Fahrplan S-21-Gegner sehen den Südwesten abgehängt

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Ein Münchner Informatikprofessor sieht Stuttgart und Ulm vom geplanten Deutschland-Takt abgehängt. Er beruft sich auf eine Studie des Bundesverkehrsministeriums. Schuld sei Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm.

Nur mit einem oberirdischen Kopfbahnhof sei in Stuttgart ein Taktfahrplan zu machen, sagen Stuttgart-21-Kritiker. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Nur mit einem oberirdischen Kopfbahnhof sei in Stuttgart ein Taktfahrplan zu machen, sagen Stuttgart-21-Kritiker. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Stuttgart 21 und die Neubaustrecke nach Ulm würden keine Verbesserung für den Südwesten bringen lautet ein Mantra der Gegner des Bahnhofsumbaus. Im Gegenteil: Die beiden Milliardenprojekte verschlechtern nach Ansicht der Kritiker die Situation für die Bahnkunden. Bestärkt in dieser Analyse fühlt sich nun die Initiative Parkschützer – ausgerechnet durch eine Untersuchung des Bundesverkehrsministeriums.

Kritiker sehen alte Fehler wiederholt

Das hatte Experten beauftragt, ein Konzept für einen möglichen Deutschland-Takt zu entwerfen. Ein Vorhaben, das die Fahrpläne der Züge des Fern- und Regionalverkehrs bundesweit besser aufeinander abstimmen soll. In der Liste der sogenannten Taktknoten – also jener Bahnhöfe, in denen die Züge möglichst gleichzeitig halten, um zeitsparendes Umsteigen zu ermöglichen – fehlt aber sowohl Stuttgart wie auch Ulm. „Weil mit Stuttgart 21 und der Neubaustrecke in diesen beiden Städten die Umsetzung des Taktfahrplans nicht möglich ist“, schlussfolgert Wolfgang Hesse, Professor am Institut für Programmierung und Softwaretechnik der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität.

In Stuttgart verhindere das der aus Sicht des Wissenschaftlers zu klein geplante Durchgangsbahnhof, in Ulm die Neubaustrecke, die die Fahrzeit zwischen Neckar und Donau auf eine dem Taktfahrplan abträgliche Dauer verkürze. Damit das Kon­­strukt funktioniert, sind Fahrzeiten zwischen den Knoten von etwas weniger als einer halben oder einer ganzen Stunde notwendig. Was Hesse besonders ärgert: Damit wiederhole die Bahn den gleichen Fehler, den sie schon bei der Anfang der 90er-Jahre eröffneten Schnellfahrstrecke zwischen Mannheim und Stuttgart gemacht habe. Der neue Schienenstrang verkürzte die Fahrzeit auf 35 Minuten, was der Philosophie des Taktfahrplans widerspreche. „Und bei den Neubaustrecken Frankfurt-Köln sowie der noch nicht fertigen Strecke Nürnberg-Erfurt passiert das wieder.“

Appell an Landesverkehrsminister Hermann

Hoffnung auf eine Kehrtwende in der Schienenpolitik hat sich Carola Eckstein von der Initiative Parkschützer gemacht. Schließlich heißt es in dem Papier des Bundesverkehrsministeriums, dass der „Machbarkeitsstudie erstmals eine ,fahrplanbasierte Infrastrukturplanung’“ zugrunde liege. „Das heißt: jetzt wird erst ein brauchbarer Fahrplan entwickelt und dann entschieden, was für dessen Umsetzung gebaut werden muss“, so Eckstein. Nehme die Politik diese neue Planungskultur ernst, dürfte an Stuttgart 21 nicht weitergebaut werden. Der Durchgangsbahnhof sei mit acht Gleisen unterdimensioniert. Hesse veranschlagt für einen funktionierenden Taktknoten in Stuttgart mindestens 14 Gleise. Auf denen sollen in der Zeit zwischen der Minute 49 einer Stunde und der Minute 10 der nächsten Stunde sechs Fern- und acht Regionalzüge parallel halten.

Eckstein sieht die Landespolitik in der Pflicht. „Die jetzige Landesregierung wurde gewählt, um die Weichen endlich richtig zu stellen, nicht um über falsch gestellte Weichen zu lamentieren.“ Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) dürfe nicht zulassen, dass der Südwesten beim Deutschland-Takt außen vor bleibe.

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