Familie aus Stuttgart mit Drillingen Wenn man plötzlich alles im XXL-Format braucht

Die 15-jährigen Drillinge Clara (links), Charlotte (vorne) und Victoria (rechts) mit ihren Eltern Diana und Axel. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Zwei Söhne hat Diana Rasspe-Weirauch schon, als sie mit ihrem zweiten Mann ein Kind möchte – und Drillinge bekommt. Die 15-jährigen Clara, Charlotte und Victoria erzählen, was besonders daran ist, ein Drilling zu sein, und mit welchen Klischees sie kämpfen.

Familie, Zusammenleben und Bildung: Julika Wolf (jwo)

Auseinanderhalten kann man Clara, Charlotte und Victoria Weirauch ganz gut. Auch, weil es klare Merkmale gibt – Clara ist blond, Victoria trägt eine Brille, Charlotte ist optisch ein Mix aus beiden. Trotzdem: „Unsere Lehrerin kann uns überhaupt nicht auseinanderhalten“, sagen Charlotte und Victoria. Sie ist nicht allein damit. Selbst ihr Papa Axel hat die Drillinge bis vor ein paar Jahren immer wieder verwechselt. „Zumindest von hinten“, wirft er ein. Und Mama Diana Rasspe-Weirauch erkennt am Telefon nicht sofort, mit welcher Tochter sie spricht, wenn sie zuhause anruft.

 

Trubel ist im Hause Weirauch Normalzustand. Sieben Mitglieder zählt die Familie. Neun, wenn man Katze und Hund dazuzählt. Aus erster Ehe hat Diana Rasspe-Weirauch zwei Söhne. Als sie elf und zwölf sind, bekommt sie die Drillinge. Inzwischen sind die beiden Großen aus dem Haus.

Manche Hobbys machen sie zusammen, andere nicht

Wie ist das, so ein Leben als Drilling, wenn man sich alles teilen muss? Tun sie eigentlich gar nicht, sagen die Drillinge. Etwa bei den Hobbys: Manche machen sie zusammen, andere haben sie für sich. Klettern haben sie zum Beispiel zu dritt angefangen. Vor neun Jahren. Oder waren es zehn? Kurz wird diskutiert. Irgendwann hat Clara jedenfalls damit aufgehört. „Ihr braucht euch nicht“, resümiert Diana Rasspe-Weirauch.

Auch in der Schule sind sie aufgeteilt: Victoria und Charlotte gehen in die gleiche Klasse, Clara ist eine Stufe drüber. Das ist gar nicht ungewöhnlich, erklärt Diana Rasspe-Weirauch. Charlotte und Victoria sind eineiig, Clara hatte im Bauch ein Ei für sich. Weil sie in der Reife ein bisschen mehr Zeit brauchten, haben die eineiigen Mädels die erste Klasse wiederholt. „Das hat niemanden überrascht“, sagt die Mama.

Vom Charakter sind alle unterschiedlich. „Victoria ist am strukturiertesten“, sagt Diana Rasspe-Weirauch. Sie verlasse das Haus morgens vor ihren Schwestern. Früher habe sie Ewigkeiten unten gestanden und nach den anderen gerufen. „Das ist jetzt voll entspannt. Ich kann morgens lesen und keiner nervt mich“, sagt Victoria. „Ich stehe auf, wenn sie losgeht“, sagt Clara. Alle lachen. Charlotte und sie rennen dann eben auf den Bus. Kurz bricht eine Diskussion darüber aus, ob sie pünktlich in der Schule ankommen. Tun sie, versichern sie ihren Eltern. „Außer, die Bahn steht im Stau“, sagt Charlotte. „Das ist keine Ausrede.“ Es passiere wirklich.

Die Eltern haben sie immer als Individuen erzogen. Sie gleich anzuziehen, kam für ihre Mutter nie infrage. „Ich glaube, damit tut man den Kindern keinen Gefallen“, sagt die 49-Jährige. Eltern machten das ja nur, weil sie selbst es süß finden. Früher hatte jede Tochter ihre eigene Farbe: Clara rosa, Charlotte grün, Victoria blau. „Weil wir viele Helfer hatten, war das einfacher“, sagt die Kinderkrankenschwester, die beim stationären Kinderhospiz arbeitet. Schnuller, Zahnbürste, Geschenkpapier – alles war automatisch zugeordnet.

Die Söhne halfen mit den Babys aus

Wie war das, fünf Kinder großzuziehen? Dass die Söhne schon älter waren, war gar nicht schlecht: „Manchmal haben sie Baby gesittet oder eine Flasche gegeben“, sagt Diana Rasspe-Weirauch. Anstrengend fanden die Eltern, dass der Abend bei den Jungs erst anfing, wenn die Drillinge im Bett waren. Durch Hilfe von Großeltern und einer Kinderfrau war aber alles machbar, sagt Diana Rasspe-Weirauch. Die Kinder mussten nur etwas selbstständiger sein. „Den Schulranzen mussten sie immer selbst tragen“, sagt sie. Das sei heute bei vielen Eltern anders.

Als siebenköpfige Familie brauchten sie alles im XXL-Format: Das Auto ein Siebensitzer, das Haus in entsprechender Größe. Die Stadt Stuttgart hatte vor etwa zehn Jahren das Haus in Hedelfingen angeboten. „Eigentlich war es zu klein, weil die Stadt eine bestimmte Anzahl an Quadratmetern pro Person vorsah“, sagt Diana Rasspe-Weirauch. „Aber der Bauträger hat damals gesagt, das sei unfair: Eine Familie mit fünf Kindern kriegt das Haus nicht, weil es eigentlich zu klein ist? Wo sollen die denn wohnen?“ Daraufhin bekamen sie es.

In Urlaub fuhren sie immer zum Zelten, um allen Altersgruppen gerecht zu werden. Oft hatten sie auch im Urlaub Hilfe, etwa von den Großeltern. Bei der Oma in Konstanz waren sie sowieso oft. Manchmal auch nur eine oder zwei von ihnen. „Das hat allen gut getan“, sagt die Mama.

Die Zeit damals war anstrengend. Papa Axel findet die Pubertät aber am herausforderndsten – auch wenn er als Deeskalationsmanager bei einem Softwareunternehmen dafür eigentlich bestens ausgebildet sein müsste. Software ist wohl doch nicht das Gleiche wie drei 15-jährige Töchter. Trotzdem hat der 54-Jährige mit allen Mädels seine Gemeinsamkeiten. Und: „Wenn alle außer Haus sind, ist es wie ein Vakuum“, sagt er. „Man hat zwar seine Ruhe, aber es ist irgendwie nicht gut.“ Seine Frau genießt das schon. „Es passiert aber auch sehr selten“, sagt sie.

Das Besondere daran, ein Drilling zu sein

Was ist also das Besondere am Drillingsdasein? Eigentlich sei es gar nicht besonders spannend. „Aber alle denken das immer“, sagt Charlotte. Ein Klischees von vielen. Auch werden sie oft im Dreierpack angesprochen. „Drillinge, eure Mama ist da!“, solche Sachen haben sie immer zu hören bekommen. „Ich werde oft gefragt, wie es ist, den Geburtstag zu teilen“, sagt Clara. Was sie darauf antwortet? „Ich kenne es ja gar nicht anders.“

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