Am Wochenende waren die Fasnetshochburgen Wernau und Neuhausen wieder fest in Narrenhand. Bei perfektem Wetter verfolgten Zehntausende die Umzüge durch die Gemeinden.
Am Samstagmittag sind die Gehwege der Kirchheimer Straße in Wernau bereits voll mit bunt kostümierten Besuchern. „Wir sind schon seit 11 Uhr hier“, sagt ein „Astronaut“, der sich gemeinsam mit seinen Begleitern einen der begehrten Plätze vor dem Rathaus ergattern konnte. Ein wenig habe das aber auch mit einer Fehlplanung zu tun, die Gruppe hat eine Stunde zu früh die S-Bahn aus Kirchheim genommen. An der ausgelassenen Stimmung ändert dieser Umstand jedoch nichts.
Auch das Wetter scheint den Narren wohlgesonnen zu sein. „Wir haben Sonne bestellt“, sagt Rita Zink, die Wernauer Ehrenzunftmeisterin. Noch sei es etwas frisch, aber dafür kenne sie genau die richtige Lösung. „Wir geben beim Umzug volle Power, dann wird einem auch warm“, erklärt sie. Gemeinsam mit Zunftmeister Markus Mirbauer und Bürgermeisterin Christiane Krieger – für die die Fasnet ein Teil der Berufsbeschreibung ist – übernimmt sie die Moderation des Umzugs.
Wie jedes Jahr eröffnen dann die Mitglieder des Wernauer Schützenvereins um kurz nach 14 Uhr den Umzug mit ohrenbetäubenden Schüssen aus ihren Pistolen. „Jetzt sind wir auch alle wieder wach“, kommentiert Krieger. Die Traditionsfiguren Büttel und Till, in diesem Jahr vom „Nachwuchsbüttel“ begleitet, künden dann sogleich den farbenfrohen Umzug an.
3000 Mitwirkende aus 70 Gruppen
Hexen, Teufel, Tiergestalten, Prinzenpaare und Musiker aus dem Ländle aber auch aus der Schweiz nehmen an der schwäbisch-alemannischen Fasnet in Wernau teil. Am Ende sind es knapp 3000 Mitwirkende, verteilt auf etwa 70 Zünfte und Gruppen. Neben den Wernauer Narren sind wie jedes Jahr auch viele andere Vereine aus der Stadt mit dabei, wie beispielsweise die Schlümpfe der Stadtkapelle oder die Eisbären des Ski- und Snowboardvereins.
Auf der Straße bietet sich den Besuchern ein großes Spektakel. Akrobatische Hebefiguren, Hexenpyramiden oder wilde Bestien, die an den Absperrungen rütteln – die Fasnet ist ein Erlebnis. Begleitet vom Klang von Ratschen, Schellen und den von den Geesgassdeifln aus Wernau geschwungenen Karbatschen heizen die Hästräger allen richtig ein.
Bis spät in die Nacht wird gefeiert
Auch mit den Zuschauern treiben sie ihre närrischen Spielchen. Mal gibt es Süßigkeiten, mal wird das Gesicht bemalt oder die Frisur neu gestaltet. Alles unter dem Motto „Jedem zur Freud’, keinem zum Leid“. Die Sonne scheint, die Stimmung ist gut und als dann noch die Hausemer Schnaidrebbler & Schtombaschiaßer „Verdammt ich lieb’ dich“ anstimmen, gibt es im Publikum kein Halten mehr. Noch bis spät in die Nacht wird in Wernau gefeiert und immer wieder ertönt der Narrenruf „Hecka-Heala, hoi, hoi, hoi“.
Für viele geht die Party am nächsten Tag in Neuhausen gleich weiter. Hier und da blickt man in müde Gesichter, die Sonnenbrillen verdecken sicherlich nicht nur wegen des schönen Wetters die Augen. Neuhausen und Fasnet – das gehört einfach zusammen. „Wenn du hier aufwächst, bist du einfach automatisch dabei“, sagt eine Besucherin mit grüner (Stoff-)Schlange um den Hals.
