Fasanenhof Endlich Schluss mit Kleist und Kafka

Fabian Ripsam mit seiner Entdeckung, „Erbarmen von Jussi Adler-Olsen. Foto: Schwieder
Fabian Ripsam mit seiner Entdeckung, „Erbarmen" von Jussi Adler-Olsen. Foto: Schwieder

Jugendrat Fabian Ripsam genießt es, nach dem Abitur mehr Muße für Kriminalromane zu haben.

Filder-Zeitung: Sabine Schwieder (ssc)

Fasanenhof - Die Deutschprüfung war „unerwartet knifflig“, aber jetzt kann Fabian Ripsam, Mitglied des Möhringer Jugendrates, durchatmen – und endlich wieder zum eigenen Vergnügen lesen: Das Abitur ist bestanden, der Urlaub steht an. Bis zu den Prüfungen musste sich der ­19-Jährige, der mit seiner Familie am Europaplatz auf dem Fasanenhof wohnt und an der Waldschule Degerloch unterrichtet wurde, allerdings mit Lesestoff befassen, der es in sich hatte: Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“, Friedrich Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ und Franz Kafkas „Der Prozess“.

Die Alternativen bei der Abiturprüfung – Liebeslyrik und nicht-fiktionale Texte zum Thema Rituale – erschienen dem Abiturienten als zu schwierig, und so entschied er sich für Kafka. „Mit Dürrenmatt wäre ich besser zurecht gekommen“, meint er rückblickend.

Dessen „Besuch der alten Dame“ empfindet er immer noch als eine Lektüre, die er jedem Schüler empfehlen könne. „Das kann man gut in unsere Zeit übertragen, und ein bisschen witzig ist es auch“, sagt Ripsam. Ein anderer Tipp: Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute“ hat er während seiner Schulzeit früh und gerne gelesen.

„Es hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen“

Privat liest der 19-Jährige, der sich für Politikwissenschaften interessiert, eher Sachbücher. „Es gibt zwei Ziele beim Lesen“, erklärt er, „zum einen Unterhaltung, zum anderen das Lernen.“ Zuletzt beschäftigte er sich mit Thilo Sarrazins viel diskutiertem Buch „Deutschland schafft sich ab“. „Man muss es gelesen haben, um sich ein Urteil zu bilden“, findet Fabian Ripsam. Dabei ging es ihm weniger um den ausländerfeindlichen Anteil, der dem Autor vorgeworfen wird, als um den wirtschaftlichen Aspekt der Thesen Sarrazins. „Es hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen“, ist sein Fazit.

Als Lieblingsbuch aber hat er den Kriminalroman „Erbarmen“ von Jussi Adler-Olsen ausgewählt. Der dänische Autor, der Medizin, Soziologie, Politische Geschichte und Filmwissenschaft studiert hat, erzielte mit eben diesem Krimi 2007 seinen Durchbruch in Dänemark und landete in Deutschland schnell auf der Spiegel-Bestsellerliste. Der Originaltitel „Die Frau im Käfig“ weist auf die Geschichte um die Entführung einer Politikerin hin.

„Es ist sehr spannend, ich hätte es am liebsten in einem verschlungen“, erzählt Fabian Ripsam. Faszinierend findet er die beiden Handlungsstränge: die Frau wird von einer Ostsee-Fähre entführt und in einem abgeschlossenen Raum gefangen gehalten, in dem regelmäßig an ihrem Geburtstag der Luftdruck um ein Bar erhöht wird; fünf Jahre später nimmt Carl Mørk vom Sonderdezernat Q die Ermittlungen auf. „Die Politik spielt nur am Anfang eine Rolle“, mehr verrät Fabian Ripsam nicht, „und es ist wie bei vielen skandinavischen Krimis sehr brutal. Das verträgt nicht jeder.“

Aber ihn selbst hat es offensichtlich gepackt, und obwohl er bislang kein Krimileser war, hat er sich einige der Folgebände schon ins Regal gestellt. Jetzt freut er sich auf den Urlaub an einem österreichischen See und die Zeit, die er mit Jussi Adler-Olsens Sonderermittler verbringen will.

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