Fanny-Leicht-Gymnasium in Stuttgart-Vaihingen Wenn das Schließfach selbst denkt

Von Theresa Ritzer 

Big Data, künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge: Die Achtklässler am Fanny-Leicht-Gymnasium erfahren, was mit technischen Entwicklungen alles möglich ist; nicht nur in der Schule, sondern auch in anderen Lebensbereichen. Doch es gibt auch Gefahren.

Paul, Jonas, Julius und Matteo (v.l.) programmieren ein intelligentes Schließfach. Foto: Theresa Ritzer
Paul, Jonas, Julius und Matteo (v.l.) programmieren ein intelligentes Schließfach. Foto: Theresa Ritzer

Vaihingen - Vier Achtklässler beugen sich über den kleinen Bildschirm. Julius liest den nächsten Schritt aus der Anleitung vor. Paul verschiebt nach Jonas‘ Anweisungen mit dem Mauszeiger einen Baustein für das Programm und Matteo tippt danach den Befehl ein. Die Lampe neben dem Bildschirm leuchtet auf. „Hurra, es funktioniert!“, sagt Jonas und freut sich.

Die Achtklässler des Vaihinger Fanny-Leicht-Gymnasiums programmieren ein intelligentes Schließfach, das an eine Lichtschranke gekoppelt ist. Ziel der Übung ist es, dass sich das Schließfach öffnet, wenn dessen Besitzer durch die Lichtschranke geht. „Ich habe bisher noch nie programmiert“, sagt Jonas. Auch die drei anderen Jungen aus seiner Gruppe haben damit noch keine Erfahrungen gemacht. Umso größer ist ihre Freude, als alles so klappt, wie es soll.

Der Kühlschrank bestellt selbst Lebensmittel

Die Programmierübung ist Teil eines Workshops, der vom Think-Big-Team an der Schule angeboten wird. Die Themen der Workshops wechseln von Jahr zu Jahr. Dieses Mal stehen sie unter dem Motto „Big Data, künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge“; es geht um die Masse von Daten, die von jedem Menschen ständig produziert und somit beständig größer wird. „Im Jahr 2014 haben wir innerhalb von zehn Minuten so viele Daten produziert wie in der gesamten Zeitspanne von der Steinzeit bis ins Jahr 2002“, berichtet Andrej Plantikow, der mit seinem Team die Workshops leitet. Die Achtklässler haben viele Ideen, woran das liegen könnte. „Heute hat jeder ein Handy“, sagt die 14-jährige Lina, „von unseren Eltern hatte nicht einmal jeder einen Computer“. Außerdem habe sich die Technik in vielen anderen Bereichen weiterentwickelt: Kühlschränke können selbstständig Lebensmittel bestellen, über das Smartphone lassen sich Rollläden bedienen und Autos brauchen nicht mal mehr zwingend einen Fahrer.

Das Fanny-Leicht-Gymnasium ist eine von 36 Schulen in ganz Deutschland, in denen Think Big in diesem Jahr Station macht. Dieses Jugendprogramm wird angeboten von der Telefónica-Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Den Kontakt zwischen dem Think-Big-Team und dem Fanny hat der Lehrer Matthias Riesch hergestellt. Er ist am Gymnasium für Medienbildung zuständig. „In jedem Jahr soll es mindestens ein Medienangebot zusätzlich zu dem geben, was Teil des Unterrichtsplans ist“, sagt Riesch. Deshalb besuchen die vier achten Klassen, eine neunte und eine zehnte Klasse der Schule die Workshops. Es ist nicht das erste Mal, dass das Think-Big-Team solche Workshops am Fanny anbietet. „Aber es geht jedes Jahr um ein anderes Thema“, sagt Riesch.

Künstliche Intelligenz kann auch beängstigend sein

In diesem Jahr ist es eben künstliche Intelligenz. „Digitalisierung ist eines der Themen, die die Leute gerade stark beschäftigen“, sagt Plantikow, im positiven wie im negativen Sinne. Auch die Meinungen in der 8b gehen auseinander. Künstliche Intelligenz könne eine Chance sein, sagt eine Schülerin. „Aber es ist auch beängstigend“, sagt Julius, „denn künstliche Intelligenz kann ja nicht nur für, sondern auch gegen einen eingesetzt werden“. Für seinen Mitschüler Jonas stehen hingegen die Chancen im Vordergrund. „Zum Beispiel, was man in der Medizin erreichen kann“, sagt er, bei Operationen und dergleichen.




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