In diesem Artikel geben wir Ihnen 14 Tipps an die Hand, um in der Nachrichtenflut Fake News besser von echten Meldungen unterscheiden zu können.

Digital Unit: Lukas Böhl (lbö)

1. Medium hinterfragen

Um nicht von Falschmeldungen getäuscht zu werden, sollte man sich immer fragen, wer die Information verbreitet. Da heutzutage jeder eine professionell aussehende Website gestalten und über die Sozialen Medien Reichweite aufbauen kann, ist im Internet besondere Vorsicht geboten. Erste Anlaufstelle sollte daher immer das Impressum sein. Fehlt dieses komplett, deutet das darauf hin, dass die Webseitenbetreiber ihre Identität verschleiern wollen. Aber auch Seiten, die auf den ersten Blick seriös wirken und über ein Impressum verfügen, können aus Eigennützigkeit Fehlinformationen verbreiten. Firmen oder Personen im Impressum können per Suchmaschine einem Hintergrundcheck unterzogen werden. Vielleicht gibt es bereits entsprechende Meldungen über Fake News im Zusammenhang mit dieser Seite oder den verantwortlichen Personen.


2. URL genau ansehen

Im Internet sollte man immer auch die URL einer Website (z.B. www.stuttgarter-nachrichten.de) überprüfen. Denn das Layout einer Internetseite kann von Betrügern recht einfach kopiert werden. So sieht es aus, als würden die Fake News von einer seriösen Nachrichtenquelle verbreitet werden. Da jede Domain nur einmal existieren kann, müssen die Betrüger hier etwas tricksen. Zum Beispiel, indem sie Buchstaben im Domainnamen weglassen oder ergänzen. Auch eine andere Domainendung kann für den Trick verwendet werden. Schauen Sie also genau hin, was in der Adresszeile Ihres Browsers steht.


3. Autor überprüfen

Zur Identifizierung einer Falschmeldung kann es helfen, den Autor des Artikels zu überprüfen. Wenn es ein Autorenprofil gibt, können die darin enthaltenen Informationen eventuell Aufschluss über die Glaubwürdigkeit der Meldung bzw. Echtheit des Autors geben. Nicht selten werden Biografien erfunden oder mit Falschinformationen angereichert. Manche Angaben lassen sich leicht verifizieren. Zum Beispiel gibt es eine öffentliche einsehbare Liste mit allen Pulitzerpreisträgern. Ein falscher Gewinner wäre also schnell entlarvt. Aber auch die Bildersuche von Google kann nützlich sein. Lassen Sie das Autorenbild einfach durch die Rückwärtsbildersuche von Google laufen (Anleitung) und Sie sehen gleich, ob es sich um die angebliche Person handelt oder ob ein Stockfoto verwendet wurde, um eine Fake-Identität zu erstellen.


4. Quellen recherchieren

Im Idealfall sind die Quellen in einem Beitrag so eingebunden, dass sie leicht zu überprüfen sind. Also zum Beispiel, indem Studien direkt verlinkt, die Herkunft von Statistiken und Grafiken eindeutig gekennzeichnet oder Ansprechpartner namentlich genannt werden. Dadurch können Sie über eine einfache Suchmaschinensuche selbst nach den Quellen suchen, um diese zu verifizieren. Falls Quellenangaben nicht eindeutig nachzuvollziehen sind, überprüfen Sie auch andere Medien, indem Sie speziell nach den getätigten Aussagen im Internet suchen. Sie können außerdem einzelne Sätze aus dem Text kopieren und durch diverse Suchmaschine laufen lassen. Eventuell lässt sich so die Originalquelle ausfindig machen (oder herausfinden, dass es sich um eine Falschmeldung handelt).

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5. Selbst nachfragen

Verbreitet eine Seite oder ein Autor Nachrichten, die unglaubwürdig auf Sie wirken, können Sie natürlich auch versuchen, das Medium selbst zu kontaktieren und um Auskunft zu den Quellen zu bitten. Bei einer seriösen Webseite sollte immer die Möglichkeit bestehen, die Verantwortlichen in irgendeiner Form zu kontaktieren. Doch Vorsicht: Wer absichtlich Fake News verbreitet, wird auch weiterhin auf seiner Meinung beruhen. Lassen Sie Aussagen oder Hinweise zu verwendeten Quellen in einer privaten Korrespondenz daher nie ungeprüft.


6. Auf Deepfakes achten

Deepfakes sind mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) manipulierte Bilder oder Videos. Sie werden laut Angaben des Innenministeriums dazu genutzt, um Personen Handlungen oder Aussagen zuzuschreiben, die diese nicht getätigt haben. Da die Technik immer besser wird, ist es für Laien (aber teilweise auch für Profis) schwierig, Deepfakes zu erkennen. Unnatürliche Mimik und Gestik, fehlendes Blinzeln oder Synchronisationsfehler bei Videos können zwar Indizien für Deepfakes sein, fallen aber nicht immer direkt auf. Man sollte sich daher auch den Übergang zwischen Personen und Hintergründen genau ansehen. Kommt es hier zu Verzerrungen oder anderen Darstellungsfehlern? Auch sollte man auf die Quelle achten: Wer verbreitet das Video und ist es noch woanders auffindbar? Zusätzlich können Tools wie der Deepware Scanner bei der Entlarvung helfen. Zu guter Letzt sollte man sich eine gesunde Skepsis beibehalten und nicht sofort alles glauben, was man sieht und hört.


7. Faktenchecker

Mittlerweile gibt es einige Faktenchecker, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Behauptungen zu verifizieren und Fake News zu entlarven. Zu den bekanntesten zählen zum Beispiel Correctiv oder der Faktenfinder des ARD. Weitere Faktenchecker hat die Seite saferinternet.at in dieser Übersicht aufgelistet. Nutzen Sie am besten mehrere Faktenchecker, um ein differenzierteres Bild der Lage zu erhalten. Falls Sie bei den Faktencheckern nichts zu einer gewissen Meldung finden, können Sie den Redaktionen mit ihrem Anliegen meist schreiben. Diese überprüfen die Informationen dann gegebenenfalls mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln für Sie.


8. Faktencheck-Tools verwenden

Das Internet bringt nicht nur Fake News hervor, sondern auch diverse Werkzeuge, um diese zu erkennen. Google zum Beispiel bietet ein paar hauseigene Fact Checking Tools unter der URL https://toolbox.google.com/factcheck/explorer an. Dort können unter anderem aktuelle Behauptungen aus dem Netz auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Darüber hinaus gibt es Metadaten-Checker für Videos oder Bilder, die helfen können, gefaktes Bildmaterial zu entlarven. Eine umfangreiche Auflistung solcher Fake Checker Tools finden Sie auf dieser Seite.

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9. Experten fragen

Nicht nur Pressevertretern steht die Möglichkeit offen, Institute, Behörden, Verbraucherschützer oder andere Experten zu kontaktieren und um eine Stellungnahme zu einem Thema zu bitten. Insbesondere wenn es sich um Aussagen handelt, die sich mit anderen Methoden nur schwer überprüfen lassen, kann die Einordnung eines Fachmanns hilfreich sein.


10. Mehr als die Überschrift lesen

Um Aufmerksamkeit zu erregen, werden heutzutage gerne reißerische Überschriften verwendet. Man sollte nicht direkt darauf anspringen und immer den kompletten Artikel lesen, bevor man sich eine Meinung bildet oder ihn teilt. Denn nicht selten steckt hinter einer reißerischen Überschrift ein vergleichsweise unspektakuläres Ereignis. Hinzu kommt, dass es im Netz mittlerweile viele Satireseiten gibt, die absichtlich Falschmeldungen produzieren. Auf den ersten Blick können solche Witznachrichten aber durchaus echt wirken. Aus diesem Grund sollte man immer zweimal hinsehen, wer die Nachrichten mit welcher Absicht verbreitet.


11. Abwarten

Manchmal braucht es nur ein wenig Zeit, bis sich eine Falschmeldung ganz von selbst in Luft auflöst. Anstatt sofort zu reagieren, kann es bei besonders aufregenden News oftmals besser sein, sich in Geduld zu üben. Schließlich kann es vorkommen, dass weitere Erkenntnisse die Meldung in Relation setzen oder gar etwas komplett anderes zu Tage fördern.


12. Aktualität überprüfen

Eine weitere Strategie bei der Verbreitung von Fake News ist es, ältere Meldungen auszugraben und diesen einen Bezug zu aktuellen Ereignissen zu geben. Dies kann sowohl in Text- als auch in Bild- oder Videoform passieren. Bei einer schnellen Suchmaschinenrecherche können Sie ältere Inhalte finden und mit dem aktuellen Text vergleichen. Handelt es sich tatsächlich um neue Informationen oder gab es die Meldung schon mal in anderer Form? Wurden Bilder aus dem Kontext gerissen, um eine erfundene Geschichte glaubhaft zu erzählen?

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13. Auf die Aufmachung des Textes achten

In manchen Fällen lassen sich Fake News auch durch die Aufmachung eines Textes erkennen. Viele Rechtschreib- oder Grammatikfehler könnten ein Anzeichen für eine unseriöse Quelle sein. Aber auch sperrig formulierte Sätze und eine allgemein unnatürlich wirkende Schreibweise könnten auf Übersetzungsfehler oder automatisch generierte Texte hindeuten. Bei solchen textlichen Auffälligkeiten ist Vorsicht geboten. Versuchen Sie in diesem Fall unbedingt, die Quelle anderweitig zu verifizieren.


14. Nicht voreingenommen sein

Fake News zielen häufig darauf ab, Vorurteile in Menschen anzusprechen und zu verstärken. So wollen die Akteure gezielt ihre eigenen politischen Vorhaben (Desinformation, Propaganda, Wahlbeeinflussung) vorantreiben. Der Aufbau der Falschmeldungen macht sich dabei die menschliche Neigung zunutze, Informationen so auszuwählen, dass sie den eigenen Überzeugungen entsprechen. Wer etwas liest, das sein Weltbild bestätigt, ist eher dazu bereit, dies zu glauben. In der Psychologie nennt man diesen Umstand Bestätigungsfehler (confirmation bias). Um hier nicht in die Falle zu tappen, sollte man sich das Medium, das eine Nachricht verbreitet, genau ansehen. Werden andere Nachrichten mit unglaubwürdigen Inhalten verbreitet? Ist die Berichterstattung sehr einseitig? Gibt es andere seriöse Medien, die eine Gegendarstellung liefern?