Familie Xu liebt Tischtennis Der Jüngste verfolgt die ehrgeizigsten Ziele

Die Xus haben großen Spaß an der eigenen Platte im Keller: Tiffany, Lucy, Luca, Mutter Winnie und Vater Feng. Foto: Günter Bergmann

Die Xus haben während der Pandemie den Spaß für Tischtennis entdeckt und sind seitdem eng mit dem DJK Sportbund Stuttgart verbunden. Aus unserer Lokalsport-Serie „Familiensache“

Wenn vom landestypischen Sport Chinas die Rede ist, so wird sofort Tischtennis genannt. Da bildet auch die Familie Xu aus Fellbach keine Ausnahme. Vater Feng, Mutter Winnie und die Töchter Tiffany, Lucy sowie der Sohn Luca sind ebenfalls von dem Sport mit dem kleinen Plastikball begeistert. Doch wie es zu der Begeisterung kam, ist alles andere als typisch für Familien, in deren Heimatland Tischtennis zu den Nationalsportarten gehört. Der Schläger wurde ihnen nicht in die Wiege gelegt. Vielmehr war ein Ereignis ausschlaggebend, das weltweit für große Sorge, Aufregung und Betroffenheit verantwortlich zeichnete, warum im Hause Xu das Virus Tischtennis grassiert: die Corona-Pandemie.

 

Tischtennis gegen Langeweile

Stichwort Lockdown. Auch die Xus mussten in 2020 viel Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen. „Was können wir tun, damit uns die Decke nicht irgendwann auf den Kopf fällt, uns die Langeweile überkommt?“, stellten sich die Fünf damals die Frage. Die Lösung: „Eine Tischtennisplatte, Platz im Keller haben wir genügend“, sagt Vater Feng in bestem bayrischen Dialekt zurückblickend – im Alter von sechs kam er mit seinen Eltern aus der chinesischen Provinz Zhejiang in die Nähe von Nürnberg. Besagte Platte wurde schnell gekauft, aufgebaut und fortan trafen sich alle häufig im Keller. Primär für muntere, gelöste Duelle. „Es hat einfach Spaß gemacht, zudem uns allen gut gefallen“, sagen Tiffany und Lucy unisono. Doch je länger der Ball übers Netz flog, um so ehrgeiziger und ernsthafter wurde der Umgang mit dem Schlägerspiel. So ernsthaft, dass sich, außer Mutter Winnie – „ich bin reine Hobbyspielerin“, lacht die 39-Jährige – die anderen Vier entschlossen, ihr Können nicht nur in den eigenen vier Wänden zu erproben. Es wurde, als es wieder möglich war, ein Verein gesucht – und im DJK Sportbund Stuttgart einer gefunden. Seitdem sind die Xus fest verbunden mit dem Club aus dem Stuttgarter Osten.

„Ich habe bis vor kurzem auch sehr regelmäßig trainiert, spiele jetzt aber nur noch gelegentlich in der Mädchenmannschaft“, sagt die 16-jährige Tiffany, die in Fellbach auf das Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) geht. Der Grund: Sie geht inzwischen verstärkt einer anderen sportlichen Leidenschaft nach: „Ich tanze gerne. Hip-Hop und Dancehall, das ist auf Reggae basierend sowie Commercial Dance, eine Mischung aus den Elementen Hip Hop und Jazz. Da habe ich auch regelmäßig Training in Ludwigsburg.“

Die 19-jährige Lucy studiert mittlerweile Architektur, schwingt zwar in der vierten Frauenmannschaft des Sportbund noch den Schläger, sieht den Sport aber „ als willkommenen Ausgleich zum doch anspruchsvollen Studium“. Dennoch, wenn der Verein, genauer Vorstand Stefan Molsner, rufen, dann steht Lucy bereit. Es könne schon vorkommen, dass sich Molsner samstagabends meldet und für sonntags bei den Heimspieltagen noch händeringend jemand für den Verkauf benötigt. „Dann springe ich durchaus gerne kurzfristig ein, bei Stefan kann man einfach nicht nein sagen“, sagt Lucy schmunzelnd.

