Fanta 4 in Leonberg Hip Hop-Geschichte mit Altkreis-Gschmäckle

Von Marion Graeber 

Die Fantastischen Vier präsentieren im Traumpalast die Dokumentation „Wer 4 sind“.

Locker, lässig und den Fans so nah: Die Fantas. Foto: factum/Simon Granville
Locker, lässig und den Fans so nah: Die Fantas. Foto: factum/Simon Granville

Leonberg - Sie haben den Hip Hop in Deutschland salonfähig gemacht: Die Fantastischen Vier, auch Fanta 4 genannt. Das sind Smudo (Michael Bernd Schmidt), Hausmeister Thomas D (Thomas Dürr), Michi Beck (Michael Beck) und Andreas Riecke. Am Sonntagnachmittag haben sie im Traumpalast in Leonberg mit ihren Fans, die in Scharen gekommen sind, die Premiere der Dokumentation „Wer 4 sind“ gefeiert.

Die vier werden freudig empfangen. Aber nicht so wie Idole, die von ihren Fans kreischend begrüßt werden. Mehr so wie alte Freunde, die sich freuen, dass sie sich wieder sehen. „Ich bin da, weil die Fantas mit mir durch mein Leben gegangen sind“, schwärmt Frauke aus Flacht. Sie ist mit ihrer Tochter Jeanne gekommen, um Film und Fantas hautnah zu erleben. „Die Fantas sind zeitlos. Das war schon immer meine Musik“, fährt sie lächelnd fort. Und auch Jeanne ist begeistert: „Die Fanta 4 haben in der deutschen Rap Szene einen Grundstein gelegt. Sie heben sich auch von anderen Hip Hop Musikern ab. Mir gefällt das sehr.“

Vater und Sohn sind Fanta-Fans

Michelle ist extra aus Bonn angereist: „Ich bin ganz glücklich, dass ich dank meiner Freundin hier sein kann. Die Fanta 4 liebe ich, seit ich sechs Jahre alt bin. Ich bin mit „Die da!?!“ groß geworden“. „VFB und Fanta 4, diese Kombination, das ist schon eine coole Sache. Vor 30 Jahren waren wir als Jugendliche in den Clubs“, betont Rolf. Er ist mit seinem Sohn Lars im Leonberger Traumpalast. „Das kommt auch von den Eltern“, sagt Lars lächelnd. „Die Fanta 4 CD’s liegen bei uns rum“, sagt der Vater lachend. Klar, dass auch die nachkommende Generation mit der Musik aufwächst. Ist ja auch Hip Hop, der irgendwie immer geht.

Mit dem Altkreis Leonberg verbindet die Fantas einiges. Nicht nur, dass zwei von ihnen von hier kommen. Sie haben hier auch Musik gemacht. Zwar noch nicht als Fantas, aber schon zusammen. „Wir sprechen hier nicht über die vergangenen 30, sondern 33 Jahre“, stellt Thomas D klar. Der Ditzinger hat in der ehemaligen Diskothek „Kaktus“ in Leonberg Musik gemacht. „Ich hab’ der Stadt einiges zu verdanken. Und dafür möchte ich mich bedanken“, fährt Thomas D fort. So begleiten ihn den ganzen Tag über schon „so romantische Gefühle“. Er erzählt von seiner ersten Liebe zu einem Mädchen, von seiner Schulzeit, der Ausbildung zum Friseur und natürlich von den ersten „Gehversuchen“ als Musiker.

Sie sind die Väter des deutschen Hip Hop

Und auch Smudo erinnert sich gerne an eine Disco in Leonberg. „In der GI Diskothek hab’ ich das erste Mal auf Deutsch gerappt“, sagt Smudo, der in Gerlingen seine Schulzeit erlebte. Die Verbundenheit zum Altkreis Leonberg und zur Region ist deutlich zu spüren. Nicht nur bei den Musikern. Auch die Besucher haben eine Verbindung zu der Band, mit der sie aufgewachsen sind.

Heute sind die Fanta 4 die Väter des deutschen Hip Hop. Was anfänglich mit Neugier, aber auch mit den einen oder anderen Vorbehalten beobachtet und verfolgt wurde, entpuppte sich schon kurze Zeit später zu einem echten schwäbischen Exportschlager. Dabei hatten die Jungs nie einen großen Plan. Doch was sie hervorbrachten war authentisch und echt.

Das Geheimnis einer Freundschaft

Seit 30 Jahren sind sie die Fantastischen Vier. Eine außergewöhnliche Freundschaft. Und sie haben auch nach 30 Jahren noch Spaß an dem was sie tun. Am miteinander, an der gemeinsamen Musik. Genau das ist es auch, was die Dokumentation „Wer 4 sind“ vermitteln möchte – die Freundschaft mit der Musik und die Freundschaft von vier Jungs, welche sie bis ins heute getragen hat.

Was ist das Geheimnis einer so langen Freundschaft? „Getrennte Schlafzimmer ist das Geheimnis“, scherzt Michi Beck. Und weiter: „Es ist ganz gut, dass wir Ende der 90er alle auseinandergezogen sind. Dass neben der Band jeder sein eigenes Leben, Projekte, Freundschaften, Familien gründen konnten. Es ist ja nicht normal, seit über 30 Jahren in der gleichen Besetzung zusammen zu sein. Das hat viel mit loslassen zu tun, aber auch mit Vertrauen. Das hatten wir zu jeder Zeit schon zueinander.“