Fanny-Leicht-Gymnasium Als das Fräulein unterrichtete

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Die 80-jährige Anneliese Ziegler war von 1946 bis 1952 an der Vaihinger Mädchenoberschule, dem heutigen Fanny-Leicht-Gymnasium. Anlässlich des bevorstehenden 75-Jahr-Jubiläums berichtete sie Schülern von heute von damals.

Auf Einladung der Lehrerin Birgit Anschütz (rechts) war die Zeitzeugin Anneliese Ziegler zu Gast beim Oberstufen-Geschichtskurs. Foto: Alexandra Kratz
Auf Einladung der Lehrerin Birgit Anschütz (rechts) war die Zeitzeugin Anneliese Ziegler zu Gast beim Oberstufen-Geschichtskurs. Foto: Alexandra Kratz

Vaihingen - Das Fanny hat es nicht immer leicht gehabt. Die Schule war 1940 gegründet worden, mitten im Dritten Reich. Zunächst durfte sie nicht einmal nach ihrer Gönnerin Fanny Leicht benannt werden. Die Mädchen und Jungen des Oberstufen-Geschichtskurses befassen sich derzeit kritisch mit der Geschichte ihrer Schule. Diese feiert im Sommer ihr 75-Jahr-Jubiläum. Anlass genug, um genauer hinzuschauen.

Die Jugendlichen haben unzählige Ordner im Staatsarchiv Ludwigsburg gewälzt. Dort gibt es zu jedem Lehrer eine Entnazifizierungsakte. Die Schüler wollten wissen, welche Lehrer sich in welchem Maß mit dem NS-System gemein gemacht hatten. Das Ergebnis hat die Schüler gefreut. Die meisten Lehrer waren nicht in der Partei. Der damaligen Rektorin Hilde Dietrich wurde gar vorgeworfen, sie sei zu „goethianisch“ und „zu wenig nationalsozialistisch“ eingestellt.

Die Akten mit Leben füllen

Bei ihrem Aktenstudium haben die Schüler viel über die damaligen Lehrer erfahren. Aber das, was man in den Ordnern liest, sei eben nur theoretisch, sagte die Geschichtslehrerin Birgit Anschütz. Die Akten sollen mit Leben gefüllt werden. Darum hat der Geschichtskurs Zeitzeuginnen eingeladen. Am Mittwoch war Anneliese Ziegler zu Gast. Sie besuchte von 1946 bis 1952 die Schule. Damals war es noch eine reine Mädchenoberschule. Wer Abitur machen wollte, musste nach der zehnten Klasse auf eine weiterführende Schule.

Anneliese Ziegler genoss ihre Zeit an der Vaihinger Schule. Damals war es nur die von der Familie Leicht an die Stadt vermachte Jugendstilvilla, mitten in einem schönen Park mit einem Teich und einem Springbrunnen. „Alle haben uns um diese Schule beneidet“, sagte Ziegler. In dem ehemaligen Wohnhaus wurden rund 400 Schüler unterrichtet, von zwei Handvoll Lehrern. „Das ist heute kaum vorstellbar“, sagte Anschütz. Heute seien es 800 Schüler und 80 Lehrer. „Aber wir waren ja auch 40 bis 45 Kinder in einem Klassenraum“, entgegnete Ziegler. Manchmal war es nicht einmal ein Klassenraum. Wahlfächer wie beispielsweise Latein wurden auch schon mal auf dem Flur gegeben.

Die Zeitzeugin kennt viele Anekdoten

Anneliese Ziegler berichtet auch von der Mangelwirtschaft. „Wenn unser Heft voll war, mussten wir es von der Lehrerin abzeichnen lassen. Dann bekamen wir in der Buchhandlung ein neues“, erinnerte sich die 80-Jährige. Lehrbücher gab es sowieso nicht. „Wir mussten gut mitschreiben, denn nachlesen ging nicht“, sagte Ziegler. Die Lehrerinnen seien alle „gestandene Fräuleins“ gewesen.

Die Schulleiterin Fräulein Dietrich sei immer etwas nervös gewesen, habe aber einen guten Unterricht gemacht. „Wir durften noch Fräulein sagen. Später wollte sie mit Oberstudienrätin angesprochen werden. Das wäre mir, glaube ich, nicht über die Lippen gegangen“, sagte Ziegler. Sie wusste so einige Anekdoten über die ein oder andere Lehrerin zu erzählen.

Gute Erinnerungen an die Schulzeit

Für den Chemie- und Physikunterricht mussten die Mädchen damals in die Österfeldschule. „Dort gab es Geräte, mit denen man es auch mal ein bisschen rumsen lassen konnte“, sagte Ziegler. Der Sportunterricht fand ebenfalls in der Turnhalle der Österfeldschule statt. Manchmal wurde auch nicht gesportelt. Stattdessen wurden Trümmer aufgeräumt und „Steine geklopft“. „Das kam damals sogar in der Filder-Zeitung“, sagte Ziegler.

Es seien schwere Zeiten gewesen. Dennoch habe sie gute Erinnerungen an ihre Schulzeit. „Wir waren alle brav. Wir waren eine fade Klasse, das wurde uns zumindest nachgesagt“, so Ziegler. Heute gefalle ihr die Schule nicht mehr. „Ich finde, mit den vielen Anbauten hat man sie ziemlich verunstaltet.“ Doch das wird sie nicht davon abhalten, zum Jubiläumsfest im Sommer zu kommen und dann mit ihren Bekannten über das Gestern und Heute zu reden.

Hintergrund

Die Historie:
Fanny Leicht, eine geborene Widmaier und die Frau des Brauereiunternehmers Robert Leicht, verfügte in ihrem Testament, dass die Stadt eine Schenkung bekommt. Mit dem Geld sollte eine Mädchenoberschule gegründet werden. Letztlich wurde daraus das Wohnhaus des Ehepaars Leicht. Nach einigen Umbauten wurde in der Villa am 24. Juli 1940 die Schule eröffnet.

Das Jubiläum
: Das Fanny-Leicht-Gymnasium feiert am Samstag, 25. Juli, sein Jubiläum. Am Vormittag steht eine Podiumsdiskussion auf dem Programm. Am Nachmittag steigt das Schulfest. Schüler, Lehrer, Eltern und Freunde bereiten dafür verschiedene Programmpunkte vor. So wird beispielsweise Birgit Anschütz’ Geschichtskurs eine Ausstellung mit den Ergebnissen seiner Archivrecherchen präsentieren.

Weitere Infos
zu dem bevorstehenden Jubiläum stehen im Internet unter www.fanny-leicht.de. Wer informiert werden oder sich beim Schulfest einbringen möchte, schreibt eine E-Mail an fanny75@fanny-leicht.de.

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