Familien-Musical in Stuttgart Eine ganz moderne Weihnachtsgeschichte

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Ein Evergreen, modern aufbereitet: Die 175 Jahre alte Weihnachtsgeschichte um den geizigen, hartherzigen Scrooge kommt vom 1. bis 16. Dezember erneut im Spardawelt Eventcenter am Stuttgarter Hauptbahnhof auf die Bühne.

Wie in der Originalgeschichte wird Ebenezer Scrooge auch im Musical durch die Begegnung mit drei Geistern geläutert. Doch in der Adaption von Christian Berg und Michael Schanze gibt es auch allerhand komische Situationen.  Foto: Veranstalter
Wie in der Originalgeschichte wird Ebenezer Scrooge auch im Musical durch die Begegnung mit drei Geistern geläutert. Doch in der Adaption von Christian Berg und Michael Schanze gibt es auch allerhand komische Situationen. Foto: Veranstalter

Weihnachten – Mitgefühl, Gefühlsduselei. Du lieber Himmel, was für ein Humbug! Das zumindest findet Geschäftsmann Ebenezer Scrooge, Hauptperson im Musical „Eine Weihnachtsgeschichte“, die Christian Berg nach Charles Dickens Erzählung „A Christmas Carol“ geschrieben hat.

Nach dem großen Erfolg 2017 kommt die 175 Jahre alte Geschichte um den geizigen, hartherzigen Scrooge vom1. bis 16. Dezember für Familien mit Kindern ab vier Jahren erneut im Spardawelt Eventcenter auf die Bühne. Inszeniert hat das Familien-Musical Regisseurin Melanie Herzig. Die Musik zur Geschichte stammt aus der Feder von Michael Schanze.

Scrooge stand Pate bei Dagobert Duck

Nicht nur das Buch, auch unzählige Filme haben die Geschichte weltberühmt gemacht. Und auch die reichste Ente der Welt, Scrooge McDuck alias Dagobert Duck, ist vom Cartoonisten Carl Barks nach der Vorlage von Geizhals Ebenezer Scrooge geschaffen worden. „Oh, er war ein wahrer Blutsauger, dieser Scrooge! Ein gieriger, zusammenkratzender, festhaltender, geiziger alter Sünder . . . Die Kälte in seinem Herzen machte seine alten Gesichtszüge starr, seine spitze Nase noch spitzer, sein Gesicht runzlig, seinen Gang steif, seine Augen rot, seine dünnen Lippen blau, und sie klang aus seiner krächzenden Stimme heraus“ – so wird Scrooge von Dickens beschrieben.

Die dunklen Seiten des Lebens

Charles Dickens, den Tolstoi als den größten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts betrachtete, kam selbst aus armen Verhältnissen. Sein Leben lang ließen ihn die dunklen Seiten des Lebens nicht los und er war ein scharfer Sozialkritiker. In den 1830er Jahren, als Dickens als junger Journalist, Gerichtsberichterstatter und Anwaltsgehilfe arbeitete, lebte ein Drittel der Londoner in tiefster, haarsträubender Armut.

In seinen Werken hat Dickens die ganze Trostlosigkeit der Londoner Slums voller Betrunkener beschrieben, voller halb nackter, rachitischer Kinder, die sich um Schlachtabfälle stritten und selten das Erwachsenenalter erreichten. „Dickensian“ nennen die Briten noch heute Texte, in denen es um Ungerechtigkeiten, Armut und miese Arbeits­bedingungen geht.

Ungerechtigkeit, Geldgier und Geiz

Ungerechtigkeit, Geldgier und Geiz spielen auch in „Der Weihnachtsgeschichte“ eine große Rolle: Für Scrooge ist Weihnachten nichts als Geld- und Zeitverschwendung. Er bekommt Besuch an Heiligabend vom Geist seines verstorbenen Geschäftspartners Jakob Marley, der ihm rät, sein Leben zu ändern, und ihm prophezeit, dass er es nach seinem Tod bitter büßen müsse, wenn er so kaltherzig bleibe. Bevor er geht, kündigt der Geist drei weitere Geister für die Nacht an. Der erste Geist ruft dem verbitterten alten Mann die vergan­genen Weihnachten in Erinnerung. Scrooge sieht seine große Liebe Belle wieder und auch, wie sie ihn wegen seiner Geldgier verlässt.

Witzige Charaktere statt Tragik

Der zweite Geist, jener der gegenwärtigen Weihnacht, zeigt ihm das ärmliche, aber warmherzige Weihnachtsfest bei seinem unterbezahlten Angestellten Bob Cratchit. Auch dem fröhlichen Fest der Familie seines Neffen, zu dem Scrooge eingeladen wäre, statten sie einen Besuch ab. Zu guter Letzt führt der dritte Geist Scrooge in die Zukunft: Die wird alles andere als rosig, wenn sich sein kaltes Herz nicht endlich erweichen lässt.

Was im Original bei Dickens nicht ohne Tragik abgeht, kommt in der Bearbeitung von Berg und Schanze in ganz neuem Gewand daher. Berg hat die Handlung mit allerlei witzigen Charakteren ausgeschmückt. So treten unter anderem ein durchgeknallter Geist, eine sprechende Laterne und ein singendes Fenster auf. Die Songs haben Ohrwurmgarantie.

Am Ende sind alle glücklich, auch Scrooge, der begreift, dass in seinem Leben eine Menge falsch gelaufen und Weihnachten eben doch keine Zeitverschwendung ist.

„Eine Weihnachtsgeschichte“: 1. bis 16. Dezember, verschiedene Anfangszeiten, Spardawelt Event­center, Tickets 07 11 / 84 96 16 72.Es gibt auch Schulvorstellungen.