Fasnacht im Kreis Göppingen Wie sicher sind die Fasnet-Umzüge?​

Bei Fasnetumzügen im Landkreis Göppingen, wie hier in Donzdorf im Vorjahr, werden jedes Jahr mehrere Zehntausend Besucher erwartet, die sich besonders in diesem Jahr Gedanken zum Thema Sicherheit machen. Foto: Giacinto Carlucci

Rechberghausen, Donzdorf und Wäschenbeuren wollen mit neuen Konzepten die Sicherheit bei den Faschingsveranstaltungen erhöhen. Was geplant ist und was die Pläne für die Vereine bedeuten.​

Die Vorfälle machen mich nachdenklich“, sagt Michael Schilling, Vorstand der Narrenzunft Furchenrutscher Rechberghausen. Er spricht von den Anschlägen in München und Magdeburg, bei denen die mutmaßlichen Täter mit dem Auto in Menschenmengen rasten, mit tödlichen Folgen. Auch Städte und Gemeinden in der Region verschärften in Hinsicht auf eine mögliche Gefahr von Anschlägen ihre Sicherheitskonzepte für Fasnetsumzüge. Was ist im Landkreis Göppingen geplant und inwiefern betreffen die Regeln die Vereine?

 

Betonpoller und Zufahrts-Blockaden sollen für Sicherheit sorgen

Rechberghausen bereitete sich bereits nach dem Anschlag in Magdeburg gemeinsam mit der Polizei auf einen sicheren Umzug vor. Laut einer Sprecherin der Gemeinde sind Zufahrts-Blockaden mit Betonpollern geplant. Außerdem kommen mobile Sperren durch Feuerwehr- und Bauhof-Fahrzeuge zum Einsatz, die im Notfall den Weg freiräumen. Laut Furchenrutscher-Vorstand Michael Schilling sind die Maßnahmen umsetzbar – dank der Gemeinde, die die Mehrkosten übernimmt. Sie wisse, dass die Narrenzunft allein den Aufwand nicht stemmen könne. Schilling fürchtet, dass nicht alle Kommunen ihre Vereine so unterstützen. Wenn sich die Regelungen weiter verschärfen, „bedeutet es irgendwann das Ende aller Vereine“.​

Ähnlich sieht es Alexander Müller, Präsident des Donzdorfer Kulturrings, der den 66. Fasnetumzug in Donzdorf organisiert. Die Ausgaben für die Veranstaltung sind Müller zufolge generell so hoch, dass sie nur mithilfe der Stadt und Sponsoren getragen werden können – der aktuelle Mehraufwand für die Sicherheit sei da „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Es gebe ein Sicherheitskonzept, das schon seit mehr als zehn Jahren Straßensperren integriere. In diesem Jahr schützten zusätzlich Poller und Überfahrrampen die Zufahrten. Gleichzeitig achte der Verein auf Rettungswege. Müller sagt: „Jeder kann sich sicher sein, dass die Einsatzkräfte in wenigen Minuten vor Ort sind.“

„Eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben“, betont der Bürgermeister der Gemeinde Wäschenbeuren, Steven Hagenlocher. Man habe aber mit dem Polizeipräsidium Ulm ein Sicherheitskonzept erarbeitet. Man habe im Vergleich zur Fasnet im Vorjahr die Maßnahmen deutlich verschärft, hauptsächlich wegen des Anschlags in Magdeburg. So werden Straßeneinmündungen zur Umzugsstrecke mit mobilen Absperrungen sowie Fahrzeugen des örtlichen Bauhofs, der Feuerwehr und des DRK gesichert. Letztere seien ständig besetzt, sodass sie im Falle eines medizinischen Notfalls schnell wegzubewegen sind. Der Zugang zum Festgelände wird mittels Bauzäunen so gelenkt, dass es nur an den offiziellen Zugängen betreten werden kann. Zusätzlich werden mit Containern und einer mobilen Schutzvorrichtung der Stadt Göppingen die großen Zufahrtsstraßen zum Festgelände abgesichert.​

„Natürlich kommen da Mehrkosten auf uns zu.“ Tragen würden diese sowohl Vereine als auch die Gemeinde, sagt Hagenlocher. Sicherheit koste Geld, da müsse man solide Lösungen finden. „Das verteilt sich dann auf die Eintrittskosten“, betont Hagenlocher. Dennoch sei es der Gemeinde Wäschenbeuren ein Anliegen, dass die traditionsreiche Veranstaltung auch in Zukunft stattfinden kann. Der Bürgermeister blickt optimistisch auf die Veranstaltung. Man hätte die wesentlichen Gefahrenpunkte entschärft und ein solides Konzept auf die Beine gestellt. „Ich selbst werde dabei sein und den Umzug mit gutem Gewissen genießen“, freut sich Hagenlocher auf den Fasnetumzug.

Polizei sieht keine Hinweise auf Gefahren

So geht es auch Marco Graf vom Brauchtumsverein Wäschenbeuren, er freue sich auf den Umzug und habe keine Bedenken, sagt er. Allerdings findet er es schade, dass so viel auf die Vereine abgewälzt werde. Gerade von der Polizei hätte er sich mehr Initiative erhofft, wenn es um das Thema innere Sicherheit geht. Finanziell werde es „recht viel“ sein, was da auf einen zukomme.​

Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ulm, Joachim Schulz, betont, dass die Polizei eine beratende Funktion habe und der Veranstalter für die sichere Durchführung und den Schutz der Besucher selbst verantwortlich sei. Weiter erklärt er, dass Faschingsumzüge einer ständigen Bewertung der Gefahrenlage unterliegen und es in Baden-Württemberg aktuell keine Hinweise auf eine Gefahr gibt: „Es besteht daher kein konkreter Anlass, auf die Durchführung oder den Besuch von Veranstaltungen oder Versammlungen zu verzichten.“​

Termine der Fasnetumzüge​

Wäschenbeuren
 In der Schurwald-Gemeinde startet das närrische Treiben am Samstag, 1. März, um 13.30 Uhr.

Donzdorf
Einen Tag später feiert Donzdorf die Fasnet: Am Sonntag, 2. März, zieht der Narrenwurm ab 14 Uhr durch die Stadt.

Rechberghausen
Der Faschingsumzug in Rechberghausen setzt sich am Dienstag, 4. März, um 14 Uhr in Bewegung.​ 

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