45 verschiedene Faschingsgruppen, minus drei Grad und laut Veranstalter 150.000 Zuschauer sind die Zahlen des Stuttgarter Faschingsumzugs. Kostümer waren Mangelware, die närrische Stimmung überschaubar.

Stuttgart - Minus drei Grad, 45 verschiedene Gruppen und laut Veranstalter 150 000 Zuschauer: Das sind die Zahlen des Stuttgarter Faschingsumzug, den die Karnevalsgesellschaft Möbelwagen 1897 in ganz bescheidener Form eingeführt hatte. Rund 1700 Hästräger, Hexen und andere Vertreter der närrischen Zunft versuchten mit tieffliegenden Bonbons, zweckentfremdeten Kehrwochenbesen und anderem tollen Gerät, bei den Zuschauern für Faschingsgefühle zu sorgen.

Moderator des Umzugs war Frank Pfauth von der Gesellschaft Möbelwagen. Vom Balkon des Rathauses kommentierte Pfauth fachkundig alle Teilnehmer des Umzugs und hatte sichtlich Spaß an der Sache. Verständlich, ist Pfauth doch im Nebenberuf Stadionsprecher bei den Stuttgarter Kickers und hat in dieser Funktion nicht allzu häufig etwas zu lachen.

Modell Panzerknacker im Faschingstrend

Das Trendkostüm der Faschingssaison 2013 in Stuttgart war das Modell Panzerknacker. Rund um den Umzug wurden zahlreiche Sträflinge in lustiger gestreifter Verkleidung gesichtet. Insgesamt standen Kostüme aber nicht sehr hoch im Kurs. Die meisten Zuschauer betrachteten das närrische Treiben in Zivil.

Umso spektakulärer war das Männerballett der Schwarzen Husaren aus Vaihingen. Die sechs Teilnehmer sorgten mittels filigraner Tanzeinlagen und erotischer Spitzenunterwäsche für Lacher bei den Zuschauern. Auch bei dieser Darbietung traute Tao kaum seinen Augen. Der Maschinenbaustudent aus China hatte zwar schon mal von Fasching gehört, aber dass das so geht, hätte er nicht gedacht. „Ich habe einen Batman gesehen“, sagt Tao, der sich schon darauf freut, seinen Verwandten die Fotos vom Fasching in Deutschland zu zeigen.

Veranstaltung stößt auf verhaltene Begeisterung

Vorbildlich verhalten sich Ralf Elsässer und Ute Blanz. Die beiden Faschingsfans fallen auf – nicht unbedingt wegen ihrer Kostüme (Sonnenbrille und Glitzerhut), sondern weil sie Stimmung machen. Sie tanzen zur Guggenmusik und feuern die Hästräger und Prinzenpaare an. Und das obwohl sie die Veranstaltung eher schwach finden: „Einige sehen so aus, als hätten sie die falsche Ausfahrt genommen. Wollten die wirklich zum Fasching? Obwohl wir Stuttgarter sind, waren wir noch nie hier. Nächstes Jahr fahren wir nach Köln.“

Apropos Köln: Lautester Umzugswagen war der Truck der „Rheingeschmeckte“. Hinter der Vereinigung verbergen sich die Rheinländer in der schwäbischen Diaspora in Stuttgart und Region, die mittels Lautstärke die Blas- und Guggenmusiker aus Schwaben um Längen übertrafen. Beim Thema Fasching hört bei Rheinländern eben der Spaß auf.

Apropos Spaß: Oberbürgermeister Fritz Kuhn hatte Amtspremiere als Teilnehmer auf einem Umzugswagen. Nach dem Lindwurm sorgten fünf Reinigungsfahrzeugen der städtische Abfallbetrieb schließlich dafür, dass wenige Minuten nach dem Umzug Kamellen und Konfetti bereits wieder verschwunden waren.