Der Faschingsumzug in Waiblingen muss gut organisiert sein, weiß Jörg Knöllinger, Präsident der Waiblinger Karneval Gesellschaft „Die Salathengste“. Foto: Gottfried Stoppel
Jörg Knöllinger, Präsident der Waiblinger Karneval-Gesellschaft „Die Salathengste“, spricht darüber, wie sehr sich die Auflagen für Umzüge erhöht haben und was das für Vereine bedeutet.
Der närrische Umzug durch die Waiblinger Altstadtgassen gehört zu den größten in der Region Stuttgart. Tausende Besucher feiern die Straßenfastnacht und lassen sich von den Hästrägern mit ihren fantasievollen Masken und Gewändern begeistern. Dass für Fasnetsumzüge immer höhere Auflagen gefordert werden, das belastet ausrichtende Vereine. Jörg Knöllinger, Präsident der Waiblinger Karneval-Gesellschaft „Die Salathengste“, erklärt, was hinter einem solchen Event an Aufwand steckt.
Herr Knöllinger, Betonpoller, Absperrgitter und Polizeikontrollen – nach den Anschlägen in Magdeburg und München wurden die Auflagen für die Zufahrtssicherheit bei vielen öffentlichen Veranstaltungen erhöht. Was bedeutet das für den großen Fasnetsumzug in Waiblingen?
Wenn ich die Entwicklung der vergangenen Jahre Revue passieren lasse, dann sind die Sicherheitsauflagen viel extremer geworden. Und das bedeutet dann auch höhere Kosten. In einigen Städten sind Faschingsveranstaltungen abgesagt worden, weil die Vereine die Auflagen und die damit verbundenen Kosten nicht mehr stemmen können. So kann beispielsweise der Narrensprung in Gemmingen im Landkreis Heilbronn nicht stattfinden.
Der bunte Fasnetszug wird aufwendig organisiert. Foto: Gottfried Stoppel
Wie können die steigenden Auflagen bei den Waiblinger Narrentagen gestemmt werden?
Wir sind sehr dankbar, dass uns die Stadt Waiblingen und örtliche Betriebe stark unterstützen. Es sind ja Tausende beim Fastnachtsumzug in der Stadt. Schon alleine bei der Aufstellung der teilnehmenden Fasnetsvereine ist das ein langer Lindwurm. In der Weingärtner Vorstadt beim Start stehen die Teilnehmer in einer Dreier- und Viererreihung. Dann geht es über die Fronackerstraße und Bahnhofstraße schließlich zum Marktplatz. Das ist eine lange Strecke. Das heißt, Straßen müssen gesperrt werden – die Bahnhofstraße ist zur Hälfte zu. Die Bahnhofstraße ist eine der Hauptverkehrsachsen in Waiblingen. Auch viele Busse müssen umgeleitet werden.
Aufgrund der Länge der Strecke haben Sie auch mehrere Sprecher, die die teilnehmenden Vereine kommentieren?
Ja, an drei Stellen unterhalten sie die Zuschauer und erzählen etwas zu den Fasnetsvereinen. Natürlich ist da keine Zeit, die Vereinsgeschichte zu erzählen, wenn so ein Zug vorbeiflaniert. Aber es gibt immer Interessantes zu erfahren. Die Sprecher sind beim ehemaligen Café Brandstetter an der Kreuzung Heinrich-Küderli-/Bahnhofstraße postiert, einer nahe der Bäckerei Schöllkopf in der Langen Straße und bei der Central Apotheke am Alten Postplatz. In der Altstadt geht es recht eng zu, und es wird dort auch im Schatten relativ schnell kühl, daher sind dort erfahrungsgemäß etwas weniger Zuschauer.
Jörg Knöllinger, Präsident der Waiblinger Karneval Gesellschaft „Die Salathengste“ Foto: Eva Schäfer
Was muss denn noch für so ein Event gestemmt werden?
Es sind verschiedene Posten, die da zusammenkommen, und worüber man sich als Besucher natürlich normalerweise keine großen Gedanken macht. Bezahlt werden müssen unter anderem der Sanitätsdienst, der Sicherheitsdienst sowie die Guggenmusiken und die Gema geschützte Musik, die von den Guggenmusikern und dem DJ gespielt werden. Außerdem muss man für die Tonanlagen bezahlen. Die Vorschriften werden immer aufwendiger. Wir arbeiten dabei hauptsächlich mit ortsansässigen Firmen zusammen, die einen fairen Preis bieten und die auch wollen, dass die Waiblinger Fastnacht weiterlebt.
Was hat sich in Bezug auf die Sicherheitsauflagen verschärft?
Schon im Vorfeld haben wir – also Vertreter der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft und der Waiblinger Karneval Gesellschaft als Organisatoren des Umzugs – Gespräche mit der Polizei und dem Ordnungsamt geführt. Alle etwa 100 Meter steht dann Personal eines Sicherheitsdienstes an den Zufahrtsstraßen, man braucht unter anderem große Fahrzeuge zur Absperrung. Im ländlichen Bereich sind einige Firmen wohl noch gewillter, bei der Absperrung mitzumachen. So ist beim Rudersberger Adventswald eine große Erdbaufirma mit Laster im Einsatz, um abzusperren. Und einiges hängt vom Wetter ab. Falls es schneien sollte, muss man außerdem den Winterdienst berücksichtigen. Es ist ein ganzes Sicherheitskonzept, das vorgelegt werden muss. Da muss man auch Fragen klären, wie etwa: Was passiert bei Unwetter oder Sturm? Das Konzept wird von Firmen im Auftrag erarbeitet und dies kostet ebenso. Das ist Geld, das die Vereine für das ganze Drumherum aufbringen müssen. Daher werbe ich um Verständnis, dass wir einen Narrenbonus von drei Euro verlangen. Immer wieder hören wir Sätze wie „Ich gehe nur einkaufen“ oder „Ich wohne hier“ – um nichts bezahlen zu müssen. Doch der Beitrag ist überschaubar und günstiger im Vergleich zu anderen Veranstaltungen. Beim Landesnarrentreffen in Echterdingen beispielsweise lag der Narrenbonus höher.
Wie blicken Sie auf die Zukunft der Narrentage?
Der Umzug in Waiblingen ist die zweitgrößte Veranstaltung mit Tausenden von Besuchern nach dem Altstadtfest. Dann kommen Gäste aus dem ganzen Land und feiern die Straßenfastnacht. Fastnacht ist ein Teil des Brauchtums und bedeutet für viele Lebensfreude und Gemeinschaft. Aber wenn wir drauflegen müssen, dann müssen wir uns Gedanken machen, ob wir weitermachen und noch mal einen Umzug machen.
Waiblinger Karneval Gesellschaft
Zur Person Jörg Knöllinger ist seit 2017 Präsident der Waiblinger Karneval Gesellschaft „Die Salathengste“, von 2013 bis 2016 war er bereits Vizepräsident des Vereins.
Organisation Die „Waiblinger Narrentage“ sind als GbR der 1.WFG und der WKG mit dem Ziel gegründet worden, den Waiblinger Rathaus-Sturm und den Waiblinger Fastnachtsumzug zu organisieren und auszurichten. Der große Faschingsumzug in Waiblingen findet am Samstag, 14. Februar, statt. Er beginnt um 14.30 Uhr. Beide Vereine sind Mitglied im Landesverband Württembergischer Karnevalvereine. Infos unter www.lwkstuttgart.de.