Mangelnde und misslungene Kommunikation gilt als ein wichtiger Grund dafür, dass fast ein Viertel der jungen Menschen den Ausbildungsvertrag wieder lösen. Gründe sind häufig der hohe wirtschaftliche Druck und zu geringe Ressourcen in den Unternehmen. Jugendliche empfinden dies als Scheitern.

Wirtschaft: Inge Nowak (ino)

Stuttgart - Mangelnde oder misslungene Kommunikation zwischen Auszubildenden und Betrieb sei einer der Hauptgründe, dass knapp ein Viertel aller beruflichen Ausbildungsverträge jedes Jahr vorzeitig gelöst wird. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung des Soziologischen Forschungsinstituts (Sofi) an der Georg-August-Universität in Göttingen, die von der Vodafone Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Probleme gibt es dabei offensichtlich vor allem bei Klein- und Kleinstbetrieben, die fast die Hälfte aller Ausbildungsplätze stellen. Diese Unternehmen „stehen oft unter hohem wirtschaftlichen Druck und haben wenige Ressourcen, um die Ausbildung zu gestalten“, ist in der Studie nachzulesen. Der Betrieb werde von den jungen Menschen dann häufig weniger als Lern-, sondern vor allem als Arbeitsort erlebt, an dem sie sich völlig anderen Arbeitszeiten und -bedingungen unterordnen müssten. Zudem gebe es oft eine strenge Hierarchie. Dies würde die Auszubildenden zusätzlich hemmen, ihre Interessen deutlich zu machen, und eine sachliche Kommunikation bei Konflikten werde erschwert, ist in der Studie nachzulesen. Viele Jugendliche seien von den neuen Verhaltensanforderungen überfordert.

Offener Meinungsaustausch ist wichtig

Für ein erfolgreiches Ausbildungsverhältnis sei ein offener Meinungs- und Interessenausgleich wichtig. Die Erfahrung von Ausbildungsbegleitern habe gezeigt, dass Ausbildungsverträge eher scheitern, wenn in einem Betrieb keine „Gesprächskultur“ gepflegt werde. Azubis würden den Mangel am Kommunikation als fehlenden kollegialen Respekt und als Ausdruck der eigenen Machtlosigkeit wahrnehmen. „Ein Ausbildungsabbruch ist für viele Jugendliche eine schwere Phase, denn sie empfinden dies als Scheitern, werden demotiviert und verlieren wertvolle Lebenszeit“, kommentiert Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung, die Ergebnisse. In der Studie wird empfohlen, Schülern eine praxisnähere Berufsorientierung zu geben; Ausbilder in den Betrieben sollten gezielt unterstützt und regelmäßig weitergebildet werden.

Die Vodafone Stiftung ist nach eigenen Angaben eine der großen unternehmensverbundenen Stiftungen in Deutschland. Ihr Ziel ist es, benachteiligten Kindern und Jugendlichen den sozialen Aufstieg zu ermöglichen. www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.ausbildung-in-baden-wuerttemberg-frauen-brechen-ha...

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