Familien auf Fernreisen Vor dem Abflug an den Gesundheitsschutz denken – wenn Erreger im Kind mitreisen

Vor der Reise sollen Eltern Zeit einplanen für den Gesundheitsschutz. Foto: Björn Locke

Fernreisen mit Kindern sind beliebt. Was bei der Urlaubsvorbereitung aber häufig vernachlässigt wird, ist der Gesundheitsschutz. Warum sich Eltern informieren sollten.

Gesundheit für Menschen in Stuttgart: Regine Warth (wa)

Die kleinen roten Linien unter der Haut am Arm des kleinen Kindes sehen schon beängstigend aus. Wie kleine Tunnel, gegraben von den Larven des Hakenwurms – im Volksmund auch Hautmaulwurf genannt. Und wer genau hinschaut, kann die Wanderung der Larven auch gut beobachten. Gleichzeitig jucken diese erhabenen Hautstellen ganz fürchterlich, weshalb die Familie kurz nach ihrer Heimkehr aus dem Asienurlaub schleunigst eine Kinderarztpraxis aufgesucht hat.

 

Fälle wie dieses Kind mit dem Hakenwurm-Befall tauchen in den vergangenen Jahren immer häufiger auf, heißt es bei Reisemedizinern, die sich am zweiten Märzwochenende in Berlin zu einem bundesweiten Kongress getroffen haben. Denn Fernreiseziele wie Asien, Afrika oder Zentral- und Südamerika werden bei Familien mit kleinen Kindern immer beliebter.

Kinder erkranken zweimal häufiger an Hauterkrankungen

Dementsprechend größer werden auch die Gesundheitsgefahren: Im Vergleich zu Erwachsenen leiden Kinder etwa dreimal häufiger an akuter Gastroenteritis, sind viermal häufiger von Tierbissen betroffen und erkranken knapp zweimal häufiger an Hauterkrankungen. „Es gilt, auf alles gefasst zu sein“, sagt der erste Vizepräsident der Deutschen Fachgesellschaft für Reisemedizin, Markus Frühwein. Weshalb er seinen Kolleginnen und Kollegen aus der Kindermedizin rät, möglichst genau hinzuschauen.

Im Falle des Hautmaulwurfs hatte der erfahrene Arzt die Diagnose schnell gestellt. Das Kind hatte sich beim Spielen am Strand angesteckt. Der war offenbar von Tierkot verunreinigt gewesen, in dem sich die Larven gern tummeln. Die Nachsorge war dann unkompliziert: „Die Parasiten können im menschlichen Wirt nicht lange überleben“, bestätigt der Kinder- und Jugendarzt Mathias Wagner, ebenfalls Mitglied in der DGR. „Aber bis die Erreger von selbst verschwinden, bleibt es eine unangenehme Erkrankung für das Kind.“ Also erhält es eine Therapie mit einer Salbe, die gegen Nematoden wirkt und die entzündete Hautstellen beruhigt.

Viele Krankheiten aus den Tropen sind nicht meldepflichtig

Genaue Zahlen, wie viele Kinder unliebsame Erreger als Reisemitbringsel nach Hause bringen, gibt es nicht: Den Gesundheitsämtern werden nur wenige Infektionen mit Parasiten oder Erregern aus Reiseländern gemeldet. „Das liegt daran, dass die reisemedizinische Nachsorge nicht immer gut wahrgenommen wird“, sagt Mathias Wagner, der als Kinder- und Jugendarzt eine Praxis in Berlin betreibt. Auch sind gerade viele parasitäre Erkrankungen nicht meldepflichtig – wie etwa der Befall des Kindes mit dem Hautmaulwurf.

Lediglich die Malaria und der Befall des einzelligen Durchfallerregers Giardiasis werden registriert. Im Jahr 2024 waren das nach Zahlen des Robert Koch Instituts (RKI) beispielsweise 881 Giardiasis-Erkrankungen bei Reiserückkehrern, die gerade bei Kleinkindern von bis zu fünf Jahren sehr häufig zu Krankenhausaufenthalten geführt hat. In Baden-Württemberg waren es nach Angaben des Landesgesundheitsamtes 294 Menschen, davon 31 Kinder. Auch die Malaria ist ein gefürchtetes Reisemitbringsel: 933 Malaria-Fälle bei Urlaubsreisen zählte das RKI im Jahr 2024, davon waren 144 Kinder und Jugendliche betroffen. In Baden-Württemberg waren es im gleichen Zeitraum 141 Menschen, davon 11 Kinder. „Und gerade bei der Malaria ist besondere Vorsicht geboten“, warnt Frühwein.

Malaria verläuft bei Kindern oft untypisch

Denn in dieser Altersgruppe äußert sich die Erkrankung oft sehr unspezifisch. Neben Kopf- und Gliederschmerzen entwickelten sie häufig auch Bauchschmerzen und Durchfälle, die nicht zuerst an eine Malaria denken ließen. „Familien, deren Kinder nach einem Urlaub an einem Fernreiseziel einen fieberhaften Infekt entwickeln, sollten zum Arzt und den Infekt im Labor abklären lassen“, sagt Frühwein. Hauptverbreitungsgebiet der bekanntesten Tropenkrankheit ist Subsahara-Afrika – mit Tourismushotspots wie Kenia und Tansania –, aber auch die äquatornahen Regionen Asiens und Südamerikas sind betroffen.

Dort ist auch eine Mücke heimisch, die ebenfalls ernstzunehmende Infektionskrankheiten wie das Dengue-Fieber verbreiten kann. Im Jahr 2024 sind nach Angaben des RKI in ganz Deutschland mehr als 1700 Fälle registriert worden, in Baden-Württemberg waren es im gleichen Zeitraum 280 Fälle, davon 13 Kinder. Ein Jahr später waren es 167 Menschen im Land, davon zehn Kinder. Zwar gibt es im Gegensatz zur Malaria und Giardiasis bei Dengue-Fieber eine Impfung. „Allerdings ist diese erst ab einem Alter von vier Jahren zugelassen“, sagt Frühwein. Deshalb sprechen die Reisemediziner auf dem Kongress die Empfehlung aus, mit Kindern, die jünger als fünf Jahre alt sind, möglichst noch nicht in Malaria-Gebiete zu reisen und so das Risiko für Dengue-Fieber zu minimieren.

Drei Monate vor der Reise sollten die Familien zum Kinderarzt

Wichtig ist, die Gesundheitsvorsorge bei Fernreisen mit Kindern rechtzeitig zu beginnen: „Je exotischer das Reiseziel und je jünger das Kind, desto früher sollte eine qualifizierte reisemedizinische Beratung erfolgen – idealerweise noch vor der Buchung“, rät der Kinderarzt Wagner. So bleibe noch genügend Zeit, um nötige Impfungen zu verabreichen. Neben den altersentsprechenden Standardimpfungen wären das Immunisierungen gegen Gelbfieber, Hepatitis A, Typhus, Tollwut oder Japanische Enzephalitis. Gerade bei kleinen Kindern sollten Eltern einen Vorlauf von einem, besser von drei Monaten einplanen.

Um auf mögliche Infektionen vorbereitet zu sein, die von Mücken übertragen werden können, sollten Eltern besonders konsequent Schutzmaßnahmen ergreifen: „Regelmäßig das Kind mit Repellents einsprühen, lange Kleidung tragen lassen und imprägnierte Moskitonetze nutzen“, sagt der Reisemediziner Frühwein. Für Reisende in Malariagebiete gibt es zudem die Möglichkeit einer medikamentösen Prophylaxe. „Diese muss aber auch konsequent eingenommen werden.“

Fernreisen stärken Kinderseelen

Letztlich gibt es keinen hundertprozentigen Schutz gegen alles: Aber, so können die Reisemediziner beruhigen, schwere Krankheitsverläufe bei Kindern, die sich im Urlaub mit Erregern infiziert haben, sind eher selten. Aus Angst vor Gesundheitsgefahren zu Hause zu bleiben, sei ohnehin keine Option, sagt Frühwein: „Kinder lernen auf Reisen neue Kulturen kennen, sie lernen Resilienz und Selbstständigkeit.“ Der positive psychosoziale Aspekt ist sogar in Studien nachweisbar. Auch bei den Eltern: „Denn gemeinsames Reisen stärkt die Familienbindung.“

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