Fasnachtsumzug in Konstanz Neonazis laufen mit

Von Wolfgang Messner 

Zehn Rechtsextreme haben sich unter die Gruppen des traditionellen Umzugs in Konstanz gemischt. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.

In der Stadt am Bodensee dürfen neben den etablierten Narren in historischen Kostümen (siehe Bild) auch freie Gruppen am Zug teilnehmen. Foto: dpa
In der Stadt am Bodensee dürfen neben den etablierten Narren in historischen Kostümen (siehe Bild) auch freie Gruppen am Zug teilnehmen. Foto: dpa

Konstanz - Das Video lässt sich problemlos im Internet bei Youtube herunterladen. Es steht in einer Reihe mit anderen Aufnahmen zum Konstanzer Fasnachtsumzug vom vergangenen Sonntag. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Ansammlung von Sensenmännern, wie sie bei Umzügen dieser Art zu sehen sind. Von den 25 000 Zuschauern des fasnachtlichen Spektakels fällt kaum jemand etwas Besonderes an dem Häufchen auf.

Nur, dass die Gruppe, die dort untermalt von dramatischer Musik defiliert, Narren der ganz anderen Art sind. Zehn Personen war es gelungen, sich unter die knapp 90 Gruppen des traditionellen Umzugs zu mischen. Sie trugen schwarze Umhänge, weiße Masken und ein Transparent mit der Aufschrift „Narri Narro – Der Untergang naht, seid Ihr froh?“ Sie sind Mitglieder des rechtsextremen Bundes „Freie Kräfte Hegau Bodensee“. Ihre Internetadresse geben sie gleich mit an.

„Die müssen sich während des Umzugs hineingeschmuggelt haben“, ist Kurt Köberlin, Veranstalter des Fasnachtsumzugs, überzeugt. „Das hat mit Fasnacht nichts zu tun. Die haben bei uns nichts zu suchen“, sagt der 61-Jährige Sprecher der Narrengesellschaft Kamelia Paradies empört. Kontrollieren und damit verhindern habe man den Auftritt nicht können. „Es ist ganz normal, dass freie Gruppen mitlaufen. Das gehört zur Fasnet dazu“, sagt Köberlin .

Ermittlungen wegen Verstoß gegen das Vermummungsverbot

Die Neonazis sind polizeibekannt. Einen Tag vor ihrer Aktion hatten sie sich in Göppingen, Geislingen, Esslingen und Winnenden an rechtsextremen Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an die Bombardierung Dresdens beteiligt. Im Hegau war sie zuletzt am 23. Dezember mit einer „Spontan-Demo“ in der Innenstadt von Singen gegen angebliche „Ausländer-Gewalt“ negativ aufgefallen. „Wir gehen nur von wenigen Aktivisten aus“, sagte ein Polizeisprecher. „Wir können da nur wenig machen, denn Straftaten sind uns keine bekannt“, bedauerte der Sprecher.

Das könnte sich möglicherweise bald ändern. Die Staatsanwaltschaft Konstanz hat ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsrecht und insbesondere gegen das Vermummungsgebot eingeleitet. Bei einer Verurteilung droht den Beteiligten eine Geldstrafe oder Haft bis zu einem Jahr. Ob die Ermittlungen vielversprechend sind, bleibt abzuwarten. Vermummt waren an diesem Tag viele.