Faschingskostüme Hippie, Polizistin oder böser Wolf

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Manche planen seit Wochen ihr Outfit für die närrische Zeit – andere lassen sich erst im Geschäft für ihren Rollentausch inspirieren. Ganz egal, ob Polizistin oder Indianerin. Es gibt für jeden das passende Kostüm.

Jennifer Raith als Pilotin Foto:  
Jennifer Raith als Pilotin Foto:  

Stuttgart - Das Inkognito für die tollen Tage ist käuflich: 2000 Kostüme bis Größe 64 warten beim Gute-Laune-Anbieter Deiters auf die Narren. Wer seine neue Rolle im Fasching jedoch nicht in Kunstfaser und Plastik verkörpern will, kann sich im Kostümverleih Wagner mit Verkleidungen aus hochwertigen Materialien eindecken. „Wir haben alles von der Steinzeit bis zu Star Wars“, zählt der Inhaber Thomas Kerber auf. Sein Fundus für Umzüge, Mottopartys, Bälle und Fasching existiert in der vierten Generation. Allein 2000 Paar Lederschuhe und Stiefel sind auf Lager – auch die für die besonders beliebte Verkleidung als Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“.

Kerber setzt auf Beratung: „Elegant soll es aussehen“, betont er – bloß keine Peinlichkeiten bei großen Größen. Manche seiner Kunden holen sich bei ihm die Komplettausstattung, um damit zum Karneval nach Venedig zu reisen. „Wir fahren nach Köln“, verraten zwei gut gelaunte Kundinnen im Kostümkaufhaus Deiters. „Dieses Jahr als Rotkäppchen und Großmutter. Der böse Wolf kommt auch mit und vielleicht finden wir noch den Jäger“, rufen sie fröhlich. Mit einem roten Umhang und einer Oma-Perücke gehen sie zur Kasse. Die restlichen Zutaten wollen sie in ihren Kleiderschränken finden.

Neun identische Kostüme

Für Jutta Veyhle und ihre acht Freundinnen aus Bietigheim beginnt die Narretei schon im November. Da besprechen die Damen mittleren Alters ihr aktuelles Motto, denn sie nähen ihre Kostüme grundsätzlich selbst – und zwar neunmal identisch. Ihren Aufsehen erregenden Einzug in die Halle hielten sie unter anderem schon als Lebkuchenherzen und als wuschelhaarige Mexikaner. Geschneidert und geklebt wird immer gemeinsam – da herrscht Gaudi schon lange vor dem schmutzigen Donnerstag.

Moritz Stoll dagegen ist ein paar Tage vor dem Beginn der fünften Jahreszeit unentschlossen und schlendert durch das Kostümkaufhaus. Schließlich schlüpft der Student der Biochemie in einen Chirurgendress. „Ich brauche etwas Luftiges“, kommentiert er seine Wahl. „Ich gehe zum Hallenfasching.“ Das haben auch Laura Blankenhorn und Manuela Hege vor. Die Freundinnen schwanken zwischen Indianerin und Polizistin im Faltenröckchen oder Feengewändern aus Tüll. Ein anderer Kunde sucht nach einem Hippie-Jackett in Popfarben. „Die Lockenperücke habe ich schon“, sagt er. Damit liegt er voll im Trend. 70er Jahre Schlaghosen und großblumige Hemden, überdimensionale rosa Brillen und lange Haare sind in dieser Saison angesagt, weiß Sabine Reichrath, die Geschäftsführerin von Deiters. Sie selbst steht als plüschiges Eichhörnchen an der Kasse im Erdgeschoss. „Neben der Tür ist es kalt“, sagt sie lachend. Plüschkostüme von Frosch bis Bär, von Huhn bis Saurier werden gerne für Kinder nachgefragt, damit sie beim Umzug nicht frieren.

Eine Handschuhmaske aus Silikon

Für die Freunde der derb-urwüchsigen, alemannischen Fasnet und der ausgelassenen Stimmung beim Kölner Karnevals ist das eher geordnete Treiben auf Stuttgarts Straßen wenig attraktiv. Helmut Höschele, aus dessen Werkstatt unter anderem die Maske der Neuhauser Hexen stammt, sieht das anders. „Die traditionellen Stuttgarter Klubs wollen sich gegen Fasnet und Karneval abgrenzen“. Und vereinzelt nehmen es auch hier Menschen mit dem Rollenwechsel sehr ernst. Bei Maskenbildner und Maskenbauer Dieter Brenner ließ sich ein Kunde eine sogenannte Handschuhmaske aus Silikon anfertigen. Die wird wie eine Mütze über den Kopf gezogen. „Er will ein ganz anderes Gesicht haben“, erklärt Brenner. Haare und Bart hat er einzeln in die Maske eingestochen. Wenn er selbst zum Fasching geht, entscheidet er spontan über sein Outfit. „Ich schaue in den Spiegel und male mich an“ – und seine Begleitung gleich mit.

Für das Vergnügen einmal im Jahr gibt es Kostüme schon um die 20 Euro. Im Kostümverleih bezahlt der Kunde 50 bis 120 Euro, je nach Dauer der Ausleihe. Richtig teuer wird es allerdings für die Profis in den Karnevalsklubs. Der Dress für ein Gardemädchen kostet gut 500 Euro, rechnet Heidi Netti vom Verein Möbelwagen vor. „Wir haben zwei Schneider unter unseren Mitgliedern. Die nähen uns die Kostüme. Sonst wären sie noch teurer“, sagt sie. Die Kinderuniformen werden an die Jüngeren weitergegeben – nicht aber jene für die Mariechen. Die tanzen in Unikaten. Und das lassen sich die Eltern jedes Jahr aufs neue mehrere hundert Euro kosten.

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