Familienrecht Leibliche Väter: Dieses Recht sollte ihnen zustehen
Mit einer neuen Reform will die Regierung die Rechte leiblicher Väter stärken. Es ist gut, dass sie dabei behutsam vorgeht, findet Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.
Mit einer neuen Reform will die Regierung die Rechte leiblicher Väter stärken. Es ist gut, dass sie dabei behutsam vorgeht, findet Hauptstadtkorrespondentin Rebekka Wiese.
Was ist Familie? Darauf gibt es viele Antworten. Dass Eltern sich trennen und in jeweils neuen Konstellationen weiterleben, ist heute für viele Menschen Alltag. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat nun einen Entwurf für eine Reform vorgelegt, die leibliche Väter in ihren Rechten stärken soll. Sie setzt damit einen Auftrag des Bundesverfassungsgerichts um. Dieses hatte die Regierung angemahnt, das Familienrecht zu überarbeiten.
Der Entwurf sieht vor, dass leiblichen Vätern nach der Geburt ihres Kindes künftig sechs Monate lang grundsätzlich die rechtliche Vaterschaft zusteht. Bisher ist es so, dass Mütter auch schon in diesem Zeitraum einen anderen Mann als Vater eintragen lassen können. Dass sich das jetzt ändert, ist notwendig. Und es ist zugleich richtig, dass die Reform eine klare zeitliche Begrenzung setzt.
Wie wichtig die Änderung ist, zeigt der Fall, mit dem sich das Verfassungsgericht beschäftigen musste. Es ging um einen Mann, der kurz nach der Geburt seines Sohnes seine Vaterschaft rechtlich anerkennen lassen wollte. Die Mutter ließ daraufhin ihren neuen Partner als rechtlichen Vater eintragen. Obwohl der Kläger eine Beziehung zu seinem Sohn hatte, durfte ihm das Gericht nicht die rechtliche Vaterschaft zusprechen. Das war zwar rechtmäßig, aber offensichtlich nicht gerecht.
Genau solche Fälle sollen künftig verhindert werden. Wichtig ist aber auch, dass Väter dieses grundsätzliche Recht auf Anerkennung nur sechs Monate lang haben. Forschungen zufolge entwickeln Kinder von einem Alter von sieben Monaten an fortdauernde Bindungen zu Bezugspersonen. Wenn ein Vater sich nach der Geburt des Kindes so lange trotzdem nicht bemüht, eine Rolle im Leben des Kindes zu spielen, steht es ihm nicht mehr zu, plötzlich Rechte einzufordern. Familie ist eben mehr als biologische Verwandtschaft. Entscheidend ist, wer füreinander Verantwortung übernimmt.