Die fünfte Jahreszeit hat wieder begonnen. Die Narren in Böblingen haben ihr Häs abgestaubt und auf der Alba-Brücke gefeiert. Auch anderorts ging es im Kreis Böblingen närrisch zu.
„Häs statt Hass“, das ist die Devise der Böblinger Narren, die am Dreikönigstag ihren Narrenbaum an der Alba-Brücke aufgestellt haben. „Das Tolle an der Fasnet ist, dass damit gesellschaftliche Grenzen überwunden werden“, sagt die Vorsitzende der Kemmla-Hexen, Jasmin Kern, einer der zehn Böblinger Fasnetsgruppen, die aus den schaurig-dumpfen Mooren des Böblinger Stadtteils Kemmla zwischen Teckstraße und Herdweg kommt.
Von Hand wird der Narrenbaum aufgerichtet. /Stefanie Schlecht
Sie liebt die Fasnet, weil sie alle Menschen zusammenbringt und weil sich alle komplett vom Alltag lösen. „Mit den Masken sind alle Menschen gleich, egal welche gesellschaftliche Stellung sie haben, egal wie alt oder jung sie sind.“ Vor allem geht es für Jasmin Kern darum, dass niemand über dem anderen stehe und alle mit Humor und Nachsicht betrachtet werden sollten.
Deswegen wurden an diesem Montagvormittag unter den etwa 200 Besuchern auch Bändel verteilt mit der Aufschrift: „Häs statt Hass, Toleranz statt Hetzerei, so sich die Narretei.“ Auf der Bühne begann derweil das symbolische Häsabstauben, das der Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz unternahm. Er wünschte allen Narren eine glückselige Fasnet: „Es ist schön, wenn man wieder fröhliches Gelächter in den Straßen hört.“ Immerhin ist die nächste närrische Veranstaltung bei ihm. Der Rathaussturm beginnt am 27. Februar um 13.39 Uhr, danach ist Altweiberfasnet bei Freddy im Freddchen Böblingen, und am 3. März veranstaltet Grün-Weiß Böblingen den großen Rosenmontagsumzug auf dem Elbenplatz.
Die Geister des Winters vertreiben
Während die Häser der zehn Böblinger Fasnetsgruppen abgewedelt wurden, veranstaltete die Moderatorin Bianca Hartmann ein Quiz mit den Besuchern und erklärte den Ursprung der Fasnet: noch einmal ausgelassen zu feiern, bevor die Fastenzeit beginnt, mit der sich die Christen auf Ostern vorbereiten, und die bösen Geister des Winters zu vertreiben.
Noch immer ist die schwäbisch-alemannische Fasnet auf dem Vormarsch im protestantischen Württemberg, in dem die Tradition bis aufs Fasnetsküchle-Backen beinahe erloschen war, und die vor allem in den 80er Jahren eine umfassende Renaissance erlebt hat. Floh und Jochen beispielsweise im blauen Gewand der Wasserbuggl-Hexa und -Deifel haben für die diesjährige Kampagne gleich vier neue Mitglieder in ihren löblichen Orden aufgenommen, der unter dem Motto steht: „Net ufgfalla, isch wie net da gwesa.“ Natürlich gibt es für die frischgebackenen Hexen einen Aufnahmeritus, der unter anderem im Verzehr von Knoblauch-Schnaps besteht, gleichermaßen gut für Verdauung und Blutdruck.
Grün-Weiß sorgt für Stimmung
Auch in vielen weiteren Kreisgemeinden wie Weil der Stadt und Renningen haben die Narren den Auftakt der Fasnet gefeiert. Bei der 1. Narrenzunft Grafenau starten die tollen Tage traditionell schon am 5. Januar. Am Sonntagabend fand beim Dätzinger Schloss das Maskenabstauben mitsamt Taufzeremonie statt. Für Partystimmung sorgte die Guggen-Gruppe von Grün-Weiß Böblingen.
Zunächst nahmen Kreuzblitzhexen und Schloss-Teufel einige Jungmitglieder in ihre Gemeinschaft auf. Die Prüfungen waren hier noch verhältnismäßig harmlos. So waren die vermeintlichen Würmer, die es zu essen galt, zum Glück nur Fruchtgummis. Die erwachsenen Täuflinge traf es da schon etwas härter – unter anderem mussten sie eine Suppe auslöffeln, bei der ganze Hühnerfüße noch zu den appetitlichsten Zutaten zählten.