Fasnetsumzug Aidlingen abgesagt Ein Kraftakt für Narren und Gemeinden

Der Aidlinger Fasnetsumzug fällt im kommenden Jahr aus: Grund ist die Bundestagswahl am Tag darauf. Foto: Archiv/Thomas Bischof

Die Bundestagswahl bremst auch die Narren in Aidlingen aus. Der Fasnetsumzug am 22. Februar ist abgesagt. Das sagen Veranstalter und andere Beteiligte dazu.

Es ist ein herber Schlag für die Aidlinger Narren. Der große Fasnetsumzug durch den Ort, der jährlich tausende Besucher anzieht, kann im kommenden Jahr nicht stattfinden. Der Grund ist die Bundestagswahl am Tag darauf.

 

Aufgrund der Wahl am 23. Februar gebe es bestimmte Auflagen und Maßnahmen, die nicht mit der Veranstaltung in Einklang zu bringen seien, begründen die Organisatoren der Narrenzunft Aidbachhexen Aidlingen ihre Entscheidung. Denn das Wahllokal in der Sonnenbergschule befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Sonnenberghalle, wo normalerweise nach dem Umzug bis spät in die Nacht Fasching gefeiert wird. Das Bundeswahlgesetz schreibt nämlich unter anderem vor, dass auf dem Weg zum Wahllokal keine Plakate oder Graffitis mit politischen Botschaften sein dürfen, da sie die Wählerinnen und Wähler beeinflussen könnten.

Vorsitzender spricht von unkalkulierbarem Risiko für den Verein

„Das können wir als ausrichtender Verein im Umfeld der Sonnenberghalle über Nacht nicht sicherstellen“, erklärt Florian Breitling, der Vorsitzende der Aidbachhexen. „Ich habe Bilder aus den vergangenen Jahren im Kopf, wie es nach der Veranstaltung aussah. Wir haben teilweise bis 19 Uhr am Sonntag aufgeräumt“, erzählt Breitling.

Zudem erinnert er sich an das ein oder andere Graffiti, das über Nacht plötzlich an einer Wand auftauchte. Es seien zwar keine politischen Parolen gewesen, dennoch sei es ein „unkalkulierbares Risiko“ für den Verein – zumal die Passage in dem Gesetzestext hier leider sehr offen formuliert sei. Damit bleibe unklar, wer im Zweifel haften müsste. „Je mehr wir uns in das Wahlgesetz eingelesen hatten, umso bewusster ist uns das hohe Risiko geworden“, beschreibt Breitling die Entscheidung des Vereins. Und ohne die Abendveranstaltung in der Sonnenberghalle lohne sich der Umzug aus finanzieller Hinsicht nicht, fügt der Vereinschef hinzu.

Neben Straßenreinigung und Security stemmt der Verein auch die Sperrung der Ortsdurchfahrt. Das bedeutet einen hohen Aufwand – sowohl personell als auch finanziell. Deshalb hatten die Aidlinger Narren schon vor einigen Wochen eine veränderte Streckenführung in die Wohngebiete rund um das Furtholz angeregt, um so die weitläufige Umleitungsstrecke und die damit verbundene arbeits- und kostenintensive Ausschilderung zu verhindern. „So viele Umleitungsschilder hat die Gemeinde nämlich nicht“, erklärt Breitling, dass man diese für den Umzug extra anmieten und von Vereinsseite auch jeweils auf- und abbauen müsse.

Bereits die geänderte Streckenführung stieß auf großen Unmut auf der Facebook-Seite „Schwarzes Brett Aidlingen Umgebung“. Die Absage stößt nun ebenfalls vielfach auf Unverständnis. „Die Reaktionen halten sich aber in Grenzen“, sieht Florian Breitling die Sache eher unaufgeregt. Natürlich sei die Stimmung im Verein etwas getrübt, räumt er ein. Auch sonst seien einige Menschen nicht begeistert, dass der Umzug abgesagt werde. Vielen fehle das Grundverständnis für das, was Ehrenamtliche leisten, meint Breitling. Überwiegend zeige die Bevölkerung aber Verständnis.

Aidlingen ist auch nicht der einzige Ort in der Region, in dem ein Fasnetsumzug der Bundestagswahl zum Opfer fällt. Auch in Ludwigsburg-Neckarweihingen und in Schwäbisch Gmünd-Weiler (Ostalbkreis) sind die Faschingsumzüge aufgrund der Wahl abgesagt worden. Hier fiel der Umzug jedoch direkt mit dem Tag der Wahl zusammen. Und auch in Faschingshochburgen wie Kehl oder Sulz haben sich die Organisatoren für eine Absage entschieden.

Ehningen hat Glück gehabt: Hier kann der Umzug stattfinden. Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

„Megaschade. Da geht so viel Zeit und Energie rein“, sagt Joachim Bühler, der Vorsitzende des 1. Karnevalverein Ehningen. In dem Nachbarort habe man zunächst selbst gebibbert, weil ursprünglich auch der 16. Februar für den Wahlsonntag in Frage gekommen war – an diesem Tag machen die Ehninger ihren Umzug. Auch Thomas Rott, Aidlingens stellvertretender Bürgermeister, findet die Absage „jammerschade und bedauerlich“. Er sei überzeugt, dass die Gemeinde sich intensiv bemüht habe, die Veranstalter zu unterstützen. „Aber am Ende trägt eben der Verein das Risiko“, so Rott.

Die geänderte Streckenführung ist noch nicht vom Tisch

„Nach der Fasnetsaison werden wir uns zeitnah mit der Gemeinde zusammensetzen und die Planungen für 2026 besprechen“, sagt Breitling. „Da wird es ja hoffentlich nicht schon wieder zu Neuwahlen kommen“, sagt er mit einem gewissen Galgenhumor.

Auch über die mögliche neue Streckenführung werde man dann noch einmal beraten – unter anderem mit Helena Österle. Aidlingens neue Bürgermeisterin ist über die Feiertage im Urlaub, hat aber bereits ein Gespräch mit dem Verein angekündigt. „Die neue Strecke ist noch nicht vom Tisch, wir gehen da für 2026 völlig ergebnisoffen ran“, sagt Florian Breitling.

Die Fasnet fällt auch in Aidlingen nicht komplett aus

Terminkollision
Die Bundestagswahl am 23. Februar macht in diesem Jahr verschiedenen Fasnetvereinen in der Region einen Streich durch die Rechnung. Den Fasnetsauftakt und die Umzugstermine an den umliegenden Wochenenden trübt dieses Ereignis aber nicht.

Auftakt
Rund um den Dreikönigstag startet vielerorts die Fasnet. Die Aidbachhexen feiern ab 16.30 Uhr wieder vor dem Aidlinger Rathaus den Beginn der tollen Tage – inklusive Hexentaufe im eiskalten Aidbach. In der Nachbargemeinde Grafenau startet man schon einen Tag früher. Hier laden Kreuzblitzhexen und Schlossteufel bereits am 5. Januar um 18 Uhr zu Maskenabstauben und Taufe beim Dätzinger Schloss. In Böblingen findet das Fasnetwecken mit einer Vielzahl an Narrengruppen am 6. Januar um 11.11 Uhr statt. Veranstaltungsort ist wie schon im vergangenen Jahr wieder die Alba-Brücke beziehungsweise das Seegärtle. Weitere Auftaktveranstaltungen finden am 6. Januar unter anderem in Sindelfingen, Gärtringen und Bondorf statt.

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