Vater Feng ist der Tausendsassa. „Ich bin als Coach, Chauffeur und Betreuer für den Verein im Einsatz“, sagt er. Zudem spielt der 41-Jährige, der in seiner Jugend auch mal in der bayrischen Auswahl stand, aktuell für die Sportbund-Herren V. „Ich habe aber auch schon in allen Teams bis zur zweiten und bei den Senioren gespielt“, sagt Feng. Auch wenn bei den Xus in Sachen Tischtennis der Spaß im Vordergrund steht, verfolgt einer der Familie ehrgeizige Ziele: Der jüngste, der zwölfjährige Luca , der ebenfalls auf das Gymnasium in Fellbach geht. Er ist im Bereich U 13 Spitze in Baden-Württemberg. „Ich schwanke so zwischen Position eins und drei, je nachdem, welche Wettkämpfe gerade waren.“ Mit ihm schlägt Vater Feng auch zahlreiche Bälle im Keller. Denn der ambitionierte Luca, der auf jeden Fall einmal „im Drittliga-Team des Sportbund spielen möchte“, wie er sagt, kennt seine Stärken und Schwächen. „Meine Vorhand ist sehr gut, die Rückhand muss ich noch verbessern.“

Er spielt in der Jugend-Verbandsoberliga und bei den Herren in der Landesliga/-klasse. Ohne die Unterstützung seiner Eltern könnte er den Sport aber nicht so intensiv ausüben. Zweimal trainiert der Zwölfjährige beim Sportbund und noch mindestens zweimal pro Woche in Böblingen mit der Auswahl, plus Spieltage oder Turniere. Heißt für Vater Feng: „Viele Fahrdienste zu leisten.“ Keine einfache Sache, Organisationsgeschick ist gefragt. Die Familie ist seit 2017 nämlich auch Inhaber des Restaurants Asia Welt in Fellbach. Ein gutes Team und die Zeitfenster nutzen, anders würden sich das Restaurant und der Sport der Kinder nicht vereinbaren lassen, so Feng. Und als Dank lässt Luca den Papa gewinnen? „Es bleibt spannend bis zum Schluss“, sagt Luca diplomatisch, doch Feng widerspricht. „Meine Chancen stehen nur noch 30:70.“ Und wie sieht es bei Geschwisterduellen aus, haben die großen Schwestern den kleinen Bruder noch im Griff?. „Null Chance, der macht uns mit links weg“, lachen Tiffany und Lucy.

Serie „Familiensache“

Worum geht es?
Das wohl berühmteste Beispiel auf der großen Sport-Bühne sind die Neureuthers: Vater Christian, die inzwischen verstorbene Mutter Rosi Mittermaier und Sohn Felix – zwei Generationen, alle in derselben Sportart top, in diesem Fall auf Skiern. Oder die Ingebrigtsens – drei Brüder, dreimal läuferische Weltspitze. Es liegt also was in der Familie. Und darum geht es auch in unserer Serie „Familiensache“. Wir haben uns nach Vergleichbarem auf lokaler Ebene umgeschaut. In neun Teilen stellen wir Familien aus Stuttgart und von den Fildern vor, in denen sich ein Großteil einer gemeinsamen sportlichen Leidenschaft verschrieben hat.

Bisher erschienene Serienteile
Die Faustball-Familie Löwe beim NLV Vaihingen,

die Eisstockschützen-Familie Butterweck beim ESC Stuttgart-Vaihingen,

die Ringer-Familie Laible bei der SG Weilimdorf,

die Basketball-Familie Nufer aus Rohr,

die Baseball-Familie Weil bei den Stuttgart Reds sowie

die Fußball-Familie Gashi bei KF Kosova Bernhausen.

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