Fahrplanwechsel Busunternehmer müssen Risiko eingehen

Von Florian Mader 

Eine EU-Richtlinie wirkt sich auf den Busverkehr aus: Ab Sonntag gelten für die Firmen rauere Bedingungen.

Am Sonntag ist Fahrplanwechsel. Dann ändert sich in der Region einiges. Foto: Pixabay
Am Sonntag ist Fahrplanwechsel. Dann ändert sich in der Region einiges. Foto: Pixabay

Weissach/Leonberg - Einen Moment musste sie schon überlegen. „Wir mussten abwägen“, sagt Monika Wöhr-Kühnemann. „Wir gehen ja jetzt stark ins Risiko.“ Die Linie 634 zum Beispiel, die zwischen Weissach und Leonberg fährt, betreibt ihr Weissacher Busunternehmen von Sonntag an „eigenwirtschaftlich“, wie das die Verkehrsplaner nennen. Das heißt: Öffentliche Gelder gibt es dann nicht mehr, Wöhr bekommt allein die Einnahmen aus den Fahrscheinen.

Das geht auf eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2009 zurück, die nun der Bundestag im vergangenen Jahr in deutsches Recht gegossen hat – und die vor allem die Busunternehmer in der Region zu spüren bekommen. Bisher war es so: Die Landratsämter haben entschieden, wo Buslinien verlaufen sollen, dann haben sie Busunternehmen beauftragt, und entsprechende Erlöse zugesichert.

Die Busunternehmer sind allein verantwortlich

Das gilt nur noch zum Teil. Auf den starken Linien, wo es genügend Fahrgäste gibt, müssen sich die Landratsämter zum Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag zurückziehen. Verantwortlich sind dort allein die Unternehmer, wie Monika Wöhr-Kühnemann. „Wenn wir Fahrgäste verlieren, dann verlieren wir Einnahmen“, erläutert die Weissacherin das Risiko.

Zusammen mit dem Verkehrsberater Mario Graunke hat sie zwar alles durchgerechnet. Wenn auch künftig auf der 634 so viele Menschen fahren wie bisher, müsste es passen. „Die Firma Porsche baut ja derzeit aus, wir gehen davon aus, dass damit noch mehr Fahrgäste dazukommen“, sagt Graunke. Er macht deutlich, dass das dennoch ein Risikogeschäft für die Unternehmer ist. „Wenn es künftig eine Wirtschaftskrise gibt, und die Fahrgäste drastisch abnehmen, dann fehlen die Einnahmen.“

Gleichzeitig baut Wöhr die 634 deutlich aus. Denn die S-Bahn-Linie 6 bekommt zum Fahrplanwechsel einen dichteren Takt, der Viertelstundentakt wird bis Ende 2020 auf den ganzen Tag ausgeweitet. Das übernimmt Wöhr und fährt dann ebenfalls alle 15 Minuten von Leonberg nach Weissach – auf eigenes Risiko.




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