Fahrservice aus Stuttgart-Fasanenhof Er holt jene heim, die nicht mehr selbst fahren können

Von Caroline Holowiecki 

Wenn Richard Pfeiffer in Stuttgart-Fasanenhof eine Reise beginnt, geht es oft zu Menschen in Krisenlagen. Mit seinem Fahrservice holt er nicht selten Kranke oder Verstorbene und ihre traumatisierten Angehörigen aus dem Ausland nach Hause.

Richard Pfeiffer hat schon als Kraftfahrer und Bestatter gearbeitet, diese Berufserfahrung kommt ihm jetzt zugute. Foto: Caroline Holowiecki
Richard Pfeiffer hat schon als Kraftfahrer und Bestatter gearbeitet, diese Berufserfahrung kommt ihm jetzt zugute. Foto: Caroline Holowiecki

Fasanenhof - Richard Pfeiffer hat schon viele Jobs gemacht. Ursprünglich gelernt hat er mal den Beruf des Raumausstatters. Danach jedoch hat er als Kraftfahrer und auch viele Jahre lang als Bestatter gearbeitet. Zwei Jobs, die ihm jetzt, mit 64, zugutekommen. Er betreibt vom Fasanenhof aus einen besonderen Fahrservice.

Wenn es um eine Rückholassistenz geht, wird Richard Pfeiffer in der Regel von einer Versicherung beauftragt, mit der er nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten kooperiert, und zwar in Fällen, wenn Schutzbrief- und Auslandskrankenversicherungen greifen. Mit 100 bis 120 solcher Touren werde er pro Jahr beauftragt. Die Fälle sind unterschiedlich – und oftmals tragisch. Nicht selten kann jemand wegen einer Erkrankung oder eines Trauerfalls nicht mehr aus dem Urlaub zurück nach Hause fahren. Manchmal bringt er auf dem Land- und Seeweg ein leeres Auto zum gewünschten Ort, manchmal nimmt er Personen mit. Und manchmal nimmt er auch Särge entgegen und befördert sie an einen anderen Ort. „Das Schlimmste ist, wenn du Kinder holen musst“, sagt der Mann, der selbst Vater ist.

Sie können vor lauter Schock kein Auto bewegen

Richard Pfeiffer sieht und hört auf den vielen, vielen Kilometern, die er oftmals in den fremden Fahrzeugen zurücklegt, nicht selten Leidvolles. Menschen, die von Schmerzen geplagt sind, weil sie sich im Urlaub ein Bein gebrochen haben. Frauen, die urplötzlich Witwe geworden sind und vor lauter Schock nicht in der Lage sind, ein Auto zu bewegen. Senioren mit einer fortgeschrittenen Demenz, die nur geschwind zur Tochter fahren wollten und in Südfrankreich herausgekommen sind. Wie man damit umgeht? „Du kannst den Beruf nicht lernen“, sagt der große Mann mit der tiefen Stimme, „da ist viel Fingerspitzengefühl, viel Menschlichkeit gefragt“.

Aber es muss gar nicht immer dramatisch sein, wenn Richard Pfeiffer, seine Frau oder die fünf frei- und nebenberuflichen Fahrer, mit denen er zusammenarbeitet, ausrücken. Einfache Kurierfahrten gehören ebenso zum Portfolio des Unternehmens wie Krankentransporte, etwa in die Reha, oder die klassische Personenbeförderung. Das können vorab gebuchte Fahrten zum Flughafen oder zum Bahnhof sein, aber auch die Heimfahrt an Silvester, nach der Wasen-Fete oder nach einer Hochzeitsfeier ist drin. Richard Pfeiffer betont, bei Tag und Nacht dienstbereit zu sein. Je nach Einsatz nimmt er seinen großen Opel Zafira oder seinen kleinen Corsa. „Ich habe noch keinen Auftrag abgelehnt“, sagt er. Selbst die Leichen des sogenannten Hammermörders und seines Sohnes habe er als Bestatter Mitte der 1980er aus Italien nach Deutschland überführt.

Sein Service sei eine klare Nische

Das Pfeiffersche Team ist weltweit tätig. „Ich war schon in Island, kurz vor Lappland oder in Tunesien“, sagt Richard Pfeiffer. Mit dem Flugzeug oder dem Zug geht es hin und mit dem Auto zurück. Solche Fahrten dauerten nicht selten Tage, da freilich die gesetzlichen Fahr- und Ruhezeiten einzuhalten sind.

Seinen Service bezeichnet Richard Pfeiffer als Nische. „Du kannst davon leben, aber du musst dafür kämpfen“, sagt er. Ein Kampf könne manchmal auch das Zwischenmenschliche auf einer langen Fahrt sein. Aber bereits bei der Begrüßung merke er, wie ein Passagier drauf sei, und könne sich entweder auf eine schweigsame oder eine turbulente Zeit einstellen. „In diesem Beruf müssen Sie starke Nerven haben“, stellt er klar. Dennoch betont er: „98 Prozent meiner Fahrten laufen angenehm ab.“

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