Fahrlehrer aus Stuttgart-Sillenbuch Auch mit 74 kann von Ruhestand keine Rede sein

Von Caroline Holowiecki 

Walter Monz arbeitet mit Mitte 70 immer noch als Fahrlehrer. Ende des Monats aber gibt er seine Fahrschule in Stuttgart-Sillenbuch auf. Nach 20 Jahren. Ganz aufhören will er aber noch nicht.

Walter Monz mit Tim Deuschle, der die Fahrschul-Räume übernimmt Foto: Caroline Holowiecki
Walter Monz mit Tim Deuschle, der die Fahrschul-Räume übernimmt Foto: Caroline Holowiecki

Sillenbuch - Rentner, Ruheständler, Senior. Walter Monz scheint das alles nicht so gern zu hören. Stattdessen sagt er lieber Dinge wie „neuer Lebensabschnitt“ oder „vorgezogener Ruhestand“ und schiebt das Sprichwort vom Rasten und Rosten hinterher. „Arbeitsende hört sich furchtbar an“, findet er. So ganz kann er es wohl noch nicht glauben, dass über der Tür der Fahrschule an der Kirchheimer Straße bald nicht mehr sein Name stehen wird, und das, obwohl er quasi schon auf gepackten Kisten sitzt. Walter Monz hängt seinen Job an den Nagel. Wenige Tage vor seinem 74. Geburtstag.

43 Jahre Fahrlehrer, 20 Jahre Fahrschule in Sillenbuch. Etwa 4000 Menschen habe er in all den Jahren zum Führerschein begleitet, seine älteste Schülerin sei so alt gewesen wie er heute. Er spricht vom „schönsten Beruf“. Mit Menschen habe er gern zu tun. Außerdem könne er etwas weitergeben. Walter Monz, ein Mann mit akkuratem Bürstenschnitt, sagt von sich selbst: „Ich bin ein Lehrer alter Schule, ich bin als streng bekannt.“ Bei Regeln sei er unerbittlich. Der Porzellanteller, den er dann herbeiholt, spricht indes auch eine andere Sprache. Zwei ehemalige Schülerinnen haben ihn liebevoll mit dem Fahrschul-Logo und einem Dank verziert. Walter Monz’ Gesicht hellt sich dabei auf. „Es gibt viele, die mich mögen, die grüßen mich bis heute.“

Am 8. Oktober eröffnet eine neue Fahrschule in den Räumen

Der frühere Sillenbucher, der mittlerweile im Scharnhauser Park lebt, bekennt aber auch: Der Beruf hat sich verändert. Der Verkehr sei anspruchsvoller, andere Autofahrer würden Schüler allzu oft bedrängen. Gleichzeitig seien die jungen Leute heute im Unterricht unkonzentrierter, „und das Verantwortungsbewusstsein hat stark nachgelassen“. Dennoch: Die Arbeit mit Jugendlichen halte fit. „Wenn man nur daheim sitzt, wird man alt“, glaubt er. Vielleicht erkennt er sich ab und zu auch selbst in den Halbstarken. Walter Monz hat 1962 seinen Führerschein gemacht. Unfälle habe er seither einige gehabt, keinen aber selbst verschuldet. Er stockt kurz und grinst dann breit. Bis auf den einen, den er mit 18 gebaut habe, „ich dachte, das Auto bremst besser“, sagt er und winkt ab.

Bis Ende September firmiert die Fahrschule noch unter dem Namen Walter Monz, am 8. Oktober wird an gleicher Stelle eine neue Fahrschule eröffnen. Die Kette M.T.V. verlegt ihren Sillenbucher Standort an der Kirchheimer Straße von der Hausnummer 32 nach 81 in die bisherigen Monz-Räume. Der Inhaber Tim Deuschle ist 37 Jahre alt, halb so alt. Er wird Walter Monz’ neuer Chef, denn ganz lassen kann’s der Ruheständler dann doch nicht. Ab und an einspringen werde er, sagt er und lächelt vielsagend. „Ich bin fit und brauche was zu tun“, fügt er fast schon entschuldigend hinzu. Gerade will man ihm die Geschichte vom Unruhestand glauben, da zeigt er einen Zettel. Eine spanische Adresse. Las Palmas. Seine Frau bereite gerade den Umzug in den Zweitwohnsitz vor. Walter Monz strahlt zufrieden. „Ich habe noch viel vor.“

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