Fahrvorstellung Ein Kombi zum Kraxeln

Von Reimund Abel 

Mercedes nennt ihn einen „charmanten Alleskönner“ – den neuen All-Terrain auf Basis der E-Klasse. Tatsächlich vermag der Kombi Erstaunliches zu leisten.

Wühlt sich durch: die neue E-Klasse All-Terrain von Mercedes. Foto: Hersteller
Wühlt sich durch: die neue E-Klasse All-Terrain von Mercedes. Foto: Hersteller

Timmelsjoch in Österreich, auf 2474 Meter Höhe. Minus zehn Grad, eiskalter Wind pfeift einem um die Ohren. Die Pass-Straße ist komplett schneebedeckt, darunter lauern tückische Eisplatten. Kein Problem für den neuen E-Klasse All-Terrain von Mercedes. Von außen eher unscheinbar anzusehen, wühlt sich der Wagen durch, was immer sich ihm auch in den Weg stellt.

Die nächste Herausforderung wartet auf einer abgesperrten Route mitten durch den Wald: 30 Prozent Steigung, loser Untergrund, armdicke Wurzeln wachsen aus dem Boden, Äste ragen in den Weg. Der All-Terrain meistert das mit einer Gelassenheit, die einen fast staunen lässt. Der hochgebockte Kombi aus Untertürkheim kann viel, vermutlich viel mehr, als die meisten Fahrer dem Fahrzeug zutrauen würden. Wenn es sein muss, könnte man mit dem Wagen auch einen Baumstamm aus dem Forst ziehen.

Mit einer Kühlerverkleidung im SUVStil, robusten Anbauteilen an den Radläufen sowie einem Unterfahrschutz will Mercedes den Kombi zum Abenteurer machen. Bereit für spontane Abstecher ins Gelände, über Feldwege, durch Schnee und Sand. Möglich wird das durch eine Kombination aus dem Allradantrieb 4-Matic und dem dreistufig einstellbaren Luftfederungssystem Air-Body-ControI. Das kann den Wagen um bis zu 20 Millimeter anheben. Die Bodenfreiheit ist 30 Millimeter höher als beim normalen Modell. Ein All-Terrain-Fahrprogramm, das vom großen Allradler GLE abgeleitet wurde, sowie 19 Zoll oder 20 Zoll große Leichtmetallräder komplettieren das Ganze.

Warum soll jemand den All-Terrain kaufen, wenn er doch im Angebot der Marke mit dem Stern jede Menge SUVs findet? „Viele Kunden schätzen die Freiheit, ihr Fahrzeug auch abseits geteerter Straßen einzusetzen“, sagt Michael Kelz, Entwicklungsleiter E-Klasse. Das leistet das Auto und bleibe dennoch aerodynamisch effizient.

Die Vorzüge des normalen E-KlasseKombis hat der All-Terrain ebenfalls an Bord. Einen großen Kofferraum, viel Luxus und Komfort im Innenraum und moderne Assistenzsysteme, die das Fahren leichter machen. Dazu zählt auch Drive Pilot, mit dem das Auto selbstständig die Spur halten, den Abstand zum Vordermann und sogar andere Fahrzeuge überholen kann.

Im März soll der Wagen zu den Händlern kommen. Zunächst nur mit Dieselmotoren. Der getestete Vierzylinder E 220 D leistet 194 PS/143 kW und reicht für alle Lebenslagen. Mit ausreichend Drehmoment ausgestattet, sichert der Motor dem All-Terrain immer genügend Vortrieb auch auf schwierigem Untergrund. Mehr Motor braucht man eigentlich nicht. Die Neungangautomatik verrichtet unauffällig ihren Dienst, ein besseres Lob kann man ihr nicht ausstellen. Etwas später folgt der E 350 D mit einem 3,0-Liter-Sechszylinderdiesel und 258 PS/190 kW.

Wie viel Kunden für den Kombi mit SUV-Qualitäten auf den Tisch legen müssen, teilte der Stuttgarter Autobauer noch nicht mit. Die Preise werden im Januar veröffentlicht, wenn der All-Terrain bestellt werden kann. Doch viel mehr als für einen normalen E-Klasse-Kombi mit 4-Matic, Luftfederung, 19-Zoll-Rädern und Avantgarde-Ausstattung werde es nicht sein, sagte ein Firmensprecher. Wir haben nachgerechnet: Ab 55.000 bis etwa 60.000 Euro dürfte das Auto zu haben sein.

Wird der All-Terrain Erfolg haben? Wir glauben, ja: Er kann mehr, als die meisten Autofahrer brauchen und bietet die Vorzüge eines Kombis, ohne so unförmig daherzukommen wie viele SUVs.

Datenblatt – Mercedes E 220 D 4-Matic
Motor: 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit Neungang-Automatikgetriebe
Leistung: 194 PS/143 kW
maximales Drehmoment: 400 Nm bei 1600–2800 U/min
Maße (Länge x Breite x Höhe): 4,95 m x 1,86 m x 1,50 m
Gewicht: 1920 kg
Tankinhalt: 50 l
Kofferraum: 670 Liter
Beschleunigung: 0–100 km/h in 8,0 s
Höchstgeschwindigkeit: 231 km/h
Normverbrauch (NEFZ): 5,2 Liter/100 km (137 g CO2/km)
Konkurrenten: Audi A6 Allroad quattro, Volvo V90 Cross Country, VW Passat Alltrack. Peugeot 5008