Fasnet in Weil der Stadt Die Narren lassen sich ihre spektakulären Wagen 25 000 Euro kosten

Die riesige Aperol-Flasche samt Glas ist schon bereit für ihren Einsatz und wird im Februar durch die Straßen von Weil der Stadt rollen. Foto: Simon Granville

In Weil der Stadt laufen die Fasnetsvorbereitungen auf Hochtouren. Markus Renz bringt frischen Wind in den Wagenbau. Was erwartet die Besucher am 15. Februar?

Leonberg: Sophia Herzog (she)

In der Halle im Weil der Städter Spital kreischt die Säge. Ein junger Mann mit Schutzbrille und Baustellenkopfhörern fräst gerade ein überdimensionales Pflanzenblatt nach dem anderen aus dünnen Holzscheiben, während seine Kollegin neben ihm den Pinsel abwechselnd in bunte Farbe tunkt und die Holzstücke in bunte Kunstwerke verwandelt. Die Blätter sollen bald am Geländer des großen Fasnetswagen hängen, der neben den beiden auf seinen Einsatz warten. Die Blätter sind ein Last-Minute-Element: Ein überdimensionaler, exotischer Vogel, zahlreiche Palmen und Plastikblumen sind schon auf dem Gefährt montiert.

 

Seit Weihnachten geht es richtig rund in der Wagenbauhalle der Weil der Städter Narrenzunft AHA – 14 Fasnetswagen bauen die rund 70 ehrenamtlichen Helfer des Wagenbaus in den Wochen vor dem großen Umzug am Sonntag, 15. Februar. Weil in der Halle nicht Platz für alle Wagen gleichzeitig ist, wird in Chargen gearbeitet – gerade am Samstag wurden drei fertige Fahrzeuge umgeparkt, dann sind die nächsten dran.

Stabübergabe im Spital: Der Wagenbau hat einen neuen Chef

Mit dabei ist auch: Markus Renz. Er ist seit dieser Saison der neue Chef des Weiler Wagenbaus und hat damit Martin Gairhos abgelöst, der diesen Posten 16 Jahre lang inne hatte. Ein neues Gesicht ist Renz in den heiligen Hallen des Spittls aber nicht – seit er 16 Jahre als ist, mischt er hier mit. Mit einem Kumpel meldete er sich damals bei den Narren. „Wir hatten Bock auf Fasnet“, erinnert es sich heute. Handwerker ist er eigentlich nicht – sondern gelernter Schriftsetzer und Medienfachwirt. Seine Fähigkeiten an den Werkzeugen hat sich der heute 48-Jährige in vielen Jahren angelernt.

Markus Renz ist neuer Wagenbau-Chef – und löst Martin Gairhos ab, der diesen Job 16 Jahre inne hatte. Foto: Simon Granville

Und seinen neuen Job als Wagenbau-Chef? Nimmt Markus Renz pragmatisch: „Was anfällt, macht man halt“, sagt er. Zu seinen Aufgaben zählt seit in dieser Saison aber weniger das bauen, sondern mehr die Organisation. „Jetzt habe ich alles bissle im Auge“, erklärt er. Für die Ehrenamtlichen im Wagenbau checkt er, ob genug Materialien da sind, ob Farbe fehlt oder ein Werkzeug ausgetauscht werden muss. Rund 25 000 Euro geben die Narren pro Saison für ihr Material aus, die Höhe ist vor allem abhängig von den Holzpreisen. Und es wird immer fleißig gecheckt, ob nicht etwa Elemente aus dem vergangenen Jahr recycled werden können.

Bei der Fasnet in Weil der Stadt sind jedes bis zu 15 neue Wagen dabei

So konnten die Wagenbauer für den diesjährigen Fuhrpark etwa ein Schloss aus Teilen eines Wagens zusammenbauen, das vor drei Jahren mit dem Thema „Adams Family“ durch die Straßen rollte. Jede Saison lassen sich Narren aus den verschiedenen Einzelgruppen des Vereins Ideen für die Wagen einfallen, oft dienen Popkultur oder Weltgeschehen als Inspiration – wenngleich es in Weil der Stadt nicht ganz so politisch hergeht wie im Rheinland.

Wer dieser Tage also in die Wagenbauhalle spickt, sieht schon einen Vorgeschmack auf den ein oder anderen Wagen, der am 15. Februar zum Einsatz kommt. Kaum zu übersehen ist etwa die überdimensionale Aperolflasche. Ein weiterer Wagen huldigt der Kehrwoche. Und beim Leonberger Pferdemarkt wird wohl, als kleiner Vorgeschmack, ein überdimensionaler Kutter durch die Straßen rollen. Aber nein, es ist nicht das Schiff des Leonberger Ex-OB Cohn.

Der alte Chef bleibt den Wagenbauern noch erhalten

Weiterhin in der Halle umherhuschen wird bis zum großen Umzug derweil auch der ehemalige Wagenbau-Boss Martin Gairhos. „Wenn man die Fasnet so lange gelebt hat“, sagt er voller Überzeugung, „dann kommsch nimmer so schnell weg.“ Wenn jemand nach dem Chef ruft, muss er jetzt aber nicht mehr springen. „Das hat schon einen gewissen Vorteil“, beteuert er. „Jetzt kann ich es ein bisschen mehr genießen.“

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