Fatale Fehlinformation für SG Heli Regel-Chaos - Feier des Oberliga-Aufstiegs endet nach einer halben Stunde jäh

, aktualisiert am 21.05.2026 - 12:51 Uhr
Da sah die Heli-Welt noch so was von in Ordnung aus: Direkt nach dem Ende des Turniers feiern die Berghandballerinnen den vermeintlichen Aufstieg. Der Frust folgt wenig später. Foto: oh

Die Handballerinnen der SG Hegensberg/Liebersbronn bejubeln nach dem Aufstiegsturnier in Lichtenstein schon den Sprung in die Oberliga, doch sie werden wohl gar nicht aufsteigen.

Reporter: Sigor Paesler

Es war eine sportliche Achterbahnfahrt der Gefühle der krasseren Sorte: Eine halbe Stunde lang dachten die Handballerinnen der SG Hegensberg/Liebersbronn am Sonntagabend, sie seien in die Oberliga aufgestiegen. Dann aber kam die Nachricht: Doch nicht, Siegerinnen des Viererturniers um den Aufstieg in Lichtenstein-Unterhausen sind die Gastgeberinnen der SG Ober-/Unterhausen.

 

Am Montag folgte noch ein Schriftverkehr mit dem Baden-Württembergischen Handball-Verbandes (BWHV). Das endgültige Ergebnis und damit die Bestätigung stand zunächst noch aus, aber die Lage scheint eindeutig – zuungunsten der Berghandballerinnen.

Michael Roll, der Vizepräsident Spieltechnik des BWHV, bestätigte am Montag den Vorgang sowie, dass er mit den betroffenen Vereinen in Kontakt stehe und es eine schriftliche Klärung geben werde. Der wollte er freilich nicht vorgreifen.

„Wir waren schon mit dem Feiern fertig, dann hat Ober-/Unterhausen gefeiert“, erzählte Heli-Trainer Ogu Nwagbara derweil kopfschüttelnd und bemühte sich um Fassung: „Ich versuche, mich nicht aufzuregen. Denn meine Aufregung ändert nichts.“

Turnier um Oberliga-Aufstieg: Enges Spiel der SG Hegensberg/Liebersbronn gegen die SG Ober-/Unterhausen

Um Licht ins Dunkel zu bringen, muss man jedenfalls auf Feinheiten achten. In der letzten Begegnung des Turniers der vier Staffelzweiten – gespielt wurde im Modus Jeder-gegen-Jeden in jeweils 2 mal 20 Minuten – standen sich Ober-/Unterhausen und Hegensberg/Liebersbronn gegenüber. Die Heli-Frauen hatten 4:0, Ober-/Unterhausen 2:2 Punkte – und das schlechtere Torverhältnis.

Ogu Nwagbara, Trainer der SG Hegensberg/Liebersbronn, ist konsterniert. Foto: Rudel

Die Berghandballerinnen gingen davon aus, dass ihnen ein Unentschieden oder eine knappe Niederlage für den Aufstieg reichen würde. „Wir wollten trotzdem gewinnen“, erklärte Nwagbara. Die Partie war spannend und eng – und Ober-/Unterhausen gewann mit 15:14. Offenbar bestätigte der offizielle BWHV-Vertreter in der Halle, dass Heli aufgestiegen war. Aber offensichtlich lag er damit falsch – was wiederum ein Anruf der empörten Gastgeberinnen bei einem weiteren Verbandsvertreter bestätigte.

Hier die entscheidenden Zeilen der Durchführungsbestimmungen: Zwar steht dort tatsächlich, dass bei Aufstiegsspielen in Turnierform „bei Punktgleichheit und gleicher Tordifferenz nach der höheren Zahl der geworfenen Tore“ gewertet wird – allerdings, und das ist letztendlich entscheidend, bei der „Wertung der gegeneinander ausgetragenen Spiele nach § 44 (1) DHB SpO.“ Also nicht nach der Wertung aller Spiele des Turniers, sondern des direkten Aufeinandertreffens der beiden betreffenden Teams. Da hatte Ober-/Unterhausen eben 15 und die SG Heli 14 Tore erzielt.

Trainer Ogu Nwagbara von der SG Heli: „Sehr irritierend“

„Meine Information vor dem Spiel war, dass wir mit bis zu vier Toren verlieren können und ich habe danach direkt beim Turnierleiter nachgefragt. Nach seiner Erklärung war es für mich offiziell und wir haben gefeiert“, erzählte Nwagbara und findet die Angelegenheit insgesamt „sehr irritierend“.

Anna Lederle, die Handball-Abteilungsleiterin der SG Heli, stand auch einen Tag danach noch unter dem Eindruck des Erlebten. „Es spricht für sich, dass es erklärungsbedürftig ist“, sagte sie, „die Enttäuschung ist bei uns sehr groß, es herrschen Unverständnis und Ärger.“ Und sie fand: „Wir hätten es voll verdient gehabt, weil wir ein richtig geiles Turnier gespielt haben. Das Spiel gegen die Spvgg Mössingen war das beste der Saison.“ Die vermeintlich vorentscheidende Begegnung hatten die SG-Handballerinnen nach 14:16-Rückstand mit 18:17 gewonnen.

Ob sich die Berghandballerinnen die gedruckte Montagausgabe der Eßlinger Zeitung ausschneiden werden? „Heli-Frauen steigen in die Oberliga auf“, lautete da noch die Überschrift – die Wendung kam erst nach Druckbeginn herein, online und im E-Paper lautete die Zeile dann: „Erst Jubel, dann riesiger Frust bei den Heli-Frauen.“

Es wird eine Weile dauern, bis die SG-Handballerinnen und ihr Trainer die Enttäuschung abgeschüttelt haben werden. Nwagbara aber machte schon einen Schritt dorthin: „Der Aufstieg war in dieser Saison nicht geplant, wir wollten Spaß haben. Wir haben alles erreicht“, sagte er. Und: „Wir feiern trotzdem, entweder den Aufstieg oder dass wir ein geiles Turnier gespielt haben.“ Es wird wohl beim „geilen Turnier“ bleiben.

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