Familienbetrieb in Nürtingen Vater und Sohn arbeiten mit Volldampf an Loks

Von  

Die Familie Ritter restauriert in Nürtingen nostalgisches Märklin-Spielzeug. Vor Weihnachten setzt das Unternehmen immer besonders viele Modellzüge instand.

Elmar Ritter (links) und sein Vater Gernot teilen die Leidenschaft für Züge. Foto: Ines Rudel
Elmar Ritter (links) und sein Vater Gernot teilen die Leidenschaft für Züge. Foto: Ines Rudel

Nürtingen - Zwar ist die Modelleisenbahn etwas aus der Mode gekommen. Trotzdem gibt es immer noch genügend Fans der Spielzeugzüge, die an Weihnachten die Züge ihre Runden drehen lassen. Weil dies so ist, brummt es bei Gernot und Elmar Ritter derzeit besonders. Vater und Sohn führen im Nürtinger Teilort Raidwangen eine Werkstatt, in der sie Modellzüge nicht nur restaurieren, sondern auch eigene Lokomotiven konstruieren. Die Kunden kommen aus aller Welt.

Wie aus einem Hobby ein Unternehmen wurde

„Am Anfang war es Liebhaberei“, sagt der Seniorchef. „Dann ist es etwas aus dem Ruder gelaufen“, erklärt Gernot Ritter die Entwicklung vom reinen Hobby hin zu einem Familienunternehmen. Gernot Ritter, in Stuttgart geboren und aufgewachsen, bekam als Bub 1955 seine erste Märklin-Lok. Als Erwachsener kaufte er Anfang der 70er-Jahre dann über das Stuttgarter Wochenblatt eine Eisenbahn, die zwar günstig, dafür aber in keinem guten Zustand war. Der Physiker restaurierte sie. Das sprach sich im Bekanntenkreis herum, und nach dem Motto „könntest du nicht mal. . .“ wandten sich immer mehr Menschen mit reparaturbedürftigen Modellzügen an Gernot Ritter. So fing alles an.

Märklin schloss mit ihm 1985 einen Vertrag ab, der regelte, dass Gernot Ritter im Auftrag der Göppinger Firma Modellzüge restauriert. Längst wenden sich die Kunden direkt an die Firma Ritter.

Die Firma stellt auch eigene Modelle her

Weil er als Lehrer auf dem Säer Schülern Physik beibrachte, waren die Ritters nach Nürtingen gezogen. Im Teilort Raidwangen befindet sich die Werkstatt, in der die Züge wieder in Schuss gebracht werden. Ein Kunde aus Hessen hat eine Lok aus den 1890er-Jahren eingeschickt. Ihr Name ist schlicht „R“ – eine Fantasielok, für die es nie ein großes Dampfross als Vorbild gab. „Das ist eine der ersten Märklin-Lokomotiven überhaupt“, sagt Gernot Ritter. An der Lok fehlt der Tender, den die Ritters jetzt nachbauen. Das Blech lackieren sie über ein Spezialverfahren so, dass eine Patina mit Rissbildung entsteht. „Sonst würde der Tender wie geleckt aussehen und nicht zum altersbedingten Zustand der Lok passen“, erklärt Gernot Ritter den aufwendigen Arbeitsprozess.

Der Familienbetrieb, in dem neben der Seniorchefin Elisabeth Ritter auch zwei festangestellte Mitarbeiter beschäftigt sind, restauriert indessen nicht nur nostalgisches Märklin-Spielzeug, sondern baut auch selber Züge, die der Hersteller nie produziert hat. „WWW-Modelle“, nennen die Ritters diese Züge – also „was wäre wenn“ Märklin diese Loks hergestellt hätte. Die Ritters haben beispielsweise für einen Kunden aus München eine Lok der Baureihe E 17, passend für dessen Märklin Spur 0 Vorkriegseisenbahnanlage, gebaut. Der sei ganz gerührt gewesen und habe das Modell wie ein Baby im Arm gehalten. „Jetzt musste ich 90 Jahre alt werden, bis ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen ist“, habe er gesagt.

Der Kreis der Sammler wird kleiner und älter

Die Firma Ritter kümmert sich auch um anderes älteres Märklin-Spielzeug wie Schiffe, Dampfmaschinen, Flugzeuge oder Autos. Der stärkste emotionale Bezug gilt aber den Zügen. Gernot Ritter kennt noch die Dampflokomotiven von seiner Kindheit her. „Ich habe noch den Geruch in der Nase, da hat es gezischt und gebrutzelt. So eine Dampflok war eine echte Wuchtbrumme“, sagt der 76-Jährige.

Elmar Ritter ist Jurist, doch hat er sich für die Juristerei nach Abschluss seines Studiums nicht begeistern können. Die Leidenschaft des Vaters für die Restaurierung von Märlin-Loks ist vom Vater auf den Sohn übergesprungen. „Ich hätte es schade gefunden, so etwas irgendwann einmal auslaufen zu lassen, in der Form wie wir das machen, sind wir weltweit einzigartig“, sagt der 47-jährige Elmar Ritter. „Gesammelt wird immer und überall“, davon ist das Tandem überzeugt und beide blicken optimistisch in die Zukunft: „Auch wenn der Kreis der Sammler kleiner wird, sind wir doch zuversichtlich, dass auch junge Menschen weiterhin den Charme des alten Spielzeugs für sich entdecken werden.“