Fall Schassberger Duell der Spitzenköche

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Der Familienstreit schwelt weiter: Der Gourmetfunktionär Schassberger ist nach einer Pfeffersprayattacke verurteilt worden.

Ernst-Ulrich Schassberger wurde wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldbuße verurteilt. Foto: Steinert
Ernst-Ulrich Schassberger wurde wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldbuße verurteilt. Foto: Steinert
Kaisersbach - Wegen einer Attacke mit einem Pfefferspray auf Mitarbeiter seines Sohnes ist am Dienstag der Koch und Eurotoques-Geschäftsführer Ernst-Ulrich Schassberger vom Amtsgericht Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung und einer Geldbuße von 2000 Euro verurteilt worden.

Die Richterin hielt es für erwiesen, dass der 63-Jährige am 24. August vergangenen Jahres nach einem Streit nahe seinem früheren Hotel am Ebnisee zwei Köche mit Reizgas attackiert hatte. Die beiden Angestellten von Schassbergers Sohn waren dabei erheblich verletzt worden. Sie hatten zwei Müllcontainer über die Zufahrt des Nachbarhauses, das Schassberger nach der Trennung von seiner Frau zugesprochen worden war, schieben wollen. Der 63-Jährige hatte vor Gericht behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben. Sein Anwalt kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an.

Ernst-Ulrich Schassberger und seine Familie sind seit Jahren zerstritten. Zuletzt hatte man wegen einer Zufahrt zum Hotel, die von beiden Parteien genutzt wird, gezankt. Vor drei Jahren hatte Ernst-Ulrich Schassberger die Straße künstlich mit Steinen verengt. Zwar einigte man sich zwischenzeitlich darauf, dass die Hoteleigentümer einen etwa 3,30 Meter breiten Korridor nutzen dürfen. Trotzdem war der Streit im vorigen Sommer eskaliert.

Ein Polizist sagte am Dienstag aus, seine Kollegen und er seien damals oft zum Hotel gerufen worden. Mal habe Schassberger unter anderem Namen angerufen und sich wegen Ruhestörung durch Hotelgäste beklagt. Kurz vor der Tat soll Schassberger sogar telefonisch Selbstjustiz angekündigt haben, so der Polizist. Dann wieder zeigten ihn seine Kinder an, weil er angeblich Gäste mit Feuerwerkskörpern, Lärm und Scheinwerfern belästigt haben soll.

Situation eskalierte


Das Hotelpersonal ließ Vorsicht walten. Er habe seinen Kollegen eingeschärft, dass im Konfliktfall nur er rede, sagte der 30-jährige Koch, den die Sprayattacke am stärksten getroffen hatte. Schassberger sei plötzlich hinter einer Garage hervorgetreten und habe verlangt, dass sie sein Grundstück verlassen sollten. Der 30-Jährige sagte, er habe auf die Vereinbarung im Grundbuch verwiesen und verlangt, durchgelasssen zu werden. Schassberger habe dies nicht erlaubt: Nur seine Kinder hätten ein Durchfahrtsrecht.

Die Sache schaukelte sich auf. Schassberger sei nicht zu Seite gewichen, habe zuletzt "fast geschrien", erzählte der 30-Jährige. Schließlich habe der Senior eine Reizgasspraydose gezückt und den Inhalt ohne Vorwarnung über den Container hinweg versprüht. Insgesamt dreimal seien der Koch und sein 26-jähriger Kollege an Gesicht und Hals getroffen worden.

Schassbergers Anwalt beharrte darauf, dass sein Mandant bedrängt worden sei. Ernst-Ulrich Schassberger habe geglaubt, "in Notwehr zu handeln". Der Staatsanwaltschaft war der Verteidiger vor, parteiisch ermittelt zu haben. Zudem seien die Aussagen der Zeugen abgesprochen gewesen.

Der Staatsanwalt erklärte, er sehe keinen Anhaltspunkt, an der Glaubwürdigkeit der Bediensteten zu zweifeln. Schassberger habe "auf einen solchen Vorfall wohl nur gewartet". Auf keinen Fall wäre der Einsatz des Reizgases rechtens gewesen. Die Richterin teilte die Argumente des Staatsanwaltes, blieb mit ihrem Urteil aber einen Monat unter dem Antrag des Anklägers. Sie habe sich schon in früheren Prozessen "den Mund fusselig geredet", klagte wiederum die Richterin. Doch der Familienstreit gehe wohl leider weiter.




Streitbarer Geist


Romantikhotel
Der Sternekoch Ernst-Karl Schassberger betreibt mit seiner Schwester Ulrike das Hotel am Ebnisee, das die Mutter Iris in die Familie eingebracht hat. Der Vater Ernst-Ulrich Schassberger hatte sich 2005 nach einem Ehestreit aus dem Betrieb zurückziehen müssen. Im Hotelanbau aber hat er ein Büro für die Gastronomenvereinigung Eurotoques.

Eurotoques
ist eine Initiative von europäischen Spitzenköchen zur Förderung eines Qualitätsbewusstseins beim Essen. Auch hier ging es nicht immer harmonisch zu. 2008 spaltete sich die von Ernst-Ulrich Schassberger geleitete deutsche Sektion vom europäischen Mutterverband ab. Kurz darauf gründeten einige Mitglieder einen neuen Verein - offenbar, weil es Streit mit Schassberger gegeben hatte. ( Frank Rodenhausen)

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