Faschingsumzug in Ehningen Bahnsperrung macht den Narren Sorgen

Die Edàfetzer sind bei den Ehninger Narren für die Guggenmusik zuständig. Foto: /Dimi Drofitsch

Am Sonntag findet in Ehningen einer der erste Fasnetsumzüge der Saison im Kreis Böblingen statt. Bei aller Vorfreude liegen den Veranstaltern in diesem Jahr allerdings auch einige Steine im Magen.

Der 1. Ehninger Karnevalverein läutet als einer der ersten im Kreis die Umzugssaison ein. Schon am Sonntag, 28. Januar, mischen die Narren hier den Ort auf und verwandeln Ehningen in einen Hort der Schlachtrufe und des Konfettiregens.

 

Allerdings ist das bunte Treiben in diesem Jahr mit einigen Hindernissen verbunden. Da die Baustelle am Würmtalviadukt wider Erwarten noch nicht fertig gestellt wurde und auch in Stuttgart-Vaihingen derzeit gebaut wird, findet der Bahnverkehr zwischen Ehningen und Stuttgart derzeit nur eingeschränkt statt. Im normalen Alltag gibt es dafür den Schienenersatzverkehr. „Aber wir erwarten zwischen 12 000 und 13 000 Zuschauer, von denen bestimmt über die Hälfte mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen“, sagt der Vorsitzende des Ehninger Karnevalsvereins, Joachim Bühler. „Das können Busse niemals alles auffangen.“

3400 Hästräger werden erwartet

Den Umzug deshalb zu verschieben sei aber nicht möglich gewesen, da das Event jedes Jahr zu einem festen Termin stattfinde. „Wir sind gerade noch mit den Bahnen in Verhandlung, ob man vielleicht eine Sonderregelung finden kann“, sagt Bühler. Ansonsten müssten die auswärtigen Zuschauer wohl mit Autos anreisen.

Allerdings sind auch die Gastvereine, die beim Umzug mitlaufen, von diesem Problem betroffen. Insgesamt 79 Gruppen haben sich bisher angemeldet, die zusammengerechnet rund 3400 Hästräger stellen. „Früher waren es auch mal 120 Gruppen, aber wir haben es dieses Jahr auf 80 begrenzt“, erklärt Bühler. „Das wird sonst einfach zu viel.“ Dass sich der Ehninger Familienumzug zu einem so großen Ereignis entwickeln würde, hätte bei der Gründung 2005 noch niemand vermutet. „Wir sind da natürlich sehr stolz drauf“, meint der Vereinsvorsitzende.

Alkoholkonsum unter Jugendlichen

Tamara und Joachim Bühler moderieren. Foto: Archiv/Gaetano Di Rosa

Aber mit dem Erfolg kommt auch die Verantwortung für eher unangenehme Themen. Angst vor Terroranschlägen hat man in Ehningen zwar nicht und auch die Corona-Pandemie sorgt längst nicht mehr für Einschränkungen im bunten Treiben. Was dagegen immer mehr zunehme, seien Jugendliche, die den Fasnetsumzug als Freifahrtschein zum Besäufnis ansehen, sagt Bühler. „Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen hat leider extrem zugenommen. Ich habe nichts dagegen, wenn man mal was trinkt, aber dass junge Leute mit 1,6 Promille beim Umzug auftauchen, hat mit Tradition nichts mehr zu tun.“

https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.ehningen-schlaegereien-bei-faschingsumzug.e1ae5320-7689-4a3d-b0a3-e7b521fa8f9c.html

Besonders traurig findet er, dass die trinkwütigen Jugendlichen keine Rücksicht auf kleine Kinder nehmen würden, die das Ganze ja mitansehen müssten. „Eigentlich soll der Umzug eine Familienveranstaltung sein“, erklärt Bühler. „Wir legen den Termin bewusst auf einen Sonntag, damit die Familien dort zusammen hingehen können.“ Richtig eskaliert ist die Situation glücklicherweise aber noch nie.

Joachim und Tamara Bühler moderieren

Damit das auch so bleibt, wird der Verein keinen Alkohol ausschenken. Und auch die Polizei wird während des Umzugs vor Ort sein, um illegal erworbenen Alkohol zu konfiszieren.

Moderiert wird der Umzug von Joachim Bühler und seiner Tochter Tamara. „Wir sind sehr zufrieden mit der Planung, auch wenn es jedes Jahr ein Riesenaufwand ist“, sagt der Zunftmeister. Besonders stolz sei er auf seine Truppe, die jedes Jahr kräftig mit anpackt. Ein Glück, denn am Montag muss die Turnhalle um halb acht wieder blitzeblank für den Schulsport sein. „Aber das kriegen wir hin – ich sage immer: Viele Hände, schnelles Ende“, schmunzelt Joachim Bühler.

Der 1. Ehninger Karnevalverein freut sich darauf, zum 17. Mal die Gemeinde unsicher zu machen. Los geht es am 28. Januar um 11 Uhr mit dem Zunftmeisterempfang in der Turn- und Festhalle. Auch die Speisen- und Getränkestände haben ab 11 Uhr geöffnet. Der Umzug startet um 13:30 Uhr in der Siegfriedstraße und verläuft durch die Hölderlinstraße und Maurener Straße über die Königstraße und Hildrizhausener Straße bis zur Turn- und Festhalle. Dort soll der Tag in einem Barzelt seinen Ausklang finden.

Die kommenden Fasnetstermine im Überblick

Samstag, 27. Januar
 Die 1. Narrenzunft Steinenbronn lädt ein zum Umzug um 16.33 Uhr.

Sonntag, 28. Januar
 Der 1. Ehninger Karnevalverein startet mit seinem Umzug um 13.30 Uhr.

Samstag, 3. Februar
Umzug der Aidbachhexen in Aidlingen mit Hexennacht.

Donnerstag, 8. Februar
Die Narren übernehmen beim Rathaussturm in verschiedenen Städten und Gemeinden das Zepter.

Freitag, 9. Februar
Die 1. Narrenzunft Gärtringen plant wieder einen Umzug, nachdem er mehrere Jahre ausgefallen ist. Los geht’s um 16.16 Uhr, danach folgt die After-Umzug-Party.

Samstag, 10. Februar
Die Narrenzunft aus Deckenpfronn startet ihren Umzug um 14 Uhr. Ab 20 Uhr steigt in der Gemeindehalle wieder die „Mega-Fasnet-Party“.

Sonntag, 11. Februar
Um 14 Uhr beginnt in Weil der Stadt der traditionelle Umzug der Narrenzunft AHA.

Rosenmontag, 12. Februar
Grün-Weiss Böblingen lädt um 13.13 Uhr zum Rosenmontagsumzug.

Dienstag, 13. Februar
Den Schlusspunkt setzt die 1. Narrenzunft Herrenberg. Eingeleitet mit dem Pferdemarkt von 8 bis 12 Uhr, beginnt ab 14 Uhr der Umzug durch die Altstadt.

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