Fastenmonat Ramadan Verzichten, aber nicht leiden

Von Regine Warth 

Wer den Fastenmonat Ramadan begeht, der an diesem Mittwoch beginnt, sollte auf die Warnsignale seines Körpers achten.

Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang müssen Muslime auf Essen und Trinken verzichten, wenn sie den Fastenmonat Ramadan begehen. Foto: dpa
Zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang müssen Muslime auf Essen und Trinken verzichten, wenn sie den Fastenmonat Ramadan begehen. Foto: dpa

Stuttgart - Der Verzicht kommt mit Sonnenaufgang: An diesem Mittwoch beginnt für Muslime der Fastenmonat Ramadan. Tagsüber sind sämtliche Speisen und Getränke verboten. Der Mensch soll sich auf das Wesentliche konzentrieren und Nahrung als etwas Gottgegebenes anerkennen.

Doch das Hungern aus religiösen Gründen ist medizinisch gesehen nicht unstrittig: Derzeit geht die Sonne um zwischen 5 und 6 Uhr auf und etwa um 21 Uhr erst unter. Mehr als 16 Stunden müssen die Gläubigen ohne Essen und Trinken auskommen. Und das auch bei sommerlichen Temperaturen. Das hat körperliche Folgen: „Man ermüdet leichter, und es kann zu Kreislaufbeschwerden kommen“, sagt der Stuttgarter Arzt Necati Kura.

Für den Mediziner ist Ramadan vor allem eine Zeit der Ermahnungen. Als gläubiger Muslim kann er den Wunsch verstehen, mit der religiösen Tradition des Islam nicht zu brechen. „Andererseits gibt es viele, die mit dem Fasten ihre Gesundheit gefährden.“ Dazu gehören Patienten mit chronischen Krankheiten wie Diabetes, die regelmäßig essen müssen, um ihre Blutzuckerwerte zu halten. Oder Patienten mit einer Nierenschädigung. Denn wer wenig trinkt, belastet seine Niere, weil sie die Giftstoffe mit möglichst wenig Flüssigkeit aus dem Körper schwemmen muss. „Auch Menschen, die auf Medikamente angewiesen sind, sollten nicht fasten“, sagt Necati Kura. Denn für viele Muslime gilt auch die Einnahme von Tabletten als Fastenbruch.

Gesund durch den Ramadan: Morgens viel trinken

Dabei kennt der Islam durchaus Ausnahmeregelungen für Kranke, Reisende, schwangere Frauen und stillende Mütter sowie altersschwache Menschen, die nicht in der Lage sind zu fasten. Nur dazu müsste man auch selbst anerkennen, dass man zu dieser Gruppe gehört, sagt Kura. Und das falle vielen seiner Patienten schwer.

Doch auch an sich gesunde Muslime sollten Ramadan langsam angehen: Kura rät, morgens viel zu trinken, sich nicht zu sehr körperlich zu verausgaben und es am Abend mit dem Essen nicht zu übertreiben: „Wer sich mit Heißhunger auf die Speisen stürzt, tut seinem Körper nichts Gutes.“ Wichtig sei es, erst einmal nur eine kleine Portion zu sich zu nehmen – „eben gerade so viel, dass man noch hungrig vom Tisch aufsteht“. Denn es dauert eine Zeit, bis die Nahrung den Blutzuckerspiegel anhebt und sich das Sättigungsgefühl einstellt. „Ist man nach einer halben Stunde immer noch hungrig, kann man sich noch einen Nachschlag holen.“

Auf die Energie, die der Körper am Tag braucht, hat die Zahl der Mahlzeiten keinen Einfluss, beruhigt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Auch wer nur ein- oder zweimal am Tag isst, verbraucht die gleiche Menge an Energie, als wenn er fünf Mahlzeiten täglich zu sich nimmt.