Zumal es in diesem Jahr viel zu feiern gibt. Am Schmotzigen Donnerstag feierten die Mitglieder des Narrenbunds bereits das 50-jährige Jubiläum des traditionellen Hexentanzes, am Sonntag zogen dann die Narren zum 60. Mal durch die Straßen der Gemeinde. „1965 hatten wir im Gründungsjahr bereits unseren ersten Umzug“, erklärt Markus Novak vom Neuhausener Narrenbund.
Von der Ehrentribüne aus sagt er gemeinsam mit Präsident Ronald Witt die teilnehmenden Gruppen an. In diesem Jahr eine Mammutaufgabe, denn über 100 Zünfte und andere Vereine aus ganz Baden-Württemberg, dem Fränkischen und der Schweiz haben sich für den Umzug angemeldet. Auch der Neuhausener Patenverein aus Wernau ist mit von der Partie. „Ich bin gespannt, wie lange wir brauchen“, sagt Novak lachend. Neben den Mitgliedern des Narrenbunds ist auch Bürgermeister Ingo Hacker auf der Bühne – allerdings nur als Gast, die Narren haben ihn ja während des Rathaussturms außer Dienst gestellt.
Ein Käfig für die „Entführten“
Auf den Gehwegen im Ortskern drängen sich die Besucher. Wer nicht aufpasst oder frech ist, verliert gerne einmal unfreiwillig einen Schuh oder wird gleich mitgenommen. Die Rotenhäne von Neuhausen haben praktischerweise gleich einen Käfig für die „Entführten“ dabei. Auch der Neuhausener Adel präsentiert sich wie am Tag zuvor bereits in Wernau von seiner schönsten Seite. Von Wagen und Autos herab winken die Prinzenpaare den Besuchern und verteilen Blumen und Süßes, vorneweg laufen die Garden.
Mit dem feinen Benehmen haben es Hexen, Teufel und Tierwesen nicht so ganz, sie lassen sich lieber für geklaute Schnürsenkel oder Kopfschmuck feiern. Begleitet von Guggenmusik laden sie aber auch gern zum Tanz ein und schwingen die oft mit Schellen versehenen Hüften. Mit allein 15 Masken- und mehreren Wagenbaugruppen ist der Narrenbund Neuhausen stark vertreten. „Auf die Pauke haut’se – Bauze, Bauze“ – den Narrenruf können hier alle auswendig. Auch nach dem Umzug wird der Ortskern noch lange Zeit eine Hochburg der guten Laune sein.
Das Finale und der Kehraus
Kinder
Der närrische Nachwuchs kommt an diesem Dienstag nochmals voll auf seine Kosten. In Neuhausen startet um 13.30 Uhr der große Kinderumzug durch den Ort. Anschließend steigt in der Egelseehalle die Kinderfasnet, die aber bereits ausverkauft ist. Kinderfasching ist zudem von 13.30 Uhr an im Wendlinger Treffpunkt Stadtmitte, von 14 Uhr an in der Wernauer Stadthalle und von 14.30 Uhr an in der Aichwalder Schurwaldhalle angesagt.
Ausklang
Ebenso festlich-feierlich wie traurig-weinend wird die Fasnet 2025 am Dienstabend zu Grabe getragen. Die finale Neuhausener Narrenparty im Saalbau beginnt um 18 Uhr und geht dort auch mit der traditionellen Fasnetsbeerdigung zu Ende. Ebenfalls um 18 Uhr beginnt zum Fasnetsausklang das Narrenbaumverbrennen vor dem Wolfschlugener Rathaus. In Wernau wiederum startet das Fasnetsbegräbnis um 20 Uhr auf dem Rathausplatz. Die Berkheimer Narren kosten den Fasnetsdienstag sogar noch etwas länger aus. Ab 21.45 Uhr werden die bunten Fahnen am Gemeindezentrum eingeholt, ehe um 22 Uhr die Fasnetsbeerdigung am alten Rathaus anfängt.