Fairtrade im Kreis Böblingen Auf der Suche nach dem besten Kaffee für den Landkreis

Hoch die Tassen! Die Damen lassen es sich schmecken. Foto: Stefanie Schlecht

Bei einer Verkostung im Landratsamt stimmten Teilnehmer ab, welche Sorte Landkreis-Kaffee werden soll. Ein Pionier-Projekt, das es so in keiner anderen Verwaltung gibt.

Böblingen: Leonie Schüler (lem)

Pünktlich zur Kaffeezeit am Nachmittag duftete es im Untergeschoss des Landratsamts am Donnerstag herrlich nach frisch gebrühtem Kaffee. Und tatsächlich drehte sich für ein paar Stunden alles rund um das beliebte Heißgetränk: Das Landratsamt hatte seine Mitarbeiter und Bürger zu einer Kaffeeverkostung eingeladen. Zusammen mit der Fairtrade-Genossenschaft Welt-Partner soll ein Landkreis-Kaffee gefunden werden.

 

Was ist ein Landkreis-Kaffee?

Der Kaffee soll in den Weltläden des Landkreises zu kaufen sein sowie in der Kantine des Landratsamts ausgeschenkt werden. „Unser Ziel ist auch, den Landkreis-Kaffee bei Kreistagssitzungen auszuschenken, damit die Kreisräte aufmerksam den Ausführungen der Verwaltung folgen können“, scherzte der stellvertretende Landrat Martin Wuttke. Es gehe dabei aber nicht nur um die aufputschende Wirkung, „uns ist auch wichtig, dass er fair gehandelt wird“. Die Menschen, die ihn anbauen, sollten von ihrer Arbeit ein gutes Auskommen haben; ebenso werde Wert gelegt auf klimafreundlichen Anbau.

Probieren geht über studieren Foto: Stefanie Schlecht

Dass der Landkreis seine eigene Kaffeesorte auf den Markt bringt, ist möglich durch den dritten Platz, den Böblingen vergangenes Jahr beim bundesweiten Wettbewerb „Kommune bewegt Welt“ erzielt hatte. Mithilfe des Preisgelds in Höhe von 10 000 Euro wird das Projekt eines fairen Landkreis-Kaffees angestoßen. „Mir geht das Herz auf, wenn eine Verwaltung sagt: Wir wollen den fairen Handel fördern“, sagte Ingo Schlotter von der Fairtrade-Genossenschaft Welt-Partner. Ein Landkreis-Kaffee sei etwas sehr besonderes und ihm sei kein anderer Landkreis bekannt, der seine eigene, faire Sorte auf den Markt bringt.

Zwei Sorten zur Wahl

Schlotter stellte zwei verschiedene Kaffeesorten vor, welche die Teilnehmer als Espresso, als Filterkaffee oder als Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen probieren durften. Eine Sorte kommt aus dem ostafrikanischen, bitterarmen Land Burundi, einem Partnerland von Baden-Württemberg. Schlotter erklärte, es sei ein Arabica-Kaffee, sehr bekömmlich und ohne Säure. Als Agro-Forst-Projekt werde dort auf einer Fläche Gemüse, Obst und Kaffee angebaut. Der faire Kaffeeanbau biete den Menschen eine Zukunftsperspektive und helfe auf diese Weise dabei, Armutsmigration einzudämmen.

Die zweite Kaffeesorte ist eine Arabica-Mischung aus Nicaraguanischem Hochlandkaffee und einem Café Sidamo aus Äthiopien. „Dort arbeiten viele alleinerziehende Frauen gleichberechtigt mit“, sagte Schlotter und betonte, dass das dort noch nicht selbstverständlich sei.

Und wie schmeckt’s?

Das Urteil der Kaffeetrinker, welche die verschiedenen Sorten probierten, fiel sehr unterschiedlich aus. „Ich bin beim Burundi“, sagte Lioba Petzold vom Weltladen in Aidlingen-Dachtel, in dem auch ein kleines Café untergebracht ist. „Der andere war mir zu bitter.“ Die beiden anderen Frauen, mit denen sie am Tisch saß, waren anderer Meinung. „Mir war der Burundi zu bitter. Ich bin bei Äthiopien“, sagt Christiane Dengler-Kless, die Kirchengemeinderätin in der Böblinger Kirche Sankt-Clemens ist. Ihre Ratskollegin Kornelia Masur pflichtete ihr bei: „Äthiopien war feiner und hatte weniger Säure.“

Wie bei jeder Wahl konnten die Teilnehmer nach ihrem Gusto ihre Stimme abgeben und in eine Wahlurne werfen. Mitarbeiter des Landratsamts zählen die Stimmen nun aus und geben den Sieger nächste Woche bekannt. Im Frühjahr folgt ein Wettbewerb für die Gestaltung des Etiketts, im Herbst soll der Landkreis-Kaffee zu kaufen sein.



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