Falsche Profile und Datenschutz Wie Singlebörsen ihre Nutzer abzocken

Online-Partnerbörsen oder Dating-Portale sind beliebt. Doch mitunter steckt hinter einem attraktiven Foto ein falsches Profil. Foto: Adobe stock/oatawa

In Zeiten von Social Distancing sind Dating-Plattformen beliebt. Doch hinter einem attraktiven Profil steckt nicht immer eine reale Person. Auch bei Kündigung und Datenschutz gibt es mitunter Probleme. Wie schützt man sich vor solchen Fallstricken? Ein Überblick.

München - Die Nachrichten sind nett, das Foto passt, trotzdem will sich die Bekanntschaft von der Dating-Plattform nicht mit einem treffen. Dafür gibt es vielleicht einen guten Grund: Sie existiert gar nicht. Und das ist nicht die einzige Falle, in die man bei der digitalen Partnersuche tappen kann. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

 

Wie funktioniert die Masche mit falschen Profilen auf Dating-Plattformen?

Bei vielen Singlebörsen zahlen die Nutzer mit sogenannten Credit-Paketen. Nach der Registrierung müssen sie ein virtuelles Guthaben erwerben, um etwa einen potenziellen Partner kontaktieren zu können. Das Schreiben jeder Nachricht kostet dann ein paar Credits. Und hier kommen sogenannte Animateure oder Moderatoren ins Spiel: Sie werden dafür bezahlt, dass sie unter falscher Identität Nachrichten mit Nutzern austauschen und dadurch für die Plattform Umsätze generieren.

Ein Dating-Portal braucht zudem einfach eine große Anzahl vermeintlicher Kontaktmöglichkeiten, um attraktiv zu sein. „Wir vermuten deshalb, dass es einen sehr hohen Anteil an solchen gefälschten Profilen gibt“, sagt Tatjana Halm, Referatsleiterin Markt und Recht bei der Verbraucherzentrale Bayern.

Wie können Verbraucher solche falschen Profile erkennen?

Das ist schwer, weil das Ziel der Plattformen ja ist, dass die falschen Profile eben nicht erkannt werden. Mögliche Hinweise können sehr professionell wirkende Profilbilder sein, dafür aber nur wenige Aufnahmen. Außerdem sollte man sich immer die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) durchlesen, rät Rechtsanwältin Tatjana Halm. Denn es gibt einige Singlebörsen, bei denen im Kleingedruckten darauf hingewiesen wird, dass es sich um einen „moderierten Dienst“ handelt oder die Anbieter Profile auch selbst erstellen.

So heißt es beispielsweise in den AGBs der Plattform Reifefrauen.com: „Es gibt verschiedene weitere Portalfunktionen wie Kommunikation mit realen Profilen, aber auch mit vom Portal erstellten und betriebenen Profilen. Diese Profile sind ausschließlich zur Auslebung von virtuellen und erotischen Fantasien gedacht, und es sind keine realen Treffen möglich.“ Allerdings werden die falschen Profile der Verbraucherzentrale Bayern zufolge auf fast keiner Plattform entsprechend gekennzeichnet.

Sind solche gefälschten Profile rechtlich denn überhaupt erlaubt?

„Entscheidend dafür ist, wie das Angebot auf der Seite beworben wird“, sagt Tatjana Halm. Geht klar hervor, dass es auf der Plattform um Unterhaltung geht, beispielsweise um Telefonsex, spiele die Echtheit der Partner keine Rolle. „Ganz anders sieht es aber natürlich aus, wenn damit geworben wird, dass man hier den Traumpartner findet“, sagt Tatjana Halm. Dann wiederum spielt es rechtlich aber auch keine Rolle, ob in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen darauf hingewiesen wird, dass die Plattform Animateure einsetzt oder ob dieser Hinweis fehlt.

Was tun, wenn der Verdacht aufkommt, dass hinter einem Kontakt ein falsches Profil steckt?

