Fahrbibliothek in Stuttgart Seit Corona entdecken viele den Bücherbus neu

Von Caroline Holowiecki 

Die Fahrbibliothek Stuttgart darf seit Mitte Mai wieder verkehren – wenn auch unter strengen Hygieneregeln. An den Haltestellen werden die Bücherbusse meist sehnsüchtig erwartet.

Bücherausleihe in Corona-Zeiten: In den Bus darf aktuell niemand. Foto: Caroline Holowiecki
Bücherausleihe in Corona-Zeiten: In den Bus darf aktuell niemand. Foto: Caroline Holowiecki

Filder/Stuttgart - Wie ein Kartenspiel breitet Sabine Fischer-Uhl Hörbuch-CDs auf dem Campingtisch aus. Gucken ist erlaubt, anfassen nicht. „Was Sie berühren, müssen Sie mitnehmen“, sagt sie zu der Frau, die ihr mit gebührendem Abstand gegenübersteht. Die Wahl ist rasch getroffen, und ein veganes Kochbuch hätte die Frau auch noch gern. Sabine Fischer-Uhl steigt in den Bus und kommt nach einem kurzen Moment mit einigen Exemplaren wieder. Die Kundin ist zufrieden.

Seit Mitte Mai verkehren die beiden Stuttgarter Bücherbusse wieder in Stadtteile, die keine eigene kommunale Bibliothek haben. Dienstags kurvt ein Mobil durch Riedenberg, Birkach und Asemwald, am Freitag wird Heumaden angesteuert, auch Vaihingen hat Haltestellen in den Ortsteilen Lauchäcker, Büsnau und Dürrlewang, und donnerstags hält ein Bus erst in Hedelfingen und dann in Sillenbuch. „Sillenbuch ist eine unserer besten Haltestellen, hier wohnen eifrige Leser“, sagt Sabine Fischer-Uhl. Stammgäste sind in erster Linie alte Leute und Familien.

Die Übergabe der Bücher erfolgt unter freiem Himmel

Sie mussten sich umgewöhnen, den heuer läuft alles unter Corona-Bedingungen. Zusteigen und in den 5000 Medien an Bord stöbern: verboten. Die Gänge sind zu eng, außerdem gibt es nur einen Einstieg. An jedem Stopp bauen die Fahrbibliotheksleiterin Sabine Fischer-Uhl und ihr Team Absperrungen und Tische auf. Rückgaben und Verlängerungen von Leihfristen werden im Freien hinter einer Plexiglasscheibe abgewickelt. Auch die Übergabe von Büchern, Zeitschriften, DVDs oder CDs läuft unter freiem Himmel beziehungsweise bei Regen aus der geöffneten Bustür heraus. Beratungen gibt es auf Zuruf, Masken sind Pflicht. Zurückgegebene Medien werden mehrere Tage in verschlossenen Boxen gelagert, um möglichen Viren den Garaus zu machen. „Wir achten drauf, unbedingt. Wir müssen gesund bleiben“, sagt Sabine Fischer-Uhl.

Um trotz Corona möglichst viele zu erreichen, wurde in allen Bibliotheken der Medien-Abhol-Service eingeführt. Bis 13 Uhr am Vortag kann online bestellt werden, „wir bringen alles mit“. Seit Mitte Mai hat das Bücherbus-Team 730 Medienpakete gepackt. Erstmals wird auch in den Sommerferien nicht pausiert. Alle zwei Wochen kommt der Bus.

Die Fahrbibliothek möchte ihr Angebt etwas umstellen

Dieser Service gefällt. „Wir haben viele Neuanmeldungen und Leute, die die Fahrbibliothek neu entdecken“, sagt Sabine Fischer-Uhl. Zwar kämen nicht unbedingt mehr Leute, dafür aber andere. „Ich bin sehr zufrieden“, betont sie.

Manches geht indes momentan nicht. Normalerweise steuern die Bücherbusse vormittags Kitas und Schulen an, Vorleseprogramme ruhen aber aktuell ebenso wie Kennenlern-Besuche von Schulklassen. Spätestens 2021 soll das wieder losgehen – und sogar noch intensiviert werden. Im kommenden Jahr sollen Kinder noch mehr in den Blick genommen werden. „Wir möchten mehr auf Ganztagsschulen eingehen, mehr Kinderprogramme und mehr Standzeiten vor Schulen anbieten“, kündigt Sabine Fischer-Uhl an. Auch neues Lernmaterial, etwa für die naturwissenschaftlich orientierten Mint-Programme, soll angeschafft werden und in den Bussen verfügbar sein.




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