von dem Großeinsatz der Polizei aufgeschreckt worden: „Natürlich macht man sich Sorgen, wenn ein Polizeihelikopter über der Stadt kreist. Die Nachricht von einem Tötungsdelikt haben wir aber erst mit einer gewissen Verzögerung mitbekommen. Wir sind momentan nur so klug wie die anderen Menschen in der Stadt. Eine solche Nachricht besorgt einen natürlich, man möchte natürlich nicht, dass so etwas in der Stadt geschieht und sorgt sich um das Leben und die Sicherheit der Menschen.“

Bis zum späten Abend ist der Täter, bei dem es sich um einen älteren Mann handeln soll, noch auf der Flucht. Die Polizei spricht in ihrer Pressemitteilung von noch ungeklärten Umständen, unter denen ein 79-Jähriger zu Tode gekommen sei. Zeugen, die etwas beobachtet haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 08 00/1 10 02 25 an die Kriminalpolizei zu wenden.