Der täuschend echte Fake-Blitzer in Frittlingen hat es zu deutschlandweiter Berühmtheit gebracht. Jetzt aber haben sich Polizei und Bürgermeister eingeschaltet – mit enormen Auswirkungen. Wir waren erneut vor Ort.

Seit Tagen ist die 2000-Seelen-Gemeinde Frittlingen, direkt an der Grenze zum Landkreis Rottweil gelegen, deutschlandweit in sämtlichen Medien vertreten. Der Grund für die ungewohnte Aufmerksamkeit könnte kurioser kaum sein: Ein Plastikrohr mit eingebauten Gurkengläsern erhitzt die Gemüter von Autofahrern und Anwohnern.

 

Die Debatte um den Fake-Blitzer war in Verkehrsgruppen in den Sozialen Medien im Kreis Rottweil losgegangen. Der Schwarzwälder Bote hatte sich daraufhin auf die Suche nach der Konstruktion „irgendwo hinter Rottweil-Neufra“ gemacht – und die Säule schließlich im benachbarten Frittlingen (Kreis Tuttlingen) entdeckt.

Schnell wurde der Blitzer daraufhin deutschlandweit bekannt. Bild-Zeitung, Spiegel, Focus, Radio- und Fernsehsender – sie alle berichteten vom Fake-Blitzer und beschäftigten sich mit der Frage, ob man das eigentlich darf?

Klar zeigte sich derweil in der Debatte online, dass der Fake-Blitzer auf jeden Fall macht, was er soll: Die Autofahrer gehen in der abschüssigen Ortsdurchfahrt vom Gas.

Jetzt gibt es Neues. Wir sprechen vor Ort mit Stukkateur Thilo Wenzler, der, wie er sagt, die einem Blitzer täuschend ähnlich sehende Konstruktion eines Morgens auf seinem Grundstück entdeckt habe. Stabil und gründlich einbetoniert: „Der Blitzer stand eines Tages, vor etwa drei Wochen, plötzlich hier. Da habe ich mich schon gewundert und bin von einem Scherz ausgegangen“, berichtet Wenzler.

Verkehr hat sich plötzlich beruhigt

Er habe das Kunstwerk erstmal stehen lassen und innerhalb kürzester Zeit erstaunliche Veränderungen an der stark befahrenen Straße zwischen Frittlingen und Neufra festgestellt: „Plötzlich hat jeder hier bemerkt, selbst die Nachbarn, dass der Verkehr sich aufgrund dieser Blitzerattrappe extrem beruhigt hat“ berichtet Wenzler.

Langes Ringen um echten Blitzer

Die Konstruktion habe für alle Anwohner der Frittlinger Hauptverkehrsroute zu absolut positiven Entwicklungen geführt: „Ich war viele Jahre lang Mitglied im Frittlinger Gemeinderat und wir haben oft versucht, einen Blitzer für diesen Dorfbereich zu bekommen“ erklärt Wenzler. Dies sei, trotz massiven Problemen mit Rasern zu den Stoßzeiten, gesetzlich nicht möglich gewesen. Begründung: Zu wenig Verkehr.

Der eingepackte Blitzer an der Ortsdurchfahrt. Foto: Zahorka

„Wir haben hier viele Schulkinder, die morgens die Straße überqueren müssen und gleichzeitig viele ortsfremde Autofahrer, welche von den zahlreichen Umleitungen in der Gegend genervt sind“, berichtet Thilo Wenzler. Nicht wenige würden die breite Straße am Ende der Ortschaft dazu nutzen, aufs Gas zu treten um etwas Zeit gutzumachen.

Der Fake-Blitzer blitzt nicht

„Manche dieser eiligen Autofahrer haben sogar behauptet, dass das Ding wirklich blitzt“ lacht Thilo Wenzler. Wenn man sich die Konstruktion aber aus der Nähe betrachtet, könne man leicht feststellen, dass es sich bei den Glasscheiben lediglich um gut getarnte Gurkengläser handele.

15 Fernsehteams vor Ort

Die vielen Medienberichte, auch im Fernsehen, hätten vor wenigen Tagen dann die Polizei auf den Plan gerufen: „Die Beamten sind durch die zahlreichen Medienberichte auf das Ding aufmerksam worden. Man hat uns ja wirklich die Bude eingerannt und auch die Nachbarn wurden von den insgesamt 15 Fernsehteams interviewt“ erzählt Thilo Wenzler amüsiert. Vielleicht habe sich aber auch ein Autofahrer beschwert.

Rechtliche Unklarheiten

Schließlich seien dann zwei Polizisten und der Bürgermeister auf dem Grundstück erschienen und hätten Thilo Wenzler über seine Rechte aufgeklärt: „Man hat mich informiert, dass da rechtlich gewisse Themen noch im Raum stehen und ich das Ding erstmal abbauen oder unkenntlich machen muss“ meint Wenzler.

Es wird wieder gerast

Aus diesem Grund sei der Blitzer seit einigen Tagen mit Plastikfolie verhüllt - ganz zum Leidwesen aller Anwohner: „Ja, wir haben die Veränderung sofort bemerkt - es wird wieder gerast als ob nichts gewesen wäre“ stellt Thilo Wenzler fest. Was genau mit dem Fake-Blitzer passiere sei noch unklar. Thilo Wenzler wünscht sich auf jeden Fall, dass die Diskussion um einen echten Blitzer am Frittlinger Ortsausgang wieder aufgenommen wird. Vielleicht ja sogar vom Gemeinderat.