Fallschirmspringer aus Marbach Ein Paar im freien Fall

Vor dem Kommando zum Sprung in die Tiefe klammern sich die Fallschirmspringer am Absetzflugzeug fest. Foto: privat

Seit 20 Jahren sind Stephanie und Göran Meyer aus Marbach ein Paar. Für sie gilt: nur fliegen ist schöner. Noch besser: In ihrer Freizeit vollführen sie Luftsprünge – sie sind Fallschirmspringer. Und waren jetzt bei der WM in Arizona.

Seit 20 Jahren sind Stephanie und Göran Meyer ein Paar. Für sie gilt wie für viele andere: nur fliegen ist schöner. Das Ehepaar Meyer hat es noch besser: In fast ihrer gesamten Freizeit vollführen sie Luftsprünge – sie sind Fallschirmspringer. Kürzlich waren sie bei den Weltmeisterschaften in Arizona erfolgreich.

 

Eloy, nahe Phoenix in dem US-amerikanischen Bundesstaat, blauer Himmel, beste Sicht. Das Marbacher Ehepaar gehört zum Team der Formationsspringer. In diesem Wettkampfsport verlassen mehrere Fallschirmspringer – je nach Disziplin vier oder acht Personen – gleichzeitig das Absetzflugzeug und bilden im freien Fall zur Erde zurück mehrere Formationen. Diese Figuren sind allerdings nicht frei wählbar, sondern werden unter den Teilnehmern ausgelost.

35 Sekunden Zeit für 20 Figuren

Im 4er wird aus 3000 Metern über dem Boden abgesprungen. Den Formationsspringern bleiben 35 Sekunden, um sich zu 20 Figuren zusammenzufinden. Beim 8er steigert sich die Absprunghöhe auf 4000 Meter. Den Springern bleiben dann 50 Sekunden, um die Formationen zu bilden. „Etwa alle zwei Sekunden müssen wir also eine neue Formation eingenommen haben“, erklärt Meyer.

Immer dabei ist ein Kameramann (oder eine -frau), der oder die Teil des Teams ist und die Formationen von oben filmt. Das Video wird von Punktrichtern ausgewertet. Für jede korrekte Figur gibt es einen Punkt. Sieger ist, wer am Ende – wie zu erwarten war – die meisten Punkte hat. Gesprungen wird nicht nur einmal – zehn Sprünge werden bei solchen Wettkämpfen absolviert.

Stephanie Meyer konnte mit ihrem 4er-Team einen vierten Platz in der Frauenwertung belegen. Die 8er-Herren-Nationalmannschaft Airbus mit Göran Meyer wurde Dritter hinter den Profimannschaften aus Qatar und den Weltmeistern aus den USA. „Ein wirklich super Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die Profiteams täglich trainieren und wir gerade ein Viertel der Sprünge der Profis im Jahr absolvieren“, erklärt der 46-jährige Göran Meyer.

Täglich trainieren, das kann sich das Marbacher Ehepaar – wie eigentlich alle Springer in Deutschland – gar nicht leisten. Sie gehen unter der Woche einer geregelten Arbeit nach. Gesprungen wird nur in der Freizeit, also am Wochenende oder im Urlaub. 150 bis 200 Sprünge kommen so im Jahr dennoch zusammen.

Am 16. Geburtstag der erste Sprung aus dem Flugzeug

Stephanie Meyer arbeitet als Vorstandssekretärin bei einem großen Discounter in Neckarsulm. Göran Meyer ist Pilot für das größte deutsche Frachtunternehmen. Dass er mal Pilot wird, hatte Meyer nicht unbedingt auf dem Plan, aber das Fallschirmspringen wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. „Es war so klar wie Kloßbrühe, dass ich mal den Sprungschein machen werde“, erzählt er. Denn der heutige Pilot wuchs keine fünf Kilometer von einem Sprungplatz entfernt auf. Sein Vater sprang selbst, die Familie war also ständig zu Gast auf dem Flugplatz. An seinem 16. Geburtstag sprang Meyer dann aus dem Flugzeug. Der Sprungschein war nun seiner, und er konnte sein Hobby voll ausleben. Dass er viele Jahre später bei Weltmeisterschaften teilnehmen würde, daran dachte der junge Mann damals trotzdem erst einmal nicht.

Bei Stephanie Meyer war es etwas anders. Sie kam über ihre damalige Liebe zum Fallschirmspringen. „Ich habe einen Tandemsprung gemacht und dann sofort Feuer gefangen“, lacht Meyer. Das war vor mehr als 30 Jahren. Dass auch sie mal bei Weltmeisterschaften springen würde – niemals. „Die Community der aktiven Fallschirmspringer ist nicht so groß“, berichtet Meyer und sagt weiter: „Ich hatte natürlich den Ehrgeiz, besser zu werden, mich zu entwickeln, und so bin ich in den Wettkampfsport gerutscht.“

Mitglied im deutschen Nationalteam

Bei ihrem Mann war es ähnlich. Als Fallschirmspringer bei der Bundeswehr ist Göran Meyer bereits vor mehr als 20 Jahren in das deutsche Nationalteam gesprungen. Seitdem hat er mehr als 8500 Sprünge absolviert. Kennengelernt haben sich die beiden übrigens – wie sollte es anders sein – bei einem Fallschirmsprung-Event. Seitdem investieren die beiden ihre gesamte Freizeit und jeden Urlaub ins Fallschirmspringen. „Ich glaube, vor mehr als drei Jahren haben wir das letzte Mal einen Urlaub ganz ohne Fallschirmspringen gemacht“, berichtet die Vorstandssekretärin, stupst ihren Ehemann an und meint auffordernd: „Könnten wir mal wieder machen.“

Doch im gleichen Atemzug gesteht sie, dass bereits für Anfang nächsten Jahres schon wieder Fallschirmsprung-Events geplant sind. „Das Großartige daran ist, dass man immer auf die gleichen Nasen trifft und eine wunderbare Zeit miteinander erlebt“, erzählt Meyer lächelnd. Gerade diese Mannschaftserlebnisse schätzen Stephanie und Göran Meyer sehr. 2024 möchte das Ehepaar dann bei der Weltmeisterschaft in Israel dabei sein und mit Springern aus aller Welt einige unvergessliche und erfolgreiche Tage erleben. „Der Himmel kennt keine Grenzen“, sagt Göran Meyer.

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