Stuttgart S-21-Brücke erreicht andere Seite des Neckars

Von Sebastian Steegmüller 

Nach rund einem Jahr Bauzeit überspannt die Stuttgart-21-Brücke nun den Neckar. Bis die viergleisige Brücke für den Zugverkehr freigegeben wird, wird es noch dauern. Fußgänger müssen nicht so lange warten.

Ohne die Schifffahrt zu behindern, wurde die Brücke Stück für Stück über den Neckar geschoben. Foto: Steegmüller

Bad Cannstatt - Seit der alte Holzsteg am Seilerwasen abgerissen wurde, müssen Fahrradfahrer und Fußgänger große Umwege in Kauf nehmen, um von Bad Cannstatt über den Neckar in die Innenstadt zu kommen. Damit ist in absehbarer Zukunft Schluss. Seit August 2017 wird im Rahmen des Milliardenprojektes Stuttgart 21 eine neue Brücke errichtet, deren Fertigstellung für Ende 2019 vorgesehen ist.

Am Mittwoch hat die DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH ein wichtiges Etappenziel erreicht: Der letzte Taktschub wurde erfolgreich abgeschlossen. „Die stadtbildprägenden Stahlsegel wurden hierbei in ihre endgültige Lage über den bereits fertiggestellten Betonpfeilern geschoben“, sagt Projektleiter Daniel Wäschenbach.

Von Geisterhand

Dazu wurden die in Bayern vorgefertigten Teile zunächst aufseiten der Wilhelma angeliefert, auf einer Arbeitsplattform an der B10 angehoben und dort an die Brücke montiert. Anschließend wurde die ganze Konstruktion in zwölf Abschnitten Zentimeter für Zentimeter über den Neckar geschoben. Eine Fettschicht und ein Teflonpolster sorgen für wenig Reibung. Quasi lautlos und wie von Geisterhand schiebt sich der Koloss in Zeitlupe nach vorne. Am Mittwoch benötigte er für die letzten 15 Meter bis zum Seilerwasen rund drei Stunden. Mittlerweile hat er eine Länge von 213 Metern erreicht und wiegt rund 3100 Tonnen. Zahlen, die verdeutlichen, wie aufwendig die Arbeiten sind.

„Eine Schwierigkeit ist der Platz. Wir erbauen die Brücke nicht auf der grünen Wiese, sondern in unmittelbarer Nähe zum Rosensteintunnel. Außerdem überqueren wir die Schönestraße, den Neckarfahrradweg und die B 10“, so Wäschenbach. Ziel sei es so autark wie möglich zu arbeiten. Daher habe man sich auch für die Schiebelösung entschieden und gegen Pontons auf dem Neckar. Auch der Schutz der Mineralquellen habe bei der Gründung der Pfähle Mehrarbeit bedeutet, selbst einen Notfallplan habe man mit den Behörden erarbeitet. „Zum Glück wurde er nicht benötigt.“ Die Arbeiten würden wie geplant laufen, man liege im Zeit- und Kostenrahmen. 35 Millionen Euro seien veranschlagt.

Schutz über der Schönestraße

Im nächsten Schritt wird die Brücke rund einen halben Meter auf die endgültigen Lager abgelassen, darüber hinaus werden wohl im September an beiden Ufern des Neckars die restlichen Stahlbauteile der Brücke mit Mobilkränen eingehoben. Dazu ist bereits über der Schönestraße ein Trag- und Schutzgerüst aufgebaut worden. Die fertige Neckarbrücke, deren Entwurf des Stuttgarter Ingenieurbüros Schlaich, Bergermann und Partner bereits 1998 prämiert wurde, wird rund 345 Meter lang und 25 Meter breit sein.

Vier Gleise werden einmal über die Brücke führen – je zwei für den S-Bahn-Verkehr sowie für Fern- und Regionalzüge. Bis das einmal der Fall ist, werden noch einige Jahre vergehen. Außerdem ist ein 4,5 Meter breiter Steg für Fußgänger und Radfahrer geplant. Er soll unter die Brücke gehängt werden und „in Absprache mit der Stadt als erstes und so schnell wie möglich in Betrieb gehen“, betont der Bauingenieur. „Wir rechnen mit der Freigabe bereits Ende 2019.“