Der närrische Wochenmarkt in Bad Cannstatt zeigte sich wieder bunt und phantasievoll geschmückt. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Mit der Weiberfasnet oder dem Schmotzigen Donnerstag geht es in Stuttgart hoch her. Die fünfte Jahreszeit hat auch den Wochenmarkt erfasst. Kostümierte stellen sich vor.
Narri Narro. Am Schmotzigen Donnerstag geht es in Stuttgarts größtem Stadtbezirk Bad Cannstatt bunt, schrill und spaßig daher. Den Anfang am großen Tag der Weiberfasnet machen traditionsgemäß die Marktleute. Närrischer kann ein Wochenmarkt nicht sein. Das zeigt ein Blick auf die Kostümierten.
Da kann es doch nur gute Laune geben, zumal sich die Regenwolken schnell verzogen und die Sonne mitunter lachte bei der bunten Ansammlung von Narren, närrischen Verkäufern von Obst, Blumen und Gemüse auf dem Cannstatter Marktplatz.
Lustige Zwerge am Blumenstand
Gisela Eichinger (rechts) und Bettina Eupper am Blumenstand. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Gisela Eichinger (58) aus Kornwestheim begrüßt am Stand der Gärtnerei Steinle zusammen mit Bettina Eupper aus Bad Cannstattdie närrischen Besucher. Das Motto am Blumenstand zwischen Tulpen und Rosen: „Wir sind bunt“. Und das in der Tat: „Wir sind Zwerge“, sagt die 58-jährige Eichinger. Sie kommt seit 15 Jahren auf den Cannstatter Wochenmarkt.
Ihre Kollegin sei erst seit diesem Jahr am Stand. Für die närrischen Kostüme – Zwerge mit roter Zipfelmütze, grünen Westen, gelben Halstüchern – sorgt die Familie Steinle. Auch die selbst geschneiderten bunten, fröhlichen Pluderhosen stammen aus dem Faschingsfundus. Deshalb seien keine größeren Kosten angefallen. Eichinger gefällt die gute Stimmung auf dem Markt: „Das ist ansteckend.“
Viel Gemüse mit einem grünen Gockel
Philipp Esslinger am Gemüsestand. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Am Gemüse-Stand von Leuteneckers hingegen gibt es einen grünen Gockel. Unter dem Fasnetskostüm verbirgt sich Philipp Esslinger. Der 30-Jährige ist seit zehn Jahren am Stand auf dem Wochenmarkt. Auch hier sorgen die Leuteneckers für das Fasnets-Outfit ihrer Mitarbeitenden. „Letztes Jahr waren wir Früchte. Ich war Banane“, sagt Esslinger. „Das passte auch gut zu meiner Figur.“ Das Gockelkostüm jetzt sei etwas anstrengend bei der Arbeit, wenn die Kunden besonders gerne portugiesische Mandarinen, Orangen oder Ackersalat kaufen. „Mein Lieblingsgemüse ist Zucchini“, verrät Gockel Esslinger, bevor er wieder gefragt ist.
Eine große Ananas durch und durch
Marei H. ist als Ananas gekommen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Sie mag Ananas und ist kurzerhand in ein solches Kostüm geschlüpft: Den Overall im Ananasmuster habe sie für 30 Euro bei H&M gekauft, die Brille für fünf Euro stamme aus Schweden und die Ohrringe von einem Schmuckgeschäft. Das gesamte Outfit koste 40 bis 45 Euro, sagt die Cannstatterin Marei H. Ihre beiden schulpflichtigen Kinder sind erst am Abend beim Kübelesrennen dabei, so die 42-Jährige, die gerade noch allein unterwegs ist. Sie findet den Närrischen Wochenmarkt schön gemacht, immer die gleichen Stände, man kenne sich untereinander, es sei familiär, das mag sie.
Ganz in Rosa mit viel Phantasie
Tina Wagner, ganz in Rosa, liebt den Fasching. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Schrill rosa bunt zeigt sich Marktbesucherin Tina Wagner aus Waiblingen. Die 58-jährige hat viel Phantasie, wie sie sagt. „Ich hab heute die Haare pink“, freut sie sich. Auch über die langen Zöpfe. Sie gehört zu einer Narrenzunft. „Ich liebe den Fasching und mich zu verkleiden.“ Man werde nicht erkannt, das mache viel Spaß. Ihr Kostüm sei eine Mischung aus Schmetterling und Meerjungfrau. Das Outfit habe sie überall zusammengestückelt, wie sie sagt. Deshalb kann sie keine Kosten nennen. „Ich habe daheim vier große Kisten. Da ist auch was von den Kindern dabei.“ Ein Kinderrock in Rosa aus Tüll etwa dient ihr als lässiger Kragen. Und die Perücke: „Ich habe kurze Haare und wollte heute mal lange Zöpfe haben.“
Rote Haare und ein Elch am Gemüsestand
Rosa Buiguef (links) und Brigida Daum als Rothaarige und Elch. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Unterdessen stehen am Gemüsestand Eisenmann aus Berglen-Öschelbronn zwei Bären im Kostüm und ein Elch. Das Elchgeweih hat sich Brigida Daum (59) auf den Kopf gesetzt, das nur wenige Euro gekostet habe. „Ich mag Elche, es sind schöne Tiere“. Den Stand selbst haben sie mit viel Natur geschmückt: Zweige mit getrockneten Blättern und Tannengrün. Die Kostüme stammen von Buttinette, sagt sie. Ihre Kollegin Rosa Buiguef (58) stammt aus Stuttgart. Sie beeindruckt mit ihren leuchtenden, langen roten Haaren. Da staunen auch die Besucher. „Die Perücke hat zehn Euro gekostet“, verrät sie und gerne nehmen beide ihr Gemüse zur Hand, das sie am Stand verkaufen: Kohl und Gewürzkraut.
„Ich mag alles in Rotweiß“, sagt Inge Glootz aus Weilimdorf. Die 74-Jährige hat eine rotweißgetupfte Riesenschleife, die zu einem Clown passt. Dazu eine Brille mit schrägen Augen – einfach verrückt. Wieviel ihr Outfit gekostet hat, kann sie nicht mehr sagen, denn sie hat es aus ihrem vorhandenen Fundus ausgesucht.
Sie ist das erste Mal auf dem Närrischen Wochenmarkt und mit ihrer Schwester gekommen. „Früher war ich immer verkleidet“, sagt sie, bevor sie weitergehen zum Bühnenprogramm, bei dem die Narren schon kräftig mit Musik und Gesang auf dem Marktplatz einheizen.