Die Fotos für die gefälschten Profile werden meist aus dem Netz geklaut. Eine Möglichkeit ist deshalb die umgekehrte Google-Bildersuche: Das verdächtige Profilfoto wird dabei auf den eigenen Rechner heruntergeladen, dann in die Google-Bildersuche hochgeladen und mit Millionen Bildern im Internet abgeglichen. Wird das Motiv auch auf einer anderen Seite verwendet, zeigt es die Suche an – und man kann schauen, ob das Ergebnis zu den Informationen über das Gegenüber passt.

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Eine weitere Möglichkeit ist der Verbraucherzentrale Bayern zufolge der Versuch, mit der Person über andere soziale Medien wie Facebook oder Xing in Verbindung zu treten. Hat die Person dort kein Profil oder wirkt dieses unecht, ist Vorsicht geboten. „Und dann kann man natürlich ein persönliches Treffen vorschlagen. Spätestens dann wird der Fake wohl auffliegen“, sagt Tatjana Halm.

Tummeln sich denn auch Heiratsschwindler in Online-Portalen?

Ja, jede Menge. Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes warnt auf ihrer Internetseite vor sogenannten Rommance-Scammern. Das sind Betrüger, die zunächst über Liebesbekundungen und Aufmerksamkeiten eine Beziehung zu ihren Opfern aufbauen. Ist das geglückt, fragen sie sensible Daten ab oder versuchen dem Opfer Geld aus der Tasche zu ziehen, etwa weil ein Familienangehöriger angeblich schwer krank ist. Um einen potenziellen Scammer zu entlarven, hilft die umgekehrte Google-Bildersuche oder die Eingabe des Namens in Suchmaschinen, rät die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Welche Fallstricke lauern noch?

Bei den Verbraucherbeschwerden fallen Halm zufolge insbesondere die Punkte Abo-Falle und Kündigung auf. „Eine beliebte Masche ist es, die Verbraucher über ein kostenloses Probeabo anzulocken, welches dann automatisch in ein Bezahl-Abo übergeht“, sagt Tatjana Halm. Auch bei der Kündigung einer Mitgliedschaft komme es häufig zu Problemen, etwa weil der angegeben Link nicht funktioniert oder die Kündigung ignoriert wird.

Gibt es auch seriöse Dating-Portale?

Bevor man sich bei einem Portal registriert, sollte man sich über die Betreiber informieren. Findet man über eine Internetsuche negative Erfahrungsberichte? Auch Vergleichsportale wie Singlebörsen-vergleich.de oder Tests der Stiftung Warentest können bei der Auswahl des richtigen Portals hilfreich sein.

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Besonders wichtig ist Tatjana Halm zufolge die Frage nach einem ausreichenden Datenschutz. Informationen hierzu finden sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die man deshalb auch gründlich lesen sollte. Liegt der Geschäftssitz des Portals außerhalb der Europäischen Union, wird es für Verbraucher zudem schwieriger, ihre persönlichen Daten wieder löschen zu lassen.

Welche Betrugsmaschen gibt es bei Tinder?

Auch bei der beliebten Dating-App Tinder müssen sich Nutzer vor gefälschten Profilen in Acht nehmen. Derzeit werden die meist männlichen Opfer von falschen weiblichen Profilen dazu gelockt, ihr Profil vor einem persönlichen Treffen zu verifizieren. Der mitgeschickte Link führt jedoch mitunter in ein kostenpflichtiges Abo, für das monatlich bis zu 50 Euro fällig werden. Hinter den Profilen stecken Bots, also Roboter, welche die Chatnachrichten generieren.

Solche Bots antworten meist in Sekundenschnelle und nur sehr oberflächlich, können also nicht auf konkrete Fragen oder tiefer gehende Unterhaltungen eingehen. Meist sind es attraktive Bilder von Frauen, die für solche Tinder-Bots verwendet werden. Viele Bots laden zudem nur ein Bild hoch oder Bilder von unterschiedlichen Menschen, die sich nur auf den ersten Blick ähneln. Auch hier lohnt sich eine umgekehrte Google-Bildersuche.

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