Fasten im Selbstversuch Bei Gott anklopfen

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Demut – ein Begriff, der bisweilen etwas aus der Mode gekommen scheint. Doch in der sechsten Woche der Fastenaktion der evangelischen Kirche ging es genau darum: „Klopfet an, so wird euch aufgetan“, lautete das Motto.

  Foto: Gottfried Stoppel
  Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Hatten Sie als Kind auch einen Talisman für die Klassenarbeiten in der Schule? Ein Text aus dem Begleitbuch zur Fastenaktion „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“ hat mich in der sechsten Fastenwoche daran erinnert: Klausuren habe ich immer mit einem besonderen Füllfederhalter geschrieben, den mein Vater mir geschenkt hatte. Schlechte Mathenoten ließen sich damit zwar nicht verhindern, aber trotzdem blieb ich dem Füller bis zum letzten Examen an der Uni treu und habe ihn noch immer in meiner Schublade liegen.

Meine Macht ist begrenzt

„Die kleinen Gegenstände könnte man als sichtbare Gebete bezeichnen“, schreibt die Kuratoriumsvorsitzende der Fastenaktion der evangelischen Kirche, Susanne Breit-Keßler, über die Glücksbringer, die viele Schülerinnen und Schüler bei Klausuren dabei haben: „Mit meiner Macht ist es halt nicht getan. Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Es ist eine Lebenshaltung, die Jesus uns da ans Herz legt“, so Breit-Keßler. Um diese Lebenshaltung ging es in der vergangenen Fastenwoche, die unter dem Motto stand: „Klopfet an, so wird euch aufgetan.“

Ich erinnere ich mich daran, wie ich einmal mit einer Freundin über Gebete und Klausuren diskutiert habe. „Und wenn du dann eine gute Note hast, dann war das alles gar nicht dein Verdienst, sondern Gott hat dir geholfen, oder was?“, fragte sie. Sie meinte, ich würde damit meine eigene Leistung schmälern. Es sei doch klar, dass, wer hart arbeite auch gute Ergebnisse erziele. Ich glaube nicht, dass es so einfach ist. Vielleicht gerät man an einen unfairen Prüfer. Oder man hat einen Blackout. Prüfungssituationen bergen viele Unwägbarkeiten, trotz aller Vorbereitung. „Wer bittet und sucht, wer anklopft und wartet, dass er empfängt, der weiß, dass das eigene Leben nicht eigener Verdienst ist. Wer betet – denn das meint Jesus ja damit –, der weiß, dass er sein Leben nicht selbst machen kann, sondern das meiste davon geschenkt bekommt“, schreibt Breit-Keßler.

Demut und Dankbarkeit

Es tut gut, sich einmal bewusst zu machen, was uns geschenkt worden ist. Ist es der eigene Verdienst, dass ich hier geboren wurde und nicht in einem Land, in dem Dürre oder Krieg herrscht? Ist es der eigene Verdienst, wenn ich am Morgen gesund aufstehen kann? Ist es der eigene Verdienst, dass ich eine Familie habe? Ist es der eigene Verdienst, dass ich in einer Demokratie lebe und nicht in einer Diktatur? Nein – und diese Erkenntnis macht mich dankbar und demütig. Ich als Mensch kann viel bewirken und bewegen, aber ich habe niemals alles in der Hand. Deshalb kann es so wohltuend sein, bei Gott anzuklopfen.

„Jesus gibt uns eine kraftvolle Verheißung mit auf den Weg: Eure Gebete werden erhört“, schreibt Breit-Keßler zum Motto der Woche. Manchmal öffnet sich die Tür erst mit großer Verzögerung oder gar nicht. Das ist hart. Gottvertrauen – das kann bedeuten, mehrfach anzuklopfen.




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