Falknerkurse in Lorch Auge in Auge mit dem Greifvogel

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Einmal einen Raubvogel auf der Hand halten – diesen Traum kann man sich in der Stauferfalknerei Lorch erfüllen. Wer dort einen Wochenendkurs besucht, ist am Ende kein fertiger Falkner, aber um viele Erfahrungen reicher.

Der Wüstenbussard Mescal landet auf dem Arm eines Teilnehmers. Foto: Gottfried Stoppel 6 Bilder
Der Wüstenbussard Mescal landet auf dem Arm eines Teilnehmers. Foto: Gottfried Stoppel

Lorch - Ein kurzer Ruf, dann schwingt sich Mescal in die Luft. Ein paar Meter Tiefflug – schon sitzt der Wüstenbussard auf der Hand von Christina Kuhnle. Die Weinstädterin wird von einem ­dicken ledernen Falknerhandschuh geschützt, was angesichts der kräftigen Fänge des Tieres keine schlechte Idee ist. Kuhnles Augen leuchten: „Ganz arg toll, so ein Wildtier so dicht bei sich zu haben“, schwärmt sie, nachdem Mescal wieder abgehoben ist. Und auch wenn die Falken, Bussarde und Co. sich scheinbar schwerelos durch die Lüfte schwingen: „Besonders die größeren bekommen nach einer Weile auf dem Arm durchaus ein ganz schönes Gewicht“, meint Kuhnle.

Ein Spaziergang mit den Greifvögeln

Eine Ausnahme dürfte der nächste Kandidat sein, der von Hand zu Hand wandert und sich den Kropf mit Kükenteilen vollstopfen darf: Der Zwergfalke, gerade einmal so groß wie ein Singvogel, macht seinem Namen alle Ehre. Er erntet verzückte Blicke, die mitgebrachten Kameras klicken.

Insgesamt 13 Menschen aus der Region und weit darüber hinaus sind dieses Wochenende in Lorch (Ostalbkreis) , um dort zwei Tage lang in die Welt der Falknerei einzutauchen. Zu lernen gibt es vieles – zum Beispiel, dass die englische Bezeichnung Harris Hawk auf Mescal und seine Artgenossen eigentlich besser passt. „Denn erstens kommen sie nicht nur in der Wüste vor – und zweitens sind sie nicht wirklich Bussarde“, erklärt der Falkner Erik Pelz.

Kurze Zeit später geht es zum Spaziergang mit Luftunterstützung – „freie Folge“ nennen es die Falkner. Die beiden Wüstenbussarde Che und Miguel begleiten ihre Falkner und deren Gäste durch die nahe Schrebergartenkolonie und legen Zwischenlandungen auf den hingestreckten Falknerhandschuhen ein – wenn sie Lust haben. Kükenteile helfen ein bisschen bei der Motivation.

Geschickt kurvt Che durch das Geäst, breitet die Flügel elegant zur Landung aus – und muss durchstarten. Sein Kollege ist ihm zuvorgekommen. Der lederne Landeplatz ist schon besetzt, der Wochenendfalkner etwas verdutzt wegen des lebhaften Flugbetriebs aus zwei Richtungen. „Ein Falkner muss auch hinten Augen haben“, erklärt Gunter Pelz. Das richtige Gespür – auch das gehört für ihn und seinen Sohn Erik dazu.

Falknerei: „Es gibt nichts annähernd Vergleichbares“

Als er acht Jahre alt war, hätten ihn die Greifvögel in ihren Bann gezogen, sagt Pelz senior. „So ein Greifvogel ist anders als ein Hund, der sich dressieren lässt. Er kennt keine soziale Struktur und ist nur für sich selbst verantwortlich. Der Greifvogel kommt nur, wenn er es will. Deshalb muss der Falkner sich ihm anpassen. Nicht andersherum.“

Und trotzdem – und das fasziniert Gunter Pelz besonders – ist eine Zusammenarbeit zwischen den Menschen und diesen wilden Tieren möglich. Seit mehr als 3000 Jahren gehen sie gemeinsam auf die Jagd. Früher, um zu überleben; heute, um der Leidenschaft zu frönen und ein immaterielles Unesco-Weltkulturerbe zu pflegen. „Es gibt nichts annähernd Vergleichbares“, schwärmt er.

Falkner legen eine staatliche Prüfung ab

Gunter Pelz und sein Sohn Erik haben die Stauferfalknerei vor rund 15 Jahren übernommen – für sie war es der Schritt, die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Fertige Falkner sind die Teilnehmer ihres Wochenendkurses in Lorch nach den beiden Tagen freilich nicht. „Sie haben dann eben ein wenig mehr Ahnung von Greifvögeln“, meint Pelz augenzwinkernd. Wer wie er und sein Filius die Falknerei auf professionellem Niveau betreiben will, muss erst die staatliche Jagd- und dann eine Falknerprüfung ablegen.

Aber die Leidenschaft zum Beruf machen wollen die allermeisten der Gäste ohnehin nicht. „Vielleicht im nächsten Leben“, lacht Werner Pfisterer. Der 68-Jährige aus Tiefenbronn ist mit seiner Gattin hier. Beide sind sehr naturverbunden und Vogelliebhaber – und nutzen die Möglichkeit, den imposanten Tieren näherzukommen als bei Spaziergängen.

Über die Stauferfalknerei und ihre Kurse

Tiere:
In der Stauferfalknerei am Kloster Lorch (Klosterstraße 2) leben Falken, Bussarde, Adler und Eulen aus der ganzen Welt. Von April bis Oktober finden dort Flugschauen mit verschiedenen Schwerpunkten – zum Beispiel zu Eulen oder der Jagd. In den Wintermonaten gibt es Vorführungen nur auf Anfrage.

Kurse:
Wer einmal selbst mit den Greifvögeln und Eulen in direkten Kontakt kommen will, kann an der Stauferfalknerei verschiedene Kurse buchen – etwa einen vierstündigen Schnupperkurs oder Kurse speziell für Kinder. Am kommenden Wochenende ist auch ein weiterer zweitägiger Kurs geplant.

Weitere Infos
wie die Adresse, Flugschauzeiten und Preise stehen im Internet unter www.stauferfalknerei.de




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