Fast Food in Stuttgart Lukas Podolski serviert Döner und Influencer backen jetzt Pizza

Seit 2018 mit Döner im Geschäft: der Kölner Fußballer Lukas Podolski eröffnet auch eine Filiale in Stuttgart. Foto: imago/Eibner/Benjamin Horn/ Eibner-Pressefoto

Wer mit Erfolg Fast Food verkaufen will, sucht sich einen Star. Die Dönerkette Mangal ist mit dem Kölner Fußballer auf Expansionskurs. Die Youtuber Knossi und Trymacs regen den Appetit auf „Happy Slice“ an.

Böblingen: Kathrin Haasis (kat)

Sein Konterfei ziert schon das Schaufenster, aber Lukas Podolski kommt auch persönlich nach Stuttgart: Zur Eröffnung seines Döner-Lokals in der Schulstraße hat er einen Besuch versprochen. Spätestens Anfang September soll es so weit sein. „Dann ist Ausnahmezustand“, sagt Harun Yildiz, der Franchisenehmer der Filiale. Zuletzt gab es in Berlin einen Massenandrang, weil der Fußballweltmeister von 2014 in dem neuen Lokal Fleisch vom Spieß servierte. Als der Rapper Massiv im Januar 2022 seinen Baba’s Döner in den Stuttgarter Osten brachte, stand die Kundschaft ebenfalls stundenlang in der Schlange. Allerdings lockte nicht nur der Berliner Musiker die Fans an, sondern auch der Preis von einem Cent pro Döner. Mit neuen Stars lebt gerade ein altes Konzept wieder auf: Fast Food lässt sich mit prominenten Werbeträgern besser verkaufen. In Stuttgart ist neuerdings auch eine Pizza von Youtubern zu haben.

 

Zwei Profis haben sich gefunden

„Kebab of Champions“ nennt sich die Kooperation von Lukas Podolski mit Metin Dag. Die beiden sind schließlich Profis: Der Fußballer betreibt seit Jahren eine Eisdiele in Köln und ist an einem Brauhaus beteiligt, der Gastronom eröffnete 2008 sein Restaurant Mangal und acht Jahre später einen Döner-Ableger. Lukas Podolski schmeckte es dort und die beiden wurden sich handelseinig. Mangal x LP10 heißt ihre 2018  in  Köln  gestartete Kette nach der Rückennummer des Fußballers, die mittlerweile 34 Lokale umfasst, die meisten in Nordrhein-Westfalen. In der Branche herrschte lange Verwunderung darüber, warum sich der Döner nicht wie der Burger in ein Franchise-Konzept packen ließ. Zuletzt scheiterte die Marke Tasty eines früheren Managers von Kentucky Fried Chicken an der Expansion und musste Insolvenz anmelden.

Schon zur Eröffnung von Baba’s Döner in Stuttgart bildeten sich lange Schlangen. Foto: SDMG/SDMG / Pusch

„Wir wachsen sehr schnell“, sagt der Franchisenehmer  Harun Yildiz. Wie viele Filialen von Mangal x LP10 gerade im Entstehen sind, kann oder will er nicht verraten. „Es läuft so gut, weil es so gut schmeckt“, lautet seine Erklärung. Das Brot werde selbst gebacken, das Fleisch sei „von höchster Qualität mit ganz speziellem Gewürz“ und der Salat „knackig“, wird auf der Homepage behauptet. Dass „Lukas immer noch sehr beliebt ist“, räumt Harum Yildiz außerdem ein. Wie beliebt, war während der Europameisterschaft im Fernsehen zu sehen: Der Fußballer trat in der Werbung von drei Marken auf, in einem Clip für Paypal bestellte er sogar Döner. Auch die Kette von Massiv breitet sich dieses Jahr recht rasant aus: Zu den fünf bestehenden Imbissen kamen noch einmal so viele dazu. „Die Welt ist schöner dank Baba’s Döner“, lautet der Slogan des Berliner Rappers.

Wie mit Stars in der Gastronomie das große Geschäft gemacht wird, führte das 1971 in London eröffnete Hard Rock Café vor, in dem Eric Clapton seine Gitarre an die Wand hängen ließ. Das Unternehmen verfügt mittlerweile über die weltweit größte Sammlung an Exponaten aus der Musikszene, die in den 166 Lokalen und Hotels ausgestellt wird. Aktuell ist Weltfußballer Lionel Messi das Gesicht der Marke. In den 1990er Jahren kopierte Planet Hollywood das Konzept: Die Restaurantkette wurde von den Schauspielern Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis und Sylvester Stallone protegiert. Sie war nach dem Börsengang drei Milliarden Dollar wert und acht Jahre später pleite. Das Fashion Café der Supermodels Claudia Schiffer, Elle Macpherson, Naomi Campbell und Christy Turlington kam in nur drei Jahren auf drei Filialen. Der Schauspieler Mark Wahlberg hat es dagegen mit Wahlburger auf fast 50 gebracht. Der Rapper Flavor Flav gab schon nach vier Monaten seinen Imbiss für frittiertes Hähnchen wieder auf. Sein Kollege KC Rebell setzte 2014 auf Sisha Bars in Bad Cannstatt, Köln und Hamburg, die wieder geschlossen sind. Der in Stuttgart geborene Rapper Dardan hat vor zwei Jahren angekündigt, am Mailänder Platz eine Vertretung der albanischen Kette Proper Pizza zu starten, der Vollzug steht allerdings noch aus.

Der Youtuber Knossi promotet die Pizzamarke Happy Slice. Foto: Lanch/Instagram

Das Berliner Start-up Lanch spart sich die Miete für eigene Lokale. Ihre Pizzen und Chicken Nuggets werden in Dark Kitchens zubereitet, also inkognito von lokalen Gastronomen. Ihre Kundschaft braucht kein Restaurant, sondern sitzt zu Hause vor dem Bildschirm und schaut den Youtubern Knossi und Trymacs beim Computerspielen zu. Mit deren Hilfe verkauft Lanch unter dem Namen „Happy Slice“ Pizzen mit Belägen wie Hollandaise Prosciutto und Jalapeño Chicken Cheese für weniger als zehn Euro das Stück – nun auch in Stuttgart. Zusammen sprechen die Influencer mehr als acht Millionen Fans im Internet an. Die Idee haben die Gründer von Lanch aus den sozialen Medien abgeschaut, wo Kylie Jenner vom Kardashian-Clan mit Kosmetik Milliarden umsetzt und der Rapper Capital Bra literweise Eistee verkauft. Mehrere Millionen Euro an Startkapital sammelten sie dafür unter anderem von den Fußballweltmeistern Mario Götze und André Schürrle ein. Ihre zweite Linie „Loco Chicken“ wird von Rapper Luciano promotet, der auf Instagram zwei Millionen Follower hat. Dafür konnte in der Region bislang wohl noch keine aufs Frittieren spezialisierte Dark Kitchen gefunden werden.

Am Ausbau von Lukas Podolskis Döner „sind die Handwerker Vollgas dran“, berichtet Harun Yildiz. Womöglich gibt es dort schon im August den „Poldi Sandwich“ für knapp neun Euro zu haben. Wie der Besucheransturm in der engen Gasse geregelt wird, wenn der Namensgeber dort auftaucht, muss der Franchisenehmer noch regeln.

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