Faktencheck Flüchtlinge Kann ich privat einen Flüchtling aufnehmen?

Flüchtlingsunterkünfte sind in ganz Deutschland überfüllt. Gleichzeitig sind nach einer Umfrage 25 Prozent der Deutschen bereit, einen Flüchtling privat aufzunehmen. Das ist rechtlich möglich und gar nicht so kompliziert – aber es gilt einige Regeln zu beachten.

Grundsätzlich müssen Menschen, die Asyl beantragen, zu Beginn, aber längstens die ersten drei Monate in einer Erstaufnahmeeinrichtung wohnen. Je nach Bundesland und Kommune kann ein Flüchtling vor Ablauf dieser Zeit in eine Wohnung ziehen. Das gilt auch im laufenden Asylverfahren.

Privatmenschen können eine Wohnung oder ein Zimmer an Flüchtlinge vermieten. Wer in Stuttgart eine Wohnung anbieten möchte, kann sich an die Initiative Wir für Flüchtlinge wenden oder seine Kontaktdaten und Informationen zu der zu vermietenden Wohnung über ein Formular auf der Website der Stadt erfassen Miete und Heizkosten werden von den Kommunen bezahlt, allerdings gelten Obergrenzen je nach Wohnungsgröße und Zahl der untergebrachten Personen.

In einem Leitfaden für die Aufnahme von Flüchtlingen weist der Verein Pro Asyl darauf hin, dass Vermieter auch einen Mietvertrag mit den Geflüchteten direkt abschließen können, wenn die rechtlichen Bedingungen dafür erfüllt sind: Dazu gehört die behördliche Erlaubnis, an dem betreffenden Ort zu wohnen und eine private Unterkunft zu beziehen sowie die Bereitschaft des zuständigen Amtes, die Miete zu bezahlen. Allerdings unterliegen Menschen, die als Kriegsflüchtlinge anerkannt wurden, keinen solchen Auflagen mehr. Flüchtlingsinitiativen vor Ort helfen weiter.

Es gibt auch die Möglichkeit, Flüchtlinge privat zum Beispiel in WGs oder Zimmern unterzubringen – natürlich ist es auch möglich, keine Miete zu verlangen. Ein Modell nach Art einer Zimmer- und Spendenbörse hat die bundesweit aktive Initiative "Flüchtlinge willkommen" verwirklicht: hier können Menschen Zimmer übers Internet anbieten, andere können Geld für Mieten spenden oder im Freundeskreis sammeln.

Erfahrene Menschen in der Flüchtlingshilfe weisen darauf hin, dass niemandem geholfen ist, wenn die Voraussetzungen nicht stimmen: Wohngemeinschaften bringen besondere Herausforderungen mit sich, also gilt auch bei Flüchtlingen, dass alle sich frei entscheiden können sollten und man auf Augenhöhe miteinander zu tun hat – ein Helfersyndrom könne zu übersteigerten Erwartungen an das gemeinsame Wohnen führen, schreibt Pro Asyl.




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