Fasching im Rems-Murr-Kreis Narren stürmen Rathaus: So feiern Fellbach und Waiblingen

Die Fellbacher Narrenschar zelebriert den Rathaussturm erstmals nur im Rathausinnenhof. Foto: Eva Schäfer

Beim Rathaussturm in Waiblingen können die Narren bei schlechtem Wetter in den Schlosskeller ausweichen. Die Fellbacher Narren müssen erstmals draußenbleiben.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

In der heißen Phase der Fastnacht werden Rathäuser gestürmt und Schüler befreit. So auch in Waiblingen und Fellbach – die Rathauschefinnen und -chefs müssen den Schlüssel herausrücken und bis zum Aschermittwoch abdanken. Die Schlüsselübergabe, umrahmt mit Gardetänzen, wurde bisher im Fellbacher Ratssaal zelebriert – nun müssen Weingeister, Weida Wölf, Höhlen-Bären und die Stadtkapelle draußenbleiben, auf dem Platz vor dem Rathaus. Blickt man in die Nachbarschaft zur Stadt Waiblingen, so werden dort auch Schlüssel und Co. vor dem Rathaus übergeben. Bei miesem Wetter wird jedoch ausgewichen.

 
Musik von der Fellbacher Stadtkapelle im Häs als „Stadtgugga“. Foto: Gottfried Stoppel

Kurzfristig wird entschieden, ob in den Schlosskeller ausgewichen wird

„Spätestens am Dienstag vor dem Schmotzigen Donnerstag sprechen wir uns gemeinsam mit der Stadtverwaltung ab“, sagt Jörg Knöllinger, der Präsident der Waiblinger Karneval-Gesellschaft „Die Salathengste“. Dann gelte es zu entscheiden, je nach aktueller Wetterprognose, ob die närrische Machtübernahme auf dem Rathausvorplatz steigt oder in den Schlosskeller verlegt wird. Dieses Prozedere habe sich bewährt.

Knöllinger erinnert sich auch an eine Verlegung des Rathaussturms zu Zeiten von OB Andreas Hesky. „Wenn ihr das nicht verlegt hättet, dann hätte ich das getan“, habe der OB einmal im Nachgang erzählt und die Entscheidung gelobt. Denn das Wetter müsse natürlich stimmen. „Safety first“, sagt Knöllinger, laute die Devise. Bei Sturm oder Unwetter gelte dies besonders. Früher, so Knöllinger, sei der Rathaussturm noch ausschließlich im Schlosskeller zelebriert worden. „Doch es heißt ja nicht Kellersturm, sondern Rathaussturm“, sagt er. Vor einiger Zeit habe man angeregt, das Ganze auf den Rathausvorplatz zu verlegen – auch um mehr Publikum zu erreichen.

Der Waiblinger Rathaussturm steigt abends, der Fellbacher mittags

Der Start am frühen Abend soll einer breiten Zuschauerschar das Mitfeiern ermöglichen. So stürmen am Schmotzigen Donnerstag, 12. Februar, ab 17.30 Uhr die Narren der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft (1. WFG) und der Waiblinger Karneval Gesellschaft „Die Salathengste“ (WKG) wieder das Rathaus und entheben die Obrigkeit ihres Amtes. Der Oberbürgermeister muss sich beim anschließenden Narrengericht auf dem Rathausvorplatz für seine Taten verantworten. Und die Zuschauer dürfen verfolgen, wie sich Oberbürgermeister Sebastian Wolf zu den Anklagepunkten der Waiblinger Narren verteidigt. Damit die Zuschauer dabei nicht darben müssen, werden sie mit Speis und Trank versorgt.

Wie Jörg Knöllinger sagt, sind die Termine der Rathausstürme je nach Fasnetsverein verschieden. Manche blasen bereits am 11.11. zum Angriff auf die Verwaltungshochburg. Die Fellbacher Fasnetsfans des FCC sind ebenso am Schmotzigen Donnerstag, 12. Februar, am Start – jedoch bereits ab 12 Uhr. Auch die Konfettikanone soll dann wieder gezündet werden.

 

Der abgespeckte Rathaussturm ist Teil der Sparmaßnahmen

Wie Sabine Laartz, Pressesprecherin der Stadt Fellbach, sagt, sei der Rathaussturm eine liebgewonnene Tradition. „Die Verteidigung der Verwaltung gegenüber den Narren ist für viele Bürger und Mitarbeitende ein Highlight.“ Diese Verteidigung, die immer im Rathausinnenhof stattgefunden hat, wolle man nicht missen. Für die OB sei ein „normaler Rathaussturm“ durch ihre persönliche Situation nicht einfach. Der Fellbacher Carneval Club (FCC) sei auf diese Situation sowie die haushalterische Lage der Stadt eingegangen und habe den Vorschlag gemacht, den Rathaussturm auf den Rathausinnenhof zu beschränken, so Laartz.

Die derzeitige Haushaltssituation verlange nicht nur ein Durchforsten aller Ausgaben- und Einnahmeposten, sondern auch die Fokussierung auf die Pflichtaufgaben der Verwaltung. „In vielen Bereichen werden Leistungen hinterfragt, gestrichen oder gekürzt und parallel Gebühren erhöht, um einen genehmigungsfähigen Haushalt aufstellen zu können. Dies ist notwendig und trifft leider auch Bereiche, bei denen keine Zehntausende von Euros eingespart werden können. Aber auch ein deutlich vierstelliger Betrag trägt zur Haushaltskonsolidierung bei“, so Laartz.

„Für die Nutzung des Saales, die Bewirtung und die nachfolgende Reinigung veranschlagen wir eine deutliche vierstellige Summe“, so Laartz. Im Gespräch mit dem FCC habe man verschiedene Szenarien diskutiert und sich auf Vorschlag des Vereins auf die neue Variante verständigt. „Sollte das Wetter zu schlecht sein, wird die Stadt den Großen Saal selbstverständlich zur Verfügung stellen – wenn auch ohne Bewirtung“, so Laartz.

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