Fasten im Selbstversuch Sieben Wochen für das Klima

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Energie sparen, weniger Autofahren, plastikfrei leben – die Kirchen rufen von Aschermittwoch bis Ostersonntag zu sieben Wochen Klimafasten auf. Unsere Redakteurin startet den Selbstversuch.

Sieben Wochen anders leben für das Klima - unsere Redakteurin probiert es aus. Foto: Gottfried Stoppel
Sieben Wochen anders leben für das Klima - unsere Redakteurin probiert es aus. Foto: Gottfried Stoppel

Waiblingen - Was brauche ich wirklich? Worauf kann ich verzichten? Was tut mir gut? Womit kann ich die Welt ein wenig besser machen? Elf evangelische Landeskirchen und drei katholische Bistümer laden während der Fastenzeit unter dem Motto „So viel du brauchst...“ dazu ein, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen – bei einer Fastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit.

Jede der sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag steht dabei unter einem anderen Motto. Dabei geht es beispielsweise um Energiesparen, fairen Konsum oder ein plastikfreies Leben. Eine kleine Broschüre gibt Tipps und Anregungen, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen. „Es ist völlig freiwillig. Probieren Sie einfach aus, was Sie anspricht und hören Sie in sich hinein. Wenn etwas für Sie nicht geht, dann geht’s nicht“, rät Siglinde Hinderer vom Umweltbüro der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Hinderer betreut die Aktion Klimafasten in der Landeskirche und ist sonst für das Energiemanagement in Kirchengemeinden zuständig.

Klimaschutz ist gerade ein großes Thema

Das Klimafasten der Kirchen gibt es bereits seit 2015, in diesem Jahr hat sich auch die Evangelische Landeskirche Württemberg der bundesweiten Aktion angeschlossen. Zuvor habe man Klimafasten in einem kleineren Rahmen praktiziert, doch die Zusammenarbeit mit den anderen Landeskirchen habe Vorteile – nicht zuletzt ökonomischer Art. So nutzen alle Teilnehmer die gleiche Fastenbroschüre: „Gemeinsam können wir mehr anbieten“, erklärt Hinderer.

Die Nachfrage sei in diesem Jahr besonders hoch: „Wir haben schon rund 4500 Broschüren in Württemberg verschickt“, sagt Hinderer. Bald seien die Bestände aufgebraucht, doch das ist gewollt: Schließlich beginnt die Fastenaktion am Aschermittwoch. Wer keine Broschüre erhalten hat, findet alle Informationen auch online.

Dass das Thema Klimaschutz unter anderem durch die Schülerstreiks gerade in aller Munde ist, komme der Aktion der Kirchen sicherlich zugute, so Hinderer. „Wir tragen Verantwortung für die Schöpfung und für künftige Generationen. Die Kirche kann hier Antworten geben und Vorreiter beim Klimaschutz sein“, betont sie. So könnten Gemeinden beispielsweise einen Beitrag leisten, indem sie Fahrgemeinschaften zu den Gottesdiensten einrichten.

Verbote machen Angst

„Beim Klimaschutz ist jeder Einzelne gefragt“, betont Siglinde Hinderer, warnt aber gleichzeitig vor strikten Verboten: „Das macht den Menschen Angst.“ Die Fastenaktion sieht sie daher in erster Linie als Chance für die Teilnehmer an, in kleinen Schritten, die zu ihrer jeweiligen Situation passen, etwas auszuprobieren und Gewohnheiten dann gegebenenfalls dauerhaft zu verändern.

Aus theologischer Sicht erinnern die Christen in der Fastenzeit an das Leiden Jesu. Durch Verzicht und Gebete hinterfragten sie sich selbst und ihren Lebensstil, nähmen sich Zeit für Gott und für das, was er ihnen zu sagen habe, erläutert Hinderer die Bedeutung der sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag. Sich der Verantwortung für Gottes Schöpfung bewusst zu werden, Dankbarkeit zu entwickeln für unseren Reichtum an Lebensmitteln und Komfort, anstatt einfach immer nur zu konsumieren – dazu biete die Fastenzeit also auch aus theologischer Sicht eine gute Gelegenheit. „Es geht darum, durch den Verzicht wieder Werte zu gewinnen, wieder ein richtiges Maß zu finden“, sagt Hinderer. Um zu fasten, müsse man nicht unbedingt gläubig sein.

Die Redakteurin im Selbstversuch

Sieben Wochen Klimafasten – für die Rems-Murr-Ausgabe der Stuttgarter Zeitung werde ich anhand der Tipps aus der Fastenbroschüre meine Gewohnheiten überprüfen, Neues ausprobieren und regelmäßig ein kleines Fazit ziehen. Die erste Woche ab Aschermittwoch steht unter dem Motto „Eine Woche Zeit... für mich und meine Mitgeschöpfe.“ Es geht darum, eine Struktur für die Fastenzeit zu finden, die Sinne zu schärfen und dem Alltäglichen Aufmerksamkeit zu schenken.




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