Über dem Familienalltag baumelt das Damoklesschwert Quarantäne. Mal wieder. Und trotz aller Corona-Routine ist das unerwartet. Erkenntnisse aus dem Alltag einer Redakteurin.

Rems-Murr: Isabelle Butschek (ibu)

Schorndorf - Wenn das Telefon am Montagmorgen nicht klingelt, fängt die Woche gut an. Denn dann haben beide Kinder ihre Schnelltests in der Schule mit Bravour bestanden. Das ist derzeit mindestens so schön wie eine Eins in Englisch. Und fühlt sich trotzdem irgendwie eher an wie Sitzenbleiben.

Seit den Herbstferien ist Corona wieder omnipräsent

Die Familie dreht eine Corona-Ehrenrunde. Hatten wir das nicht schon mal? So ungefähr fast genau vor einem Jahr? Ja, es ist wieder so weit: Die Gespräche am Esstisch drehen sich um Infizierte und Quarantäne und darum, ob jetzt nur x und y positiv sind oder vielleicht auch z. Und außerdem darum, dass sich der Nachwuchs jetzt bitte wirklich gut die Hände waschen soll, wenn er nach Hause kommt. Das war eigentlich erwartbar – und kam trotzdem plötzlich. Klar, auch vor den Herbstferien wurde in den Schulen schon regelmäßig getestet. Aber sonst? Waren wir im Hallenbad, im Kino, da hat sich vieles wie ein Alltag ohne Pandemie angefühlt.

Doch schon am ersten Tag nach den Herbstferien war das blöde Virus omnipräsent. Der eine Mitschüler des Sohns hat sich infiziert und kommt erst gar nicht aus den Ferien zurück, der andere muss im Laufe des Vormittags plötzlich gehen – weil der Schnelltest seines Bruders positiv ausgefallen ist. Und so geht es gefühlt die ganze Woche weiter. Mal beim Sechstklässler, mal bei der Erstklässlerin. Ein Klassenkamerad wird sogar aus der Deutscharbeit herausgeholt und nach Hause geschickt.

Mit der Inzidenz steigt die eigene Unsicherheit steil nach oben

Und weil ja irgendwie alles mit allem zusammenhängt, darf die eigene Tochter nicht zur Tagesmutter, weil wiederum deren Tochter in einer Klasse ist, in der 20 Prozent der Kinder infiziert sind und deswegen vorsichtshalber alle für fünf Tage nach Hause geschickt werden. Das verursacht nicht nur einen Knoten im Gehirn, sondern auch das erste Mal seit langer Zeit mal wieder einen Betreuungsengpass.

Trotz aller Corona- Routine steigt mit der Inzidenz die Unsicherheit steil nach oben. Kann das Kind mit seinem Restschnupfen oder einfach nur stinknormalen Erkältung in die Schule? Sollten beide nicht doch lieber freiwillig im Klassenzimmer ihre Maske anziehen? Doch bevor die zweite Frage beantwortet ist, werden Fakten geschaffen. Die Schulleiterin der Kleinen nutzt ihren Spielraum und führt die Maskenpflicht bereits einige Tage vor der Alarmstufe wieder ein. Und der Große sollte/könnte/müsste seine Maske ebenfalls wieder tragen, weil es einen weiteren positiven Fall in seiner Klasse gibt. Wir Eltern sind insgeheim ein wenig erleichtert.

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Denn alles ist besser als Quarantäne – oder gar Homeschooling. Eine Wiederkehr des Unterrichts im Kinderzimmer würde sich nicht nur wie Sitzenbleiben, sondern ehrlich gesagt wie ein Schulverweis anfühlen.