Familien- und Nachbarschaftszentrum in Stuttgart-Botnang Auf den Spuren deutscher Geschichte

Von Torsten Ströbele 

Jugendliche aus dem Familien- und Nachbarschaftszentrum fahren ins Konzentrationslager nach Dachau.

Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch amerikanische Truppen am 30. April 1945 jubeln die Insassen ihren Befreiern zu. Foto: dpa
Nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau durch amerikanische Truppen am 30. April 1945 jubeln die Insassen ihren Befreiern zu. Foto: dpa

Stuttgart-Botnang - Das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte darf nicht in Vergessenheit geraten. Daran hat auch der Leiter des Familien- und Nachbarschaftszentrums (FuN), Gerald Bosch, überhaupt keinen Zweifel. Nun wird allerdings den Jugendlichen im Allgemeinen oft nachgesagt, dass sie kein großes Interesse an der Historie und dem Nationalsozialismus haben. Umso mehr hat sich Bosch gefreut, dass einige der jungen meist benachteiligten Besucher des FuN-Cafés den Wunsch geäußert haben, die Gedenkstätte eines Konzentrationslagers zu besuchen. „Diese Idee wollten wir nun schnell umsetzen“, betont Bosch. Gemeinsam mit der Mobilen Jugendarbeit machte sich der Leiter des FuN an die Arbeit. „Wir haben mit den Jugendlichen das Thema aufgearbeitet, mit ihnen über Faschismus und Ausgrenzung gesprochen“, sagt Gerald Bosch. „Wir wollen erreichen, dass sich die Jugendlichen mit dem Menschenbild, der Geschichte, Demokratie, Gesellschaft, mit Toleranz, Akzeptanz und der Aktualität dieser Themen mit Blick auf neueste Entwicklungen auseinandersetzen.“

Am Freitag, 2. November, soll es nun mit dem Bus nach Augsburg gehen, wo die rund 15 zwölf- bis 18-jährigen Botnanger in einer Jugendherberge unterkommen werden. „Wir haben dort auch einen Seminarraum, in dem wir uns noch einmal auf den Besuch der KZ-Gedenkstätte vorbereiten können. Das werden wir auch theaterpädagogisch mit Rollenspielen machen“, sagt Bosch. Am Samstagvormittag fährt die Gruppe schließlich zum Konzentrationslager nach Dachau und nimmt an einer Führung teil, ehe es am Nachmittag wieder Richtung Botnang geht.

Diskussion über die Richtlinien des Bezirksbeirats entfacht

Fast wäre die Bildungsreise allerdings an der Finanzierung gescheitert. Für die Busreise, die Übernachtung und Verpflegung sind knapp 2300 Euro veranschlagt. Durch einige Zuschüsse und die Eigenbeteiligung der Jugendlichen fehlten am Ende aber noch 1100 Euro. Die Organisatoren hofften, dass der Bezirksbeirat das Projekt wohlwollend unterstützt. Doch es brandete rund um den Antrag des FuN eine Grundsatzdiskussion im Gremium auf. Die Mehrheit der anwesenden Mitglieder hatte große Zweifel daran, dass das Bezirksbudget der richtige Topf für dieses Projekt ist. „So löblich und unterstützenwert die Sache ist, ich denke, dass die Richtlinien besagen, dass wir nur Veranstaltungen bezuschussen dürfen, die in Botnang stattfinden“, sagte Michael Schneider (CDU). Zudem könne es künftig zu Problemen kommen, wenn der Bezirksbeirat Bildungsreisen finanziell unterstützt. Es gebe einige Institutionen, die auch Zuschuss-Anträge stellen könnten. „Es ist ein großartiges Projekt, aber es passt nicht in unsere Richtlinien“, sagte auch Birgit Närger (Freie Wähler). CDU, FDP, Freie Wähler und AfD (6 von maximal 12 Stimmen) sprachen sich vor der Abstimmung gegen den Zuschuss aus.

Jens Keller (Bündnis 90/Die Grünen) sah das anders: „Ich sehe die Auslegung der Richtlinien nicht zwingend so, dass nur Projekte bezuschusst werden dürfen, die in Botnang stattfinden.“ Dass Bildungsreisen grundsätzlich finanziell unterstützt werden müssen, wenn man im Fall des FuN einen Zuschuss gewährt, sah Keller nicht so: „Wir als Gremium sind in der Lage, jeden Einzelfall zu diskutieren. Deshalb stimme ich hier zu.“ Auch SPD und SÖS/Linke-Plus signalisierten ihre Zustimmung. Am Ende votierten sieben der anwesenden elf Bezirksbeiräte dafür, einen Zuschuss zu gewähren. Nur Michael Schneider, Juergen R. Spingler (beide CDU) und Franz Hotz (AfD) lehnten den Antrag ab. Frank Riehl (CDU) enthielt sich der Stimme. Als es dann um die Höhe der Summe ging, stimmten sogar acht Räte dafür, den Fehlbetrag in Höhe von 1100 Euro zu übernehmen